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04.07.2019

15:21

Lichtkonzern

Osram soll nach Übernahme expandieren

Von: Axel Höpner, Martin Murphy, Robert Landgraf

Die Finanzinvestoren wollen den Lichtkonzern nach der Übernahme nicht zerschlagen. Vielmehr wollen sie in das Geschäft investieren. Der Aufsichtsrat berät am Abend.

Osram soll nach Übernahme expandieren Reuters

Osram-Logo

Die Finanzinvestoren Bain und Carlyle wollen den Konzern übernehmen.

München, Frankfurt Das Papier ist 30 Seiten stark und soll ein Novum im Miteinander alter Industrien und Finanzinvestoren darstellen. In den Unterlagen haben der Vorstand des Lichtkonzerns Osram und die Finanzinvestoren Bain und Carlyle festgehalten, wie es mit dem Konzern nach der geplanten Übernahme weitergehen soll.

Gleich zu Beginn heißt es, „die Investoren erkennen an, dass die Mitarbeiter der Garant für den Erfolg des Unternehmens sind“. Die Investoren sicherten daher einen Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zu, wie das Handelsblatt aus mit dem Deal vertrauten Kreisen erfuhr. „De Tarifverträge bleiben in Kraft.“

In dem Schriftsatz wurde aber auch ein Weg für die weitere Entwicklung von Osram vereinbart. Demnach soll die ehemalige Siemens-Tochter nicht zerschlagen, sondern durch Akquisitionen noch gestärkt werden. Dazu stünden Milliarden der Fonds bereits, wenn es sinnvolle Ziele geben würde, hieß es in den Kreisen.

Es war spekuliert worden, dass ein neuer Eigentümer zum Beispiel die Chiptochter Opto Semiconductors abspalten könnte. Diese bescherte dem Konzern in guten Zeiten hohe Wachstumsraten und Margen, nun wird sie für den Konzern aber zunehmend zur Belastung.

Bain und Carlyle hatten die Übernahme von Osram monatelang geprüft. Der Konzern sei in seiner Struktur komplex mit sehr unterschiedlichen Geschäftsfeldern, hieß es im Verhandlungsumfeld zur Begründung.

Die IG Metall und der Betriebsrat waren in die Gespräche und die Ausarbeitung des 30-seitigen Zukunftspaktes eingebunden. Ihre Zusicherung sei daher sehr wahrscheinlich. Damit ist absehbar, dass der Aufsichtsrat auf seiner für Donnerstagabend angesetzten Sitzung der Übernahme durch Bain und Carlyle zustimmen wird. Die Unternehmen wollten sich zu den Informationen nicht äußern.

Die beiden Finanzinvestoren haben ihr Übernahmegebot bereits öffentlich gemacht. Für rund 3,4 Milliarden Euro – oder 35 Euro pro Aktie – wollen sie Osram erwerben und von der Börse nehmen. „Das Unternehmen soll damit die Zeit erhalten, sich in Ruhe umzubauen und dabei nicht auf kurzfristige Quartalsbilanzen achten zu müssen“, sagte ein Insider dem Handelsblatt.

Traditionelles Geschäft vor dem Aus

Der Markt für Leuchtmittel steckt mitten im Umbruch. Das traditionelle Geschäft mit Glühbirnen und Halogenlampen steht vor dem Aus. Osram und seine Wettbewerber investieren in neue Leuchtsysteme auf Halbleiterbasis. Teile der Gesellschaft verkaufte Vorstandschef Olaf Berlien daher bereits – der Umbau ist aber bei Weitem nicht abgeschlossen.

Mit der bevorstehenden Übernahme durch die Finanzinvestoren sichert sich Osram auch gegen einen Verkauf an asiatische Firmen ab. Vor allem chinesische Unternehmen hätten hohes Interesse einer Übernahme gehabt, die letztlich aber scheiterten „Osram wäre von den Chinesen aufgesogen und die Technologie nach China verlagert worden“, sagte der Insider.

In dem Vertrag mit der Osram-Führung und der Gewerkschaft sichern die beiden Finanzinvestoren Bain und Carlyle nach Handelsblatt-Informationen einen Verbleib der Patente und des Firmensitzes in Deutschland zu. „Die Zentrale bleibt in München.“

Die Vereinbarung umfasst auch finanzielle Details: So wollten Bain und Carlyle 70 Prozent des Kaufpreises mit eigenem Kapital stemmen. Lediglich 30 Prozent würden über Kredite finanziert, hieß es. Zu den fünf finanzierenden Banken gehören Goldman Sachs, Deutsche Bank und Macquarie.

Ausgeschlossen sei zudem, dass Osram sich stärker verschulde. Die Verschuldung solle auf einem vernünftigen Niveau bleiben, was auch eine Sonderdividende ausschließe.

Mit der bevorstehenden Übernahme sichert sich Osram auch ein Stück weit gegen den Umbruch ab: Denn die LED-Chip- und Lichtbranche befindet sich im Abschwung. Mehrmals hatte Berlien die Prognosen nach unten korrigieren müssen. Die Aktie, die Anfang 2018 noch bei gut 77 Euro stand, ging in der Folge auf Talfahrt und stand im Mai nur noch bei rund 25 Euro. „So eine konjunkturelle Situation spielt allen in die Hände, die mit Übernahmen zu tun haben“, hieß es in Industriekreisen.

Nach mehreren Gewinnwarnungen ist Osram-Chef Berlien mittlerweile umstritten. Auf der Hauptversammlung im Februar räumte er ein: „Wir haben auch Fehler gemacht. Die Kritik an unserer Prognosefähigkeit ist berechtigt.“ Aufsichtsratschef Peter Bauer hatte sich bei dem Aktionärstreffen aber demonstrativ hinter Berlien gestellt.

Der 56-Jährige will auch nach einem Eigentümerwechsel auf dem Posten bleiben. Berlien habe keine Absicht sein Amt aufzugeben, hieß es in Konzernkreisen. Laut Finanzkreisen wollen auch die Investoren mit Berlien weitermachen.

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