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28.08.2018

08:08

Toyota investiert 500 Millionen Dollar in Mitfahrdienst Uber  AFP

Autonom fahrende Uber-Autos

Nach Informationen von Branchendiensten fuhr die Sparte zuletzt zwischen 125 und 200 Millionen Dollar Verlust ein

Mobilität

500 Millionen Dollar für Uber – Toyota sucht Anschluss beim autonomen Fahren

Von: Martin Kölling, Britta Weddeling, Katja Guttmann

Der japanische Autobauer kämpft beim autonomen Fahren um den Anschluss an die Konkurrenz. Eine Allianz mit Uber soll helfen, wieder Boden gutzumachen.

Tokio, San Francisco, New YorkToyota setzt bei der Entwicklung des autonomen Fahrens auf den Ausbau der Partnerschaft mit dem Mitfahrdienst Uber. Der japanische Autobauer investiert dazu 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen, wie ein Uber-Sprecher dem Handelsblatt in der Nacht auf Dienstag bestätigte.

„Der Deal ist der erste dieser Art für Uber und zeigt unserer Versprechen, Weltklassetechnologie in das Uber-Netzwerk zu bringen“, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi. Wie es aus dem Unternehmen heißt, verfolge das Start-up mit den Japanern einen neuen Ansatz. Die autonomen Fahrzeuge sollen demnach einem dritten Vertragspartner gehören und von diesem betrieben werden. Dieser steht noch nicht fest.

Von dem Deal profitieren beide Partner: Einerseits Toyota, das noch in den Anfängen der Entwicklung des autonomen Fahrens steht und bisher die Technologie vorwiegend in Fahrzeugen von Privatleuten eingesetzt hat. Uber sucht andererseits nach einem von Skandalen überschatteten Jahr und dem tödlichen Unfall im März in Arizona nach einem seriösen Partner.

Sich mit Uber zusammenzutun, einem der weltweit wichtigsten Fahrdienste und Entwickler von autonomen Fahrzeugen, werde die Mobilität der Zukunft weiter voranbringen, erklärte Shigeki Tomoyama, Präsident von Toyota. Vereinbarung und Investment werden einen „messbaren Einfluss auf die Mobilität der Zukunft“.

Die Pilotprojekte auf Ubers Ridesharing-Netzwerk sollen 2021 beginnen, teilte ein Toyota-Sprecher dem Handelsblatt mit. Toyota will die Daten nutzen, um die Entwicklung seiner Technologie für vollautonomes Fahren zu beschleunigen.

Partnerschaft für autonomes Fahren: Uber-Chef Dara Khorowshahi und Shigeki Tomoyama, Vizepräsident von Toyota.

Toyota und Uber

Partnerschaft für autonomes Fahren: Uber-Chef Dara Khorowshahi und Shigeki Tomoyama, Vizepräsident von Toyota.

Im Rahmen der Vereinbarung wird Toyota Minivans des Typs Sienna bauen. Die Technologie für das autonome Fahren soll von Uber und Toyota stammen und künftig unabhängig von einander das Geschehen um das Fahrzeug herum beobachten, um die Fahrzeugsicherheit zu erhöhen, erklärt Gill Pratt, Chef des in den USA angesiedelten Toyota Research Institute (TRI).

Der Deal lohne sich für beide Seiten, urteilt Mike Ramsey, Research Director bei der Datenfirma Gartner. „Er zeigt Ubers Wunsch, sich mit dem weltgrößten Lieferanten von Uber-Autos zusammenzuschließen und mit unglaublicher technischer, mechanischer und finanzieller Power voranzutreiben.“ Viele der Uber-Fahrer nutzen bereits einen Prius, um ihre Fahrgäste zu transportieren. Die Japaner wiederum verschafften sich mit dem Investment Zugriff „auf das größte Mobilitätsnetzwerk in ihren Hauptmärkten.“

Wie das stets gut informierte Techblog „The Information“ berichtet, hatte das Toyota Research Institute vergangenes Jahr bereits Interesse an einer Übernahme von Ubers Einheit mit den autonomen Fahrzeugen oder an einer Zusammenarbeit signalisiert. Damals kam die Zusammenarbeit nicht zustande.

Die Offerte habe jedoch bei Uber zu einer internen Diskussion über mögliche Wege geführt, die hohen Kosten für Forschung und Entwicklung abzuwälzen. Der Fahrdienst plant, im kommenden Jahr an die Börse zu gehen. „Investoren beobachten die Finanzen genau“, so Analyst Asad Hussain von Pitchbook. Die hohen Ausgaben für das autonome Fahren schmälern die Bilanz.

