Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2022

13:44

Menschenrechtsverletzung

IG Metall fordert Rückzug von VW aus Uiguren-Region Xinjiang

Von: Stefan Menzel

Der Konzern steht wegen Menschenrechtsverstößen in der Provinz in der Kritik. Vizeaufsichtsratschef Hofmann will, dass sich der Vorstand mit der Zukunft des Werks befasst.

Der Konzern steht schon seit Langem wegen seiner Präsenz in der Uiguren-Region in der Kritik. dpa

VW-Werk in Xinjiang

Der Konzern steht schon seit Langem wegen seiner Präsenz in der Uiguren-Region in der Kritik.

Düsseldorf Erstmals wird auch aus dem VW-Aufsichtsrat heraus Kritik am fortgesetzten Betrieb der umstrittenen Fabrik in der chinesischen Provinz Xinjiang geäußert. Die IG Metall fordert von Volkswagen den Rückzug aus der Uiguren-Region. „Inzwischen gibt es kaum einen Zweifel daran, dass in Xinjiang Menschenrechtsverletzungen stattfinden“, sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann den „Wolfsburger Nachrichten“.

Deshalb müsse sich der Konzernvorstand mit dem Thema befassen. Zwar gebe es aktuell keinen Hinweis darauf, dass es in der VW-Fabrik zu Menschenrechtsverletzungen gekommen sei. „Dennoch ist insgesamt die Frage zu stellen, was es für das Renommee des Unternehmens bedeutet, dort weiter investiert zu sein“, zitierte die Zeitung Hofmann, der stellvertretender Vorsitzender des VW-Aufsichtsrats ist.

Der Konzern könne nicht nur darauf schauen, was im eigenen „Vorgarten“ los sei, sondern müsse auch darauf achten, in welcher „Straße“ er wohne. „Wenn rechts und links sichtbar Menschenrechtsverletzungen passieren, verlange ich Handeln“, sagte der Gewerkschaftschef. Der Konzern müsse sich sichtbar und unmissverständlich gegen Menschenrechtsverletzungen positionieren.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der als Vertreter des mit 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligten Bundeslandes in dem Kontrollgremium sitzt, erklärte: „Die Bilder und Berichte über die schweren Menschenrechtsverletzungen an der uigurischen Minderheit in der chinesischen Region Xinijang sind bestürzend.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Es gebe bislang aber keine Hinweise darauf, dass es in dem VW-Werk zu Verletzungen von Menschenrechten oder Arbeitsrechten gekommen sei. „Das entbindet den Konzern jedoch nicht von der Pflicht, sich intensiv mit dem Thema zu befassen und die Vorwürfe zur Menschenrechtslage genau zu prüfen, was auch getan werden wird.“

    China ist der größte Absatzmarkt von Volkswagen. Der Konzern steht schon seit Langem wegen seiner Präsenz in der Uiguren-Region in der Kritik, hat dies aber immer wieder mit dem Argument zurückgewiesen, seine Anwesenheit dort trage dazu bei, dass sich die Situation der Menschen verbessere.

    VW hält bisher trotz der wachsenden Kritik an dem Werk fest. „Volkswagen tritt weltweit entschieden gegen Zwangsarbeit in Zusammenhang mit seinen geschäftlichen Aktivitäten ein“, sagte ein Unternehmenssprecher. Das gelte nicht nur für die eigenen Fabriken, sondern auch für die vorgeschalteten Lieferanten. Auch in Xinjiang arbeite der Konzern mit Zulieferern zusammen, bei denen Menschenrechtsverstöße ausgeschlossen seien.

    In der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas lebt die muslimische Minderheit der Uiguren, die vom chinesischen Staat unterdrückt wird. Jüngst hatten erneut Berichte über Internierungslager dort für Schlagzeilen gesorgt. Darin war auch von einem geheimen Schießbefehl in den Lagern die Rede. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Volkswagen unlängst Investitionsgarantien für China im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen verwehrt.

    Volkswagen steckt im China-Dilemma

    Das vergleichsweise kleine Werk in Ürümqi besteht seit 2013 und hatte 600 Mitarbeiter. Wegen der Coronapandemie und den damit verbundenen Produktionseinschränkungen wurde die Zahl der Beschäftigten zuletzt auf etwa 400 reduziert. Die Autofabrik kann deshalb nicht im geplanten Umfang produzieren und liegt deutlich unter der Jahreskapazität von 50.000 Fahrzeugen.

    „Kein Mitarbeiter arbeitet hier unter Zwang“, betonte der VW-Sprecher. Neue Mitarbeiter würden ausschließlich nach Qualifikation eingestellt – unabhängig von Alter, Religion und ethnischer Zugehörigkeit.

    Aus Sicht von Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor vom Center Automotive Research (CAR) in Duisburg, stecken Hersteller wie Volkswagen in einem Dilemma. Der Wolfsburger Konzern könne es sich nicht erlauben, die kommunistische Führung in Peking zu sehr zu brüskieren. „Die Chinesen sind sehr empfindlich“, sagte Dudenhöffer. Volkswagen müsse das umstrittene Werk weiter betreiben. Würde der Konzern die Fabrik schließen, drohe der Verlust des kompletten China-Geschäfts.

    Mit dem Thema dürfte sich auch das Aufsichtsratspräsidium befassen, das Insidern zufolge nächste Woche tagt.

    Mit Agenturmaterial

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×