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09.11.2022

13:35

Medizintechnik

Siemens Healthineers erwartet schwächeres Geschäft

Von: Axel Höpner, Maike Telgheder

Wegen des auslaufenden Geschäfts mit Covid-Schnelltests wird der Umsatz 2023 kaum wachsen. Der Konzern will die Diagnostiksparte umbauen und Hunderte Millionen einsparen.

Der Medizintechnikkonzerns hat lange von der hohen Nachfrage bei Covid-Tests profitiert. dpa

Siemens Healthineers

Der Medizintechnikkonzerns hat lange von der hohen Nachfrage bei Covid-Tests profitiert.

Erlangen, Frankfurt Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2022 (zum 30. September) stellt sich der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers für 2023 auf einen eher stagnierenden Umsatz und einen rückläufigen Gewinn je Aktie ein. Grund dafür ist, dass die Sondererlöse mit Covid-19-Schnelltests auslaufen, die dem Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,5 Milliarden Euro Umsatz und 620 Millionen Euro Gewinn nach Steuern eingebracht hatten.

Das Unternehmen will zudem seine Diagnostiksparte umbauen, die zuletzt ohne die Schnelltestumsätze im vierten Quartal schrumpfte. In der vor Jahren durch milliardenschwere Zukäufe aufgebauten Sparte will Siemens Healthineers in den kommenden drei Jahren 300 Millionen Euro einsparen.

Nachdem die Einführung des neuen Laborsystem Atellica durch die Coronapandemie verzögert wurde, soll hier nun Tempo gemacht werden. Der Medizintechnik-Konzern will alte Systeme schneller aus dem Markt nehmen als bisher geplant. Healthineers will die Zahl seiner Plattformen reduzieren und damit die Komplexität verringern, kündigte das Unternehmen an.

In diesem Zusammenhang sollen auch Stellen abgebaut werden, konkrete Pläne gebe es noch nicht, heißt es. Für den Umbau der Diagnostiksparte plant das Unternehmen im neuen Geschäftsjahr Kosten von 100 bis 150 Millionen Euro ein. Zugleich senkte Vorstandschef Bernd Montag die mittelfristigen Erwartungen für die Laborsparte.

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    Die Börse reagierte nach Eröffnung zunächst negativ, später aber positiv auf die Nachrichten: Am Mittag lag die Aktie von Healthineers bei negativem Dax-Umfeld um mehr als ein Prozent im Plus.

    Insgesamt hatte Siemens Healthineers sein Geschäftsjahr 2021/22 mit einem starken vierten Quartal beendet. Der Umsatz erreichte erstmals in einem Jahresviertel die Marke von sechs Milliarden Euro. Dank Zuwächsen in allen Geschäftsfeldern legte der Dax-Konzern von Juli bis September um 6,8 Prozent auf vergleichbarer Basis zu – also ohne Währungs- und Portfolioeffekte gerechnet.

    Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) stieg um 27 Prozent auf eine Milliarde Euro. Im gesamten Geschäftsjahr konnten die Erlanger den Umsatz auf vergleichbarer Basis um 5,9 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro steigern. Das bereinigte Ebit stieg um 16 Prozent auf 3,66 Milliarden Euro. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten leicht. Die Kennzahl ist um Aufwendungen für portfoliobezogene Maßnahmen und Personalrestrukturierung bereinigt.

    Healthineers erwartet weniger Wachstum

    CEO Bernd Montag hatte die Prognose im Laufe des Geschäftsjahres zweimal angehoben. Allerdings merkt auch Siemens die steigenden Kosten, insbesondere bei Beschaffung und Logistik. Die operative Marge fiel auf 16,8 Prozent, nachdem sie im Geschäftsjahr zuvor noch 17,4 Prozent betragen hatte. Der Gewinn nach Steuern stieg um 18 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das Unternehmen will seinen Aktionären daher eine zehn Cent höhere Dividende von 0,95 Euro je Aktie zahlen.

    Im Laufe des Geschäftsjahres 2021/22 hatte Healthineers vor allem wegen des nachlassenden Corona-Sondereffekts an Schwung verloren. Im ersten und zweiten Quartal waren die Erlöse noch um vergleichbar knapp zehn und dann 16 Prozent gewachsen. Im dritten Quartal sanken die Umsätze dann um knapp sechs Prozent.

    Auch der Konkurrent Roche hat das Ende des Schnelltestbooms gespürt. Waren die Umsätze in der Diagnostiksparte der Schweizer noch um 24 Prozent gestiegen, stagnierten sie bei den Schweizern im zweiten Quartal, im dritten sanken sie um vier Prozent.

    Im vergangenen Jahr steuerte das Geschäft mit Covid-Schnelltests 400 Millionen Euro mehr als noch 2021 zum Umsatz der Erlanger bei. 2021 wurden bei 1,1 Milliarden Euro Umsatz knapp 340 Millionen Nachsteuergewinn mit den Schnelltests erzielt. Im neuen Geschäftsjahr rechnet Healthineers nur noch mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro. Deswegen erwartet das Unternehmen für das kommende Geschäftsjahr ein vergleichbares Umsatzwachstum (ohne Währungs- und Portfolioeffekte) zwischen minus einem und plus einem Prozent.

    Ohne die Umsatzerlöse aus den Antigen-Schnelltests entspricht dies einem vergleichbaren Umsatzwachstum zwischen sechs und acht Prozent. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie wird eine Bandbreite zwischen 2,00 Euro und 2,20 Euro erwartet. Das wäre ein Rückgang zum abgelaufenen Geschäftsjahr, indem Siemens Healthineers das bereinigte Ergebnis je Aktie um 13 Prozent auf 2,29 Euro steigern konnte. Ohne Antigentests gerechnet soll der Gewinn je Aktie allerdings um 13 bis 24 Prozent steigen.

    Imaging nimmt an Umsatz zu

    Laut Analysten von UBS liegt die für das neue Geschäftsjahr ausgegebene Prognose für den Gewinn je Aktie um sechs Prozent unter der Consensus-Schätzung. Das sei nicht hilfreich, heißt es von UBS. Weil diese von dem Umbau der Diagnostiksparte getrieben sei, dürften die Investoren darüber hinwegsehen – zumal Auftragseingang und der Margenausblick für andere Geschäftsfelder stark seien, so die Analysten.

    Das größte Segment Imaging, das rund die Hälfte zum Umsatz von Healthineers beiträgt, soll im neuen Geschäftsjahr zwischen sieben und neun Prozent wachsen. Das Geschäft mit bildgebenden Verfahren, wie Magnetresonanztomografie und Computertomografie, ist der Wachstumsmotor des Unternehmens.

    Die Marge von zuletzt 20,5 Prozent soll im neuen Geschäftsjahr auf bis zu 22,5 Prozent gesteigert werden. Gut läuft es auch beim Großzukauf Varian. Healthineers übernahm den US-Krebstherapiespezialisten 2020 in der größten Akquisition in der Siemens-Geschichte für 16 Milliarden Dollar.

    Im kleinsten Segment Advanced Therapies wird dagegen das Geschäft der 2019 zugekauften Firma Corindus neu ausgerichtet. Statt auf Herzoperationen konzentriert sich der Anbieter von robotergestützten Systemen für minimalinvasive Gefäßoperationen künftig stärker auf die Neurologie, also etwa Schlaganfall-Behandlungen. Healthineers hatte das Unternehmen 2019 für 1,1 Milliarden Dollar gekauft. Corindus schreibt allerdings noch Verluste.

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