Trotz Verlusten von zwischen 125 und 200 Millionen Dollar pro Quartal, über Branchendienste berichten, haben die Rivalen Ubers Einheit abgehängt. Nach Ansicht von Hussain liege das Unternehmen „weit hinter“ der Google-Schwester Waymo oder den Autobauern General Motors und Daimler.

Uber kooperiert auch mit Daimler und Volvo

Die Geldmittel vom etablierten Autobauer Toyota zahlt auf die Strategie ein, die Dara Khosrowshahi bei Uber verfolgt. Auf der Bühne, in Interviews und in einem eigenen TV-Werbespot wirbt der Chef des Fahrdienstvermittlers um Vertrauen, zeigt sich als verlässlicher Partner.

Seit dem tragischen Unfall in Tempe, Arizona, im März sind die Tests auf öffentlichen Straßen ausgesetzt. Die Fahrzeuge fahren zwar durch die Stadt Pittsburgh, wo Uber die Entwicklung der Technologie maßgeblich vorantreibt, allerdings nicht im autonomen Modus. Mitte Juli feuerte das Unternehmen 100 Testfahrer in Pittsburgh und San Francisco.

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Neben der Partnerschaft mit Toyota kooperiert Uber auch mit Volvo und Daimler. Die Amerikaner kauften 20.000 Fahrzeuge des schwedischen Autobauers, die sie mit eigener autonomer Technologie ausrüsten und als Flotte betreiben wollen. Daimler bietet eigene selbstfahrende Autos innerhalb von Ubers Netzwerk an.

Toyota wiederum setzt mit der Kooperation seine ambitionierte Strategie für die Entwicklung neuer Mobilitätsdienste fort. Im Juni kündigte der japanische Autokonzern die bis dahin größte Investition in einen Mobilitätsdienst an. Für eine Milliarde Dollar kaufte sich Toyota in Ubers Partner Grab aus Singapur ein. Darüber hinaus werden beide Firmen Führungspersonal austauschen, um Entscheidungen der beiden Partner zu beschleunigen. Toyota wird sogar einen Manager in Grabs Vorstand entsenden. Noch ist unklar, was genau die Partnerschaft umfassen wird.

Bei Grab lieferte Toyota beispielsweise Datenübermittlungsmodule zu. Die Fahrdaten werden auf Toyotas Datenplattform gespeichert, ausgewertet und bereits zu Geld gemacht. So werden für Grabs Autovermietung Versicherungspolicen angeboten, deren Preis vom Fahrverhalten abhängt.

Toyota widerspricht jeglichen Spekulationen vehement, dass sich mit dem aktuellen Deal eine Übernahme von Ubers Entwicklung für autonomes Fahren anbahne. Das wäre falsch, sagt ein Konzernsprecher in Tokio Es handele sich um eine Kooperation. „Sowohl Toyota als auch Uber werden die Entwicklung unserer Programme für autonomes Fahren separat fortsetzen.“

Investition geplant

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Investition geplant: Trend Autonomes Fahren – Toyota will mit Uber in die Zukunft starten

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Bei Toyota hat das Toyota Research Institute die Führung. Toyota blickt zwar bereits auf eine lange Entwicklung von Assistenzsystemen zurück, die der Autobauer unter dem Namen Toyota Safety Sense selbst in Kompaktwagen anbietet. Die neueste Generation kann nicht nur selbst bremsen, sondern auch tags wie nachts Fußgänger und Fahrradfahrer erkennen und auf der Autobahn in einer Spur allein Fahren, insofern der Fahrer zur Sicherheit noch eine Hand am Steuer hat.

Das TRI ist nun dafür zuständig, die bisherigen Systeme zu verbessern und neue Ideen zu entwickeln. In der Partnerschaft mit Uber soll „Guardian“ demonstriert, getestet und weiterentwickelt werden. Bei „Guardian“ handelt es sich um ein System, dass sowohl menschliche wie maschinelle Fahrer bei der Fahrt mit Warnungen unterstützt und bei Gefahr im Verzug ins Lenkrad greift. Die nächste Stufe des vollautonomen Fahrens nennt Toyota derzeit „Chauffeur“. Bisher hat Toyota nicht mitgeteilt, wann es den Fahrer gänzlich ersetzen will.

„Die Investition zeigt Toyotas Engagement für die Idee des Carsharing“, meint Christopher Richter, Autoanalyst der CLSA in Tokio. Toyota wisse, dass sich die Autoindustrie radikal verändert und der Konzern Erfahrungen sammeln muss, wie sich der Markt ändert.

Er fragt sich zwar, ob die Japaner nicht etwas zu viel bezahlt haben. Aber das sei in dem aktuellen Hype um die neuen Dienste wahrscheinlich unvermeidlich. „Sie müssen investieren, um gemeinsam mit Uber entwickeln zu können“, erklärt Richter. „Bei Uber gibt es viele rivalisierende Investitionen.“

Richter glaubt daher nicht, dass es sich um eine Übernahme von Ubers automobilem Abenteuer handelt. „Es sieht viel mehr aus wie Toyotas frühes Engagement bei Tesla00“. Damals kaufte Toyota sich ein, um eine gemeinsame Entwicklung zu prüfen. Und als Toyota genug erfahren hatte und keine Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sah, verkauften die Japaner ihre Anteile wieder.

Toyota steht beim autonomen Fahren unter Druck

Beim autonomen Fahren steht Toyota unter Druck. In Japan hat dieses Jahr bereits Nissan gemeinsam mit Dena, einer Plattform für Online-Spiele, einen Robotertaxidienst im Straßenverkehr getestet. Am Montag begann ein weiterer Versuch des Roboterentwicklers ZMP und des Taxikonzerns Hinomaru. Das Ziel beider Initiativen ist, 2020 bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio der Welt autonome Taxidienste auf limitierten Strecken vorzustellen.

Auch international ist der Markt in Bewegung. Der Softbank Vision Fund, ein Investitionsarm von Ubers japanischem Hauptaktionär Softbank, kündigte jüngst an, über zwei Milliarden Dollar in die Roboterautofirma des US-Autokonzerns General Motors zu investieren. Waymo, die Roboterautosparte der Google-Mutter Alphabet, schloss eine Partnerschaft mit Fiat Chrysler. Und Ford gründete gerade ein eigenes Unternehmen für die Entwicklung autonomer Fahrzeuge, in das der Konzern mit Partnern vier Milliarden US-Dollar investieren will.

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Mit einer Milliarde Dollar steigt Toyota beim Fahrdienst-Vermittler Grab ein. Der Kampf um den Markt mit Mobilitätsdiensten nimmt an Fahrt auf.

Für Analyst Richter ist die Investition Teil einer „riesigen Kraftanstrengung Toyotas, relevant zu bleiben.“ Konzernchef Akio Toyoda warnt seine Belegschaft seit Jahren, dass sich die Autoindustrie in einer Jahrhundertrevolution befinde, die auch Toyotas Überleben gefährde. Und der Enkel belässt es nicht bei Worten, wenn es um die Sicherung des Familienerbes geht.

2016 gründete er in den USA das Toyota Research Institute, das künstliche Intelligenz für Autos und andere Lebensbereiche entwickeln soll. Toyoda verglich die Bedeutung dieses Schritts mit der Gründung von Toyota Motor durch den Ur-Konzern, den Webstuhlhersteller Toyota in den 1930er-Jahren.

Andere Initiativen und Partnerschaften folgten. Im Juni machte die große Investition in den südostasiatischen Ride-Sharing-Marktführer Grab Schlagzeilen. In diesem Monat folgte die Ankündigung, dass Toyota mehr Produktionskapazitäten in China aufbaut. Und das Gros des Zuwachses ist für Autos mit elektrischen Antrieben vorgesehen, also Hybrid- wie batterieelektrischen Fahrzeugen.

Auch die internen Strukturen des Konzerns und seiner Stammzulieferer reorganisiert Toyota radikal. Intern wurde der Konzern nach Autoklassen in sieben verschiedene „Unternehmen“ aufgeteilt, um schneller Entscheidungen treffen zu können.

Und die Zulieferer geben nicht nur die Produktion von wichtigen Bauteilen ab, um sie bei einem Unternehmen zu konzentrieren. Am Montag kündigten vier Zulieferer an, künftig ihre Kräfte bei elektrischen und autonomen Autos zu bündeln. Bosch-Rivale Denso und Aisin Seiki wollen künftig gemeinsam elektrifizierte Antriebsmodule für normale und Plug-in-Hybride, Brennstoffzellenfahrzeuge und reine Elektroautos entwickeln und verkaufen.

Zudem soll dieses Joint-Venture zu einem zusätzlichen Bund mit den kleineren Unternehmen Jtekt und Advics für die Entwicklung von Steuerungssoftware und Datenauswertung für autonome Fahrzeuge werden. In dem zweiten Unternehmen wird Denso mit 65 Prozent die industrielle Führung übernehmen. Aisin Seiki wird 25 Prozent der Anteile übernehmen, die anderen beiden Partner jeweils fünf Prozent.

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