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18.11.2019

14:00

Maue Konjunktur

Volkswagen kappt mittelfristige Wachstumsprognose

Von: Stefan Menzel

VW spürt die Konjunkturabkühlung: Der Autobauer hat seine Ertrags- und Umsatzziele zurückgenommen. Die Renditeziele hält Volkswagen aber aufrecht.

Der Autobauer hat seine mittelfristige Wachstumsprognose gekappt. dpa

Volkswagen

Der Autobauer hat seine mittelfristige Wachstumsprognose gekappt.

Düsseldorf Die weltweit schwächeren Automobilmärkte hinterlassen auch bei Volkswagen ihre Spuren. Der Wolfsburger Autohersteller wächst nicht mehr so stark wie zuletzt erwartet. Der VW-Konzern nimmt deshalb Ertrags- und Umsatzziele für das kommende Jahr im Rahmen seiner Mittelfristplanung leicht zurück. Volkswagen hält aber zugleich seine Renditeziele aufrecht.

Strenges Kostenmanagement soll dafür sorgen, dass VW seine Margenziele trotz schwächerer Automärkte nicht zurücknehmen muss. Investoren reagierten trotzdem enttäuscht auf die neuen Zahlen aus Wolfsburg. Am Mittag war die VW-Aktie Tagesverlierer im Frankfurter Börsenindex Dax.

Wie VW-Finanzvorstand Frank Witter am Montag im Gespräch mit Analysten sagte, soll der operative Gewinn vor Sondereffekten im Vergleich zu 2016 (14,6 Milliarden Euro) bis 2020 um 25 Prozent zulegen. Bislang war der Konzern für diesen Fünf-Jahres-Planungszeitraum von einem Zuwachs von mehr als 30 Prozent ausgegangen.

Volkswagen kalkuliert jetzt damit, dass der operative Gewinn im nächsten Jahr bei knapp 19 Milliarden Euro liegen wird. Im vergangenen Jahr waren es gut 17 Milliarden Euro. Auch beim Vorsteuergewinn muss sich der VW-Konzern mit weniger Wachstum zufrieden geben. Aus 40 Prozent Zuwachs werden jetzt 30 Prozent, was im kommenden Jahr knapp 15 Milliarden Euro entsprechen würde.

Die Prognose für das Umsatzwachstum hat Volkswagen für die Zeit von 2016 bis 2020 auf 20 Prozent gesenkt. Bislang war der VW-Konzern von plus 25 Prozent ausgegangen. Geht der jetzt revidierte Plan des Wolfsburger Autoherstellers auf, würde in der Bilanz für 2020 ein Konzernumsatz von gut 260 Milliarden Euro stehen. Im vergangenen Jahr hatte Volkswagen noch einen Umsatz von knapp 236 Milliarden Euro erreicht.

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„Das Allerbeste der Party ist vorüber“, kommentierte Finanzvorstand Witter die revidierte Planung. Weltweit liegen die Verkaufszahlen der gesamten Branche derzeit etwa fünf Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Noch deutlicher sind die Rückgänge in China, wo der Automarkt im Vorjahresvergleich um sieben Prozent geschrumpft ist. Der VW-Konzern ist in der Volksrepublik Marktführer, entsprechend bekommt der Wolfsburger Autohersteller dort auch die Marktschwäche zu spüren. Für das niedrigere Gewinnwachstum bei VW ist maßgeblich die aktuelle Entwicklung in China verantwortlich, bestätigte Witter im Analystengespräch.

Volkswagen sieht trotz des schwächer gewordenen Wachstums keinen Grund dafür, auch die Renditeziele zu ändern. „Wir sind wie geplant unterwegs“, betonte der Finanzvorstand. Im gesamten Konzern werde hart daran gearbeitet, die vorgegebenen Ziele zu erreichen.

In diesem und im nächsten Jahr steht in den Büchern von Volkswagen unverändert eine operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen in der Spanne zwischen 6,5 und 7,5 Prozent. „2021 wird sich davon nicht sonderlich unterscheiden“, ergänzte Witter. Bis 2025 soll es mit der Rendite dann allerdings weiter nach oben gehen. Volkswagen kalkuliert Mitte des kommenden Jahrzehnts für den gesamten Konzern mit einer operativen Marge zwischen sieben und acht Prozent. Auch an dieser längerfristigen Planzahl hat Volkswagen festgehalten.

Finanzvorstand Witter: „Cash ist König“

Bei anderen wichtigen Steuerungsgrößen nimmt Volkswagen ebenfalls keine Veränderungen vor. Die Entwicklungskostenquote (in Relation zum Umsatz) soll im nächsten Jahr wie geplant bei sechs Prozent liegen. Volkswagen war in der Vergangenheit immer wieder vorgehalten worden, dass der Konzern mit seinen Forschungsausgaben nicht ähnlich effizient wie die meisten Wettbewerber umgehe.

