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12.05.2017

17:12 Uhr

Neue Strategie

Öl- und Gasgeschäft für BASF weniger wichtig

Aufgrund anhaltend niedriger Öl- und Gaspreise spricht der Chemieriese BASF dem Öl- und Gasgeschäft weniger Bedeutung zu. Ein anderer Geschäftszweig soll dafür Jahr für Jahr verbessert werden: Chemie- und Pflanzenschutz.

Der Anteil des Öl- und Gasgeschäfts am Betriebsgewinn betrug 2016 nur noch 15 Prozent – früher waren es noch 25 Prozent, so der Vorstandschef. dpa

BASF

Der Anteil des Öl- und Gasgeschäfts am Betriebsgewinn betrug 2016 nur noch 15 Prozent – früher waren es noch 25 Prozent, so der Vorstandschef.

MannheimBeim Chemieriesen BASF wird das einst lukrative Öl- und Gasgeschäft weiter an Bedeutung verlieren. Grund sind die anhaltend niedrigen Öl- und Gaspreise, wie Vorstandschef Kurt Bock am Freitag auf der Hauptversammlung in Mannheim erklärte. Er will mit eiserner Kostendisziplin gegensteuern und vor allem im Chemie- und Pflanzenschutzgeschäft die Rendite erhöhen. Der Anteil des Öl- und Gasgeschäfts am Betriebsgewinn (Ebit) vor Abschreibungen habe 2016 nur noch 15 Prozent betragen, früher waren es 25 Prozent, rechnete Bock vor. „Umso wichtiger ist es, die Ertragskraft unseres Chemie- und Pflanzenschutzgeschäfts Jahr für Jahr zu verbessern.“ In den vergangenen Jahren habe sich diese um durchschnittlich rund fünf Prozent pro Jahr erhöht.

Zur Disposition steht das Öl- und Gasgeschäft aber nicht, wie Bock bekräftigte. „Wir können momentan überhaupt nicht erkennen, dass Öl und Gas kein guter Bestandteil unseres Portfolios ist.“ BASF habe für das Geschäft auch „drastische Schritte“ in der Vergangenheit nie ausgeschlossen. Dazu gehöre etwa die Trennung vom Gashandels- und Speichergeschäft, das 2015 in einem Milliardentauschgeschäft an die russische Gazprom ging und maßgeblich zum Umsatz- und Ergebnisrückgang bei BASF 2016 beitrug. Für die Chemie bleibe Öl und Gas aber auf viele Jahrzehnte der wichtigste Ausgangsstoff und ein Wachstumsmarkt.

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Eine Rohrexplosion im Stammwerk, technische Pannen in einer neuen Großanlage, fallende Öl- und Gaspreise: Das Geschäftsfahr verlief für BASF alles andere als wunschgemäß. Doch der Chemiekonzern hat das kompensiert.

Um rentabler zu werden plant BASF auch einen weiteren Umbau seines Geschäfts. „Wir werden unser Portfolio auch künftig umbauen – hin zu mehr Wachstum und Ertragsstabilität“, sagte Bock. „Wir stärken, was wir gut können, und geben Geschäfte ab, die in anderen Händen mehr Wert schaffen.“ Aktionärsvertreter befürchteten jedoch, dass BASF inmitten einer aktuellen Welle von Mega-Deals in der Chemiebranche ins Hintertreffen geraten könnte. „Sind wir als BASF nach wie vor noch bei den Jägern oder kann es sein, dass wir auch Gejagte werden?“, fragte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Bock verteidigte erneut seine zurückhaltende Akquisitionspolitik: „Wir als BASF definieren unseren eigenen Weg. Jedes unserer Geschäft an sich und für sich muss wettbewerbsfähig sein.“ Zwar würde auch BASF sein Pflanzenschutzgeschäft wie die Konkurrenz gerne vergrößern „wenn sich gute Chancen ergeben.“ Das würden die nächsten Monate zeigen. Die Kaufpreise seien aber „dramatisch“ nach oben gegangen. Zudem werden die Wachstumsraten, die es im Pflanzenschutzgeschäft in der Vergangenheit gegeben habe, nach Bocks Überzeugung nicht so schnell wieder kommen.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

BASF hatte wiederholt bekräftigt, für Zukäufe parat zu stehen, die sich aus kartellrechtlich erforderlichen Verkäufen aus den Mega-Deals der Konkurrenz in der Agrarchemiebranche ergeben. Dabei gingen die Ludwigshafener aber bereits einmal leer aus: Pflanzenschutzgeschäfte, die Dupont zum Verkauf gestellt hatte, um die Zustimmung der EU-Kommission zur Fusion mit dem Rivalen Dow Chemical zu erlangen, gingen an das US-Chemieunternehmen FMC Corp. Nach Einschätzung von Experten dürfte BASF nun vor allem an Geschäften interessiert sein, von denen sich Bayer im Zuge der 66 Milliarden Dollar schweren Monsanto-Übernahme trennen muss.

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