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20.02.2019

17:45

Medizin-Konzern

Fresenius-Chef Stephan Sturm macht Anlegern neue Hoffnung

Von: Maike Telgheder

Fresenius will mehr ins Medikamentenportfolio investieren und ambulante Angebote im Klinikbereich ausbauen. Damit überzeugt der Konzern die Anleger.

Der Fresenius-Chef erhält Applaus von der Börse.  Bernd Roselieb für Handelsblatt

Stephan Sturm

Der Fresenius-Chef erhält Applaus von der Börse.

Frankfurt Zweimal hat der Gesundheitskonzern Fresenius im vergangenen Jahr die Märkte mit einer Rücknahme seiner Erwartungen schwer enttäuscht. Am Mittwoch dagegen versetzten die neuen Mittelfristziele des Dax-Konzerns die Börse in einen wahren Begeisterungssturm: Um bis zu 6,7 Prozent legten die Titel der Bad Homburger zeitweise zu.

Die ebenfalls im Dax notierte Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) profitierte zudem von der Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms – die Aktie stieg zeitweise um bis zu sieben Prozent. Damit machten beide Titel einen Teil ihrer Verluste seit Dezember vergangenen Jahres wieder wett.

Schon damals hatte Fresenius-Chef Stephan Sturm einen groben Ausblick auf die neuen Wachstumsziele für die Jahre 2020 bis 2023 gegeben.

Am Mittwoch wurden diese konkretisiert: Der Dax-Konzern will in diesem Zeitraum den Umsatz zwischen vier und sieben Prozent pro Jahr steigern. Das Ergebnis soll jährlich zwischen fünf und neun Prozent zulegen.

Für Analyst Volker Braun vom Bankhaus Lampe ist die Präzisierung der Prognose ein Indiz, dass sich alle Konzernbereiche auf einem Wachstumspfad befinden.

Grafik

Das war im vergangenen Jahr nicht überall so. Denn der größte Unternehmensbereich von Fresenius, die Dialysetochter Fresenius Medical Care, schrumpfte um sieben Prozent auf 16,5 Milliarden Euro Umsatz, wobei allerdings auch Währungseffekte und der Verkauf des Ärztenetzwerks Sound Inpatient eine Rolle spielten.

Tatsächlich aber war auch das Geschäft mit den Dialysepatienten in den USA hinter den Erwartungen zurückgeblieben, weil weniger Patienten in die Kliniken des Unternehmens kamen. FMC-Chef Rice Powell will nun unter anderem das Angebot an Heimdialyse ausbauen. Die in der Nacht zum Mittwoch in den USA freigegebene Übernahme des Heimdialyseanbieters NxStage ist ein wichtiger Schritt dazu.

Personalengpässe belasten Kliniktochter Helios

Aber auch bei der Kliniktochter Helios in Deutschland lief das Geschäft im vergangenen Jahr schlechter als erwartet. Die Zahl der stationären Behandlungen wächst nicht mehr so schnell wie früher, weil mehr Patienten ambulant behandelt werden. Zudem gab es an einigen Stellen Personalengpässe, wie Fresenius-Chef Stephan Sturm einräumte, weswegen auch weniger Patienten als möglich behandelt werden konnten.

Diese Entwicklungen führten dazu, dass Fresenius insgesamt im vergangenen Jahr nur das untere Ende seiner Prognose erreicht hat: Der Umsatz legte auf vergleichbarer Basis sechs Prozent zu. Das Konzernergebnis stieg währungsbereinigt um sieben Prozent auf 1,87 Milliarden Euro, inklusive Gewinn aus dem Verkauf des Ärztenetzwerks Sound Inpatient sogar um zwölf Prozent auf mehr als zwei Milliarden Euro.

Kommentar: Die Biotech-Expansion bleibt für Fresenius ein Wagnis

Kommentar

Die Biotech-Expansion bleibt für Fresenius ein Wagnis

Der Markt der sogenannten Biosimilars birgt für den Dax-Konzern noch viele Unwägbarkeiten. Das Management von Fresenius ist jetzt besonders gefragt.

Diesen Verkauf sowie Währungseffekte beim Umsatz eingerechnet schrumpfte Fresenius 2018 um ein Prozent auf 33,5 Milliarden Euro Umsatz. Um das Wachstum wieder anzukurbeln und die Mittelfristziele zu erreichen, will Fresenius in diesem Jahr stärker als sonst investieren. Statt der üblichen fünf bis sechs Prozent vom Umsatz sollen in diesem Jahr sieben Prozent beziehungsweise 2,5 Milliarden Euro in die Hand genommen werden.

In der Infusions- und Medikamentensparte Kabi etwa sind zahlreiche neue Produkteinführungen geplant. Zudem wird Fresenius in diesem Jahr sein erstes Biotech-Nachahmerprodukt auf den Markt bringen. Dieses neue Geschäftsfeld der Biosimilars hat Fresenius durch den Kauf der entsprechenden Aktivitäten des Merck-Konzerns vor zwei Jahren erworben.

Fresenius-Chef Sturm sieht insbesondere auf dem US-Markt großes Potenzial für die günstigeren Biotech-Nachfolgeprodukte, weil sie von der Regierung explizit unterstützt werden. „Biosimilars werden uns in der nächsten Dekade ein erhebliches Umsatz- und Ergebniswachstum bescheren“, sagte Sturm.

Anteilseigner sollen vom Kurs profitieren

Bei der Kliniktochter Helios in Deutschland soll das ambulante Klinikgeschäft mit dem Ausbau von medizinischen Versorgungszentren gefördert werden. Zudem will Helios auch in den Markt der betrieblichen Gesundheitsförderung einsteigen.

Im Pflegebereich plant Helios über die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbesetzungen von Pflegepersonal in bestimmten Abteilungen einen weiteren Personalaufbau und zusätzliche Ausbildungsaktivitäten.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Erfolgsmodell weiter Bestand hat“, sagt Fresenius-Chef Sturm über den von ihm geführten diversifizierten Gesundheitskonzern. Er selbst wird sich deshalb seine variable Vergütung in diesem Jahr komplett in Fresenius-Aktien auszahlen lassen. Rice Powell bei FMC will das ebenfalls.

Auch die Anteilseigner sollen vom geplanten positiven Kurs des Unternehmens profitieren. An der Praxis, die Dividende Jahr um Jahr zu erhöhen, will Sturm weiter festhalten, auch wenn das Konzernergebnis in diesem Jahr wegen der steigenden Investitionen bei plus/minus Null liegen werde.

Für 2018 haben beide Dax-Konzerne ihren Aktionären bereits eine ordentliche Erhöhung in Aussicht gestellt: Fresenius-Aktionäre könnten eine um sieben Prozent auf 80 Cent erhöhte Dividende erwarten. Fresenius Medical Care will eine um zehn Prozent höhere Ausschüttung von 1,17 Euro je Aktie Euro zahlen. Zudem will FMC in den nächsten zwei Jahren Aktien von bis zu einer Milliarde Euro zurückkaufen.

Mehr: Fresenius hat am Mittwoch die Zahlen vorgelegt. Worauf es bei der Bilanz zu achten gilt, hat die Handelsblatt-Autorin Maike Telgheder aufgeschrieben.

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