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07.04.2022

04:00

Nutzfahrzeuge

Rasantes Wachstum in Asien – So wichtig ist Fuso für Daimler Truck

Von: Martin Kölling

In Japan entwickelt Daimler Truck wichtige Zukunftstechnologien für den europäischen Markt. Der neue Asienchef Karl Deppen erklärt im Interview seine Strategie.

Daimler Truck: Rasantes Wachstum in Asien – So wichtig ist Fuso Reuters

Fuso e-Canter

Der kleine batteriebetrieben Lkw geht in die nächste Generation.

Tokio Bislang konnte Karl Deppen die Asiensparte von Daimler Truck nur aus der Ferne leiten. Erst im März hob Japans Regierung einen mehrmonatigen Einreisebann für Ausländer auf. Doch trotz der Startschwierigkeiten fällt die erste Bestandsaufnahme des Managers gut aus: Daimler Truck Asia und dessen japanische Marke „Mitsubishi Fuso Trucks and Bus“ konnte den Absatz im abgelaufenen Geschäftsjahr rasant steigern.

Insgesamt verkaufte Daimler Truck Asia 2021 in Asien rund 30 Prozent mehr Nutzfahrzeuge als im ersten Coronajahr, in Indien waren es sogar 45 Prozent und in Indonesien 72 Prozent mehr. Hätten Lieferengpässe bei Halbleitern die Produktion nicht gebremst, hätte man sogar noch mehr Lkw ausliefern können, sagt Deppen im Gespräch mit dem Handelsblatt. 

Insgesamt trug Asien im Jahr 2021 mit 143.000 verkauften Fahrzeugen fast ein Drittel zu Daimler Trucks Absatz bei. Der Anteil am Umsatz fiel mit 15 Prozent niedriger aus, da in Asien tendenziell kleinere Laster verkauft werden. Bei der Gewinnmarge liegt Daimler Truck Asia mit 7,2 Prozent zwischen dem hochprofitablen USA-Geschäft mit Marken wie Freightliner und Western Star und der Kernmarke Mercedes, deren Schwerpunkt in Europa liegt und die 2021 nur auf 4,8 Prozent Marge kam. 

In Asien gilt die Marke Fuso, die Trucks für das hochentwickelte Japan wie auch Entwicklungsländer Asiens produziert, als die treibende Kraft, erklärt Deppen. „Damit haben wir definitiv eine Reichweite in der Region, die wir mit anderen Marken nicht in diesem Umfang erreichen könnten“, so Deppen.

Für den Konzern zahlt sich eine strategische Entscheidung aus, die vor rund 20 Jahren gefällt wurde. Als Daimler sich im Jahr 2000 in Mitsubishi Motors einkaufte, unkte der Autoanalyst Koji Endo bereits, dass es den Schwaben wahrscheinlich nur um die profitable und starke Trucksparte Mitsubishi Fuso ginge. Und er behielt recht.

Der neue Chef in Asien will in den Wachstumsmärkten weiter expandieren.

Daimler-Manager Karl Deppen

Der neue Chef in Asien will in den Wachstumsmärkten weiter expandieren.

Als sich der deutsche Autobauer nach fünf Jahren aus dem japanischen Zukauf Mitsubishi zurückzog, hielt man an der profitablen Truckmarke Fuso fest. Im Heimatmarkt Japan bietet die Marke den Konkurrenten Hino und Isuzu, die beide mit Toyota kooperieren, bis heute die Stirn. Die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei sieht Fuso bei umweltfreundlichen Antrieben sogar in Führung. „Die Umstellung auf reine Batterie- oder Wasserstoffflotten wird die erste eines großen japanischen Nutzfahrzeugherstellers sein.“ 

Fuso hatte als erster japanischer Lkw-Hersteller angekündigt, in den 2030er-Jahren den Verkauf von Dieselmotoren zu stoppen. In Indonesien und Taiwan ist Daimler Truck dank Fusos Präsenz mit Marktanteilen von 48 beziehungsweise 32 Prozent sogar Marktführer.

Die traditionell etwas kleineren und leichteren Trucks werden schon lange für die Elektromobilität und das autonome Fahren vorbereitet: Fuso ist nicht nur Kompetenzzentrum für leichte Lkw wie den Canter, erklärt Deppen, sondern auch ein wichtiger Standort, an dem Produkte für die Entwicklungsländer entwickelt werden.

Japan ist ein Kompetenzzentrum von Daimler Truck

Im Hauptwerk im japanischen Kawasaki wurde bereits vor der Pandemie ein hochmodernes Entwicklungszentrum eingeweiht. Dort feilen Ingenieure virtuell mit ihren Kollegen in Deutschland und Amerika an neuester Technik, die dann weltweit bei den verschiedenen Marken eingesetzt wird. „Eine Stärke von Daimler Truck ist, diese Skaleneffekte wirklich zu nutzen“, sagt Deppen.

Der eCanter aus der Entwicklung von Fuso war einer der ersten rein batterieelektrischen Kleinlaster in Japan und Europa. In diesem Jahr folgt bereits dessen zweite Version, während die Rivalen ihre eigenen Elektrooffensiven erst starten. Auch die Technik für Fahrassistenten können sich deutsche, amerikanische und japanische Trucks teilen.

Auch die Entwicklung hochpräziser Straßenkarten wird in Japan vorangetrieben. Sie sollen den Lkw helfen, vor scharfen Kurven oder Hindernissen bereits abzubremsen, bevor sie für den Fahrer sichtbar werden. Denn für Spediteure kann eine vorausschauende Fahrweise Sprit und damit Geld sparen. Japan gilt heute bereits als führend bei der zentimetergenauen Vermessung von Autobahnen und Hauptstraßen, und es gibt bereits mehrere Anbieter für Daten und Plattformen.

Fuso hatte im vergangenen Jahr eine Partnerschaft mit Woven Alpha vereinbart, einer Sparte von Toyotas Hightech-Startup Woven Planet. Die Technologen entwickeln unter anderem eine smarte Kartenplattform, die Fahrzeuge mit ihren Sensoren automatisch auf den neusten Stand bringen können. „Darin sehen wir einen großen Vorteil für uns“, sagt Deppen.

Fuso stärkt Daimler Trucks Geschäft in Entwicklungsländern

Darüber hinaus profitiert Daimler von Fusos Erfahrung in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Entwicklung von Lastern, die preiswerter sind und sich für den Einsatz auf rauen Pisten eignen, sondern auch um klimafreundliche Antriebe.

Zwar hinken viele Länder der Region beim Übergang zu Elektromobilität weit hinter Europa oder Japan her. „Aber viele Länder in Asien holen auf, einige haben sogar Emissionsstufen übersprungen“, berichtet Deppen. Indonesien habe dieses Jahr die Vorschriften von Euro-2 auf Euro-4 erhöht, Indien von Euro-4 auf Euro-6.

Auf dem Subkontