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07.04.2022

19:05

Motorsport

Audi und Porsche wollen in die Formel 1 – aber nicht zu schnell

Von: Markus Fasse, Stefan Menzel

Der Volkswagen-Konzern will mit Porsche und Audi zwei Marken in den Formel-1-Zirkus schicken. Doch vor 2026 ist mit einem Start nicht zu rechnen.

Frühestens 2026 könnten auch Audi und Porsche an der wichtigsten Motorsport-Serie teilnehmen. IMAGO/HochZwei

Formel-1-Start im saudi-arabischen Dschidda Ende März

Frühestens 2026 könnten auch Audi und Porsche an der wichtigsten Motorsport-Serie teilnehmen.

München, Düsseldorf Audi und Porsche dürfen sich in Zukunft eigenständig an der Formel 1 beteiligen. Diesen Grundsatzbeschluss hat der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns am Donnerstag getroffen. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Einstieg der beiden VW-Töchter in die Königsklasse bereits beschlossene Sache ist. Die Entscheidung des Aufsichtsrats bedeutet lediglich, dass Audi und Porsche jetzt freie Hand für weitere Verhandlungen haben.

„Vorstand und Aufsichtsrat der Volkswagen AG, der Porsche AG und der Audi AG haben Planungen der beiden Konzernmarken für einen eventuellen Einstieg in die Formel 1 bestätigt“, sagte ein Konzernsprecher am frühen Abend. Über Details würden Audi und Porsche zu einem späteren Zeitpunkt informieren.

Porsche verhandelt bereits mit dem österreichisch-britischen Rennstall Red Bull über einen Einstieg in die Formel 1. Mit einer endgültigen Entscheidung wird frühestens im Frühsommer gerechnet. „Erst muss das künftige Motorenreglement endgültig geklärt sein“, heißt es dazu in der Porsche-Zentrale in Stuttgart-Zuffenhausen. Bliebe es bei den geplanten Hybrid-Antrieben und dem zusätzlichen Einsatz von synthetischen Kraftstoffen, könne es auch eine Vereinbarung mit Red Bull geben.

Unter dem aktuell gültigen Motorenreglement mit reinen Verbrennungsmotoren gilt ein Einstieg in die Formel 1 sowohl für Porsche als auch für Audi als undenkbar. Mit dem umfassenden Wechsel hin zur Elektromobilität hat sich der gesamte Volkswagen-Konzern einen grünen Anstrich gegeben. „Reine Verbrennungsmotoren wären ein Schritt in die Vergangenheit“, sagte ein Porsche-Manager. Dasselbe gelte für Audi.

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    Obwohl sie im selben Autokonzern zu Hause sind, wollen Audi und Porsche in der Formel 1 mit jeweils eigenen Motoren antreten. „Das geht in der Königsklasse des Rennsports nicht anders“, verlautete es aus Konzernkreisen.

    In der Formel 1 müsse es ein Mindestmaß an Wettbewerb geben, auch wenn Audi und Porsche beide zu Volkswagen gehören. Das führe dann am Ende zu unterschiedlichen Motorenkonzepten. Wegen der langen Vorbereitungszeit könnten Audi und Porsche erstmals 2026 an den Rennen der Formel 1 teilnehmen.

    Pläne nicht unumstritten

    Innerhalb des VW-Konzerns sind die Formel-1-Pläne von Audi und Porsche nicht völlig unumstritten. Beide Marken müssen vor allem beweisen, dass der Einstieg in die Rennsportklasse nicht zu einem Zuschussgeschäft wird. „Deshalb werden wir auf jeden Fall künftig um den Sieg mitfahren müssen“, heißt es unisono in Stuttgart und in München. Nur dann sei der Werbe- und Marketingeffekt groß genug, um von dem großen finanziellen Aufwand profitieren zu können. Beide Marken werden für den Einstieg in die Formel 1 jeweils einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag investieren müssen.

    Pläne, in die Formel 1 einzusteigen, hatte Audi schon länger verfolgt. Audi-Chef Markus Duesmann hat seine Karriere in den Rennställen von Mercedes und BMW begonnen. Die Ingolstädter hatten sich bislang vor allem in den Langstreckenrennen von Le Mans engagiert sowie in der Elektroserie Formel E. Doch die Formel 1 ist für den Rennsportfan Duesmann nach wie vor das Maß aller Dinge – vor allem wenn die Königsklasse des Rennsports von 2026 an auf synthetische Kraftstoffe setzen sollte. Porsche versteht sich per se als Unternehmen aus dem Motorsport, dazu passt auch die Formel 1.

    Für den Einstieg will Audi eines der etablierten Rennteams übernehmen. Konzernkreisen zufolge laufen Gespräche mit McLaren. Bei einem Einstieg würden die Ingolstädter auch den Sportwagenbereich von McLaren übernehmen und ihn als weitere Konzernmarke neben Lamborghini führen. Doch auch das Traditionsteam Williams und der Schweizer Rennstall Sauber sind noch im Rennen, Aston Martin wurde aus Branchenkreisen ebenfalls als möglicher Audi-Partner genannt. Offiziell wollte Audi die Informationen nicht kommentieren.

    Bereits im vergangenen Jahr hatte Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess im Gespräch mit dem Handelsblatt ein Engagement in der Formel 1 grundsätzlich befürwortet. „Motorsport dient den Marken, die damit ihr Image sportlich aufladen können, da entstehen die Innovationen. Bei uns im Konzern stehen Porsche und Audi damit an der Spitze“, sagte Diess.

    „Wenn sich das eine der Marken vorstellen kann und der Business-Case stimmt, warum nicht?“, ergänzte er. Man bräuchte allerdings einen technologischen Wandel in der Formel 1 in Richtung synthetischer Kraftstoffe und werde „bestimmt nicht in die laufende Rennserie einsteigen“.

    Investoren zurückhaltend

    Mit einer gewissen Zurückhaltung wird der Formel-1-Einstieg in Investorenkreisen und an der Börse bewertet. Mercedes sei es zwar gelungen, die eigene Marke in den vergangenen Jahren mit dem Formel-1-Engagement aufzuladen, so Patrick Hummel, Automobilanalyst bei der Schweizer Großbank UBS. „Wir sehen den geplanten Einstieg jetzt aber skeptisch, weil der gesamte Volkswagen-Konzern sich auf eine klare Elektrostrategie festgelegt hat, insbesondere auch die Premiummarken Audi und Porsche“, sagte Hummel.

    Er verweist damit darauf, dass es im künftigen Formel-1-Motorenreglement sehr wahrscheinlich nicht um den reinen Elektroantrieb, sondern um hybride Konzepte mit der Ergänzung um synthetische Kraftstoffe gehen wird.

    Porsche hat sich vorbehalten, zusätzlich zum Elektroantrieb auch in gewissem Umfang synthetische Kraftstoffe verwenden zu wollen. Porsche baut deshalb zusammen mit Partnern aus der Energiebranche eine Pilotanlage im Süden Chiles auf.

    Die dort künftig produzierten synthetischen Kraftstoffe sollen für die Bestandsflotte der vorhandenen 911er-Modelle und im Motorsport verwendet werden. Porsche hatte erst am Mittwoch angekündigt, weitere 75 Millionen US-Dollar in das Projekt investieren zu wollen.

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