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05.05.2022

18:50

Nutzfahrzeuge

Elektro-Lkw-Hersteller Nikola meldet die Auslieferung der ersten Trucks

Von: Felix Holtermann

Anderthalb Jahre nach dem Börsenskandal vermeldet die US-Firma einen Erfolg. Ex-Opel-Chef Michael Lohscheller muss nun die Massenproduktion aufbauen.

Nikola-Lkw Nikola Motor

Nikola-Lkw

Die ersten Exemplare sind ausgeliefert.

Phoenix, New York Nikola hat eine wichtige Wegmarke erreicht: Wie der 2015 gegründete Elektro-Lkw-Hersteller aus Phoenix, Arizona, am Donnerstag mitteilte, hat er die ersten Serienmodelle seines „Tre BEV“-Trucks ausgeliefert. Am 21. März sei die Serienproduktion aufgenommen worden, im April wurden erste Fahrzeuge an die Händler ausgeliefert.

Insgesamt seien 510 „Tre BEV"-Lkw von Kunden vorbestellt worden. „Im ersten Quartal haben wir mit dem Beginn der Serienproduktion des Nikola Tre BEV einen wichtigen Meilenstein erreicht“, erklärte Vorstandschef Mark Russell. „Wir freuen uns darauf, die Produktion hochzufahren und in diesem Jahr 300 bis 500 Serienfahrzeuge an Kunden auszuliefern.“

An der Wall Street wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die Nikola-Aktie stieg am Donnerstag im frühen Handel um rund fünf Prozent. „Nikola schlägt Tesla“, lautete ein besonders optimistischer Analystenkommentar: Schließlich gehe der Nikola-Lkw noch vor dem von Tesla angekündigten „Semi“ in die Serienproduktion.

Verantwortlich für das Hochfahren der Massenherstellung ist der neue Chef der Nikola-Motor-Sparte, Michael Lohscheller. Der frühere Opel-Chef hat vor wenigen Wochen seinen Posten angetreten. „Wir konzentrieren uns sehr auf die Ausführung unserer Planung“, sagte Lohscheller im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Es ist eine aufregende Zeit. Letzte Woche haben wir die ersten Lkw ausgeliefert, sogar der Gouverneur war da.“

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    Zur problematischen Geschichte – das Unternehmen war durch irreführende Ankündigungen ins Visier der Börsenaufsicht geraten – wollte sich der 53-Jährige nicht äußern. Nur so viel: „In der Vergangenheit gab es Ankündigungen, aber keine Umsetzung. Das ändern wir jetzt.“

    Nikola setzt auf Batterie und Wasserstoff

    Lohscheller zeigt sich überzeugt: Die Zukunft des Truckgeschäfts ist emissionsfrei. Umso wichtiger sei die doppelte Aufstellung von Nikola. Die nun anlaufende Elektro-Lkw-Produktion ist nur ein Standbein: „In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres werden wir mit der Produktion unserer Wasserstoff-Lkws beginnen.“

    Nikola: Ex-Opel-Chef Michael Lohscheller imago images/Jan Huebner

    Michael Lohscheller

    Der frühere Opel-Chef soll bei Nikola die Massenproduktion hochfahren.

    Welche Technologie sich durchsetze, werde der Kunde entscheiden. „Es ist toll, dass der Elektro-Lkw auf dem Markt ist. Seine Reichweite beträgt bis zu 350 Meilen“, erklärt Lohscheller. Das werde für viele Fahrten reichen. „Aber es wird Kunden geben, die eine höhere Reichweite wünschen“, so Lohscheller.

    Für sie sei der Wasserstoff-Lkw gedacht mit einer Reichweite von bis zu 500 Meilen, gut 800 Kilometer. Ein weiterer Vorteil sei die schnelle Betankung: Je nach Ladegerät dauere die Vollladung des Elektro-Lkw 100 Minuten – Wasserstofftrucks könnten in 20 Minuten vollgetankt werden. Bosch liefert die Brennstoffzellen.

    In Zukunft wolle Nikola seinen Kunden auch die Energie für die eigenen Fahrzeuge anbieten, kündigt Lohscheller an. „Wir sind ein Lkw-Hersteller, aber auch ein Energieunternehmen.“ In Kanada baue man die erste Tankstation auf, an der auch Wasserstoff produziert werde. Weitere sollen folgen. In Arizona ist der Aufbau einer Produktionsanlage geplant.

    Entscheidend sei nun, die Produktion schnell hochzufahren, so Lohscheller. 300 bis 500 elektrische Lastwagen würden in diesem Jahr in Arizona gefertigt. 2023 soll die Produktion in Ulm starten, wo man mit dem deutschen Hersteller Iveco zusammenarbeitet. Die geplante Jahreskapazität der US-Fabrik liege ab 2023 bei 20.000 Fahrzeugen. In Ulm beginne man mit einer Kapazität von 2000 und erweitere dann sukzessive auf 10.000 Einheiten.

    Den Preis des Trucks werde man bald bekannt geben, sagte Lohscheller. In der Analystenkonferenz am Donnerstag stellte Nikola klar, dass die im Rahmen der Partnerschaft mit Inveco in Ulm produzierten Lkw das Nikola-Logo tragen werden.

    Gewinn noch nicht in Sicht

    Der Verlust von Nikola stieg im ersten Quartal auf 152 Millionen Dollar, nach 120 Millionen im Vorjahreszeitraum. Nikola plant auch in den kommenden Quartalen nicht mit Gewinn. Das Barvermögen sank auf 385 Millionen Dollar, nach 522 Millionen Ende 2021. Man könne jedoch auf weitere Liquiditätslinien zurückgreifen, erklärte Finanzchef Kim Brady.

    Zudem könne man ein Investment eines Großanlegers in Höhe von 200 Millionen Dollar vermelden. Die Mitarbeiterzahl stieg auf 1040. Auch Nikola kämpfe mit den Folgen des Ukrainekriegs und Lieferkettenschwierigkeiten im Zuge des Covid-Lockdowns in China, erklärte Brady. Den Jahresausblick müsse man jedoch nicht anpassen.

    Nikola müsse nun beweisen, die vorgestellten Auslieferungsziele auch erreichen zu können, sind die Analysten der US-Großbank JP Morgan überzeugt. Vieles hänge nun „von der Geschwindigkeit des Produktionsaufbaus und der Auslieferungen“ ab. „Noch wichtiger ist unserer Meinung nach Nikolas Jahresprognose, 300 bis 500 Tre-BEV-Lkw auszuliefern.

    Da die Versorgungsprobleme wahrscheinlich zunehmen werden, wären wir nicht überrascht, wenn Nikola die Ziele verringert.“ Die Analysten gehen von einer Auslieferung von 325 Einheiten im Jahr 2022 aus. Der Schlüssel zum Börsenerfolg liege jedoch in der Wasserstoffstrategie.

    Nikola galt als Hoffnungsträger für alternative Antriebstechnologien im Lastwagenbereich, kämpft jedoch mit den Folgen eines Börsenskandals. Gründer Trevor Milton muss sich vor Gericht verantworten. Er habe „in fast allen Bereichen des Geschäfts“ gelogen, so die Anklage, und Kleinanleger in die Irre geführt. 2020 hatte der Shortseller Hindenburg Research in einem Report dargelegt, warum Nikolas Technologie nicht mit den ambitionierten Visionen des Unternehmens mithalten konnte.

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