Volkswagen will insbesondere seinen Investoren beweisen, dass das Kostenmanagement im Forschungs- und Entwicklungsbereich besser geworden ist. Die Quote von sechs Prozent sei trotz der hohen Aufwendungen für Elektrifizierung und Digitalisierung erreichbar, so Volkswagen.

Trotz der Wachstumsschwäche bleibt der VW-Konzern auch bei seinem bisherigen Ziel für den Cash Flow. Im reinen automobilen Geschäft will Volkswagen in den Jahren bis 2025 jährlich immer einen Netto-Cash-Flow von mindestens zehn Milliarden Euro erreichen. „Cash ist König“, sagte Finanzvorstand Witter. Ein hoher Kassenbestand wird insbesondere an der Börse als ein Indikator dafür gesehen, dass Volkswagen mit dem Verkauf seiner Fahrzeuge echtes Geld verdient und über ausreichend Liquidität verfügt.

Witter versprach ein strenges Kostenmanagement im gesamten Konzern, um die gehaltenen Renditeziele auch tatsächlich zu erreichen. „Darauf achten wir wirklich mit Nachdruck“, so der Finanzvorstand. Unter den Konzerntöchtern werde heute viel stärker darauf geachtet, dass in der Fahrzeugproduktion größere Synergien entstehen. Ein Beispiel dafür seien die neuen Modelle von VW Passat und Skoda Superb, die schon gemeinsam entwickelt würden. Auch bei den Kompaktfahrzeugen aus der Golf-Klasse gebe es eine vergleichbar intensivere Zusammenarbeit.

Konzernchef Herbert Diess gab sich zuversichtlich, dass Volkswagen in den nächsten beiden Jahren die neuen verschärften Emissionsgrenzen beim Kohlendioxid innerhalb der EU einhalten werde. „Wir haben dafür den besten Plan und werden keine Geldbußen bezahlen“, betonte er. Dafür sorgten die neuen Elektroautos, die Volkswagen in den Jahren 2020 und 2021 auf den Markt bringen werde.

Der E-Anteil an allen verkauften Autos müsse im nächsten Jahr bei Volkswagen bei vier Prozent liegen, 2021 bei acht Prozent. Diese Vorgaben seien erreichbar, so Diess, „wir sind gut vorbereitet.“ Das neue Elektroauto ID.3 lasse sich zudem 40 Prozent günstiger produzieren als ein bislang verkaufter E-Golf.

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Auch langfristig besitze Volkswagen das richtige Geschäftsmodell. Damit werde der Konzern die weltweit niedrigeren Verkaufszahlen ausgleichen können. „2020 werden wir noch weitere Märkte mit Problemen sehen“, sagte Diess. Die gesamte Branche stehe vor keinem einfachen Jahr.

Unzufrieden ist Volkswagen mit dem hohen eigenen Lagerbestand von Fahrzeugen, der jetzt ungefähr für 100 Verkaufstage reicht. Die aktuelle Situation sei der generellen Absatzschwäche geschuldet, so Diess. Er gelobte Besserung. Volkswagen arbeite daran, den Lagerbestand zu reduzieren. Der VW-Konzern müsse zum Jahresende nicht mehr weltgrößter Autohersteller sein. Die Effizienz stehe eindeutig im Vordergrund, nicht die Zahl der verkauften Autos.

Diess kündigte außerdem an, dass sich Volkswagen von weiteren Bereichen trennen könnte, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. „Traton war der erste Schritt“, sagte Diess zum Teilbörsengang der eigenen Lkw-Sparte. „Da kommt noch mehr in den nächsten Jahren“, ergänzte er.

Trotz der schwachen Börsenreaktion findet der Kurs von Volkswagen grundsätzliche Zustimmung unter Investoren. „Es ist nur wirklich wichtig, dass der Konzern seine verschärften Effizienzziele nicht aus den Augen verliert“, betonte Arndt Ellinghorst vom Investmenthaus Evercore ISI. „Volkswagen muss liefern.“ Der Branchenexperte ist optimistisch, dass das Vorstandsteam um Konzernchef Diess die angekündigten Ziele erreichen wird. Ellinghorst hat sein Kursziel für die VW-Aktie auf 225 Euro hochgesetzt. Montagmittag notierte das Papier bei 178 Euro.

Mehr: Die Wolfsburger wollen bis 2024 fast 60 Milliarden Euro für Zukunftsinvestitionen ausgeben. Die VW-Tochter Audi erhält einen neuen Chef.

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