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05.08.2019

11:56

Medienbericht

So sortierte Monsanto Ex-Umweltministerin Hendricks auf geheimer Kritikerliste ein

Barbara Hendricks ist laut einem Bericht auf Monsantos Kritikerlisten notiert gewesen. Ihre Meinung zu Glyphosat sollte verändert werden. Die Ex-Ministerin ließ den Konzern abblitzen.

Die frühere Bundesumweltministerin stand auf einer der Monsanto-Listen. dpa

Barbara Hendricks

Die frühere Bundesumweltministerin stand auf einer der Monsanto-Listen.

Düsseldorf Barbara Hendricks ist doppelt rot – nicht nur als SPD-Politikerin, sondern offenbar auch bei Monsanto: Die Bayer-Tochter hatte im Mai dieses Jahres mit ihren Kritikerlisten für Schlagzeilen gesorgt. Auf den geheimen Listen fanden sich Hunderte Namen von Politikern, Experten und Journalisten. Ziel war es, Gegner zu beeinflussen. Es ging dabei insbesondere um deren Meinung zum umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat, der damals in der EU eine Neuzulassung brauchte.

Nun ist bekannt geworden, dass auch die frühere Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf einer dieser Listen auftauchte. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Dokumente aus dem Umweltministerium. Monsanto hatte 2016 die PR-Agentur Fleishman Hillard damit beauftragt, ein Stakeholder-Mapping in mehreren europäischen Ländern anzulegen – und zwar in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und Großbritannien.

Fleishman Hillard hatte Politiker demnach in eine Art Ampel-Farbschema einsortiert: von „aktiven Unterstützern“ (grün) über „möglicherweise“ bewegliche (rot) bis hin zu unbelehrbaren Gegnern (tiefrot). Hendricks war in die Kategorie rot einsortiert und galt der SZ zufolge als „möglicherweise beweglich“. Hendricks, die Vorbehalte gegen eine neuerliche Glyphosat-Zulassung hatte, sollte dazu gebracht werden, „zu einer neutralen Position zu wechseln“.

Mehrmals habe sich Monsanto an die Ministerin gewandt, im Falle einer Nichtzulassung von Glyphosat vor Jobverlusten gewarnt und um Termine gebeten, berichtet die SZ. Doch die Umweltministerin ließ den Konzern abblitzen. Bayer hat sich inzwischen von der PR-Agentur getrennt.

Die Leverkusener hatten direkt nach Bekanntwerden der Liste in Frankreich verlauten lassen, dass sie ein solches Vorgehen strikt ablehnen und den Vorfall umfassend aufarbeiten werden. Dabei war der neue Cheflobbyist von Bayer, Matthias Berninger, mit ungewöhnlich klaren Worten an die Öffentlichkeit getreten.

„Monsanto-Mitarbeiter müssen zur Aufklärung beitragen“

„Was wir bisher gesehen haben, halten wir für komplett unangemessen und nicht mit dem vereinbar, für das das Unternehmen Bayer steht“, sagte der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete. Er ist seit Jahresbeginn bei Bayer und leitet die neu geschaffenen Abteilung Public Affairs und Nachhaltigkeit.

Seit Amtsantritt hat er nach eigenem Bekunden mehrere Fälle entdeckt, in denen Monsanto im Umgang mit der Öffentlichkeit „nicht mit dem Ball, sondern gegen den Mann und die Frau gespielt hat“.

Er forderte, dass die Monsanto-Mitarbeiter vollumfänglich zur Aufklärung in der Listen-Affäre beitragen müssen, und drohte – wenn nötig – mit personellen Konsequenzen.

Mehr: Die Aufklärung der Affäre um Kritiker-Listen sorgt intern für Ärger: Manager des von Bayer gekauften Monsanto-Konzerns drohen mit Rücktritt.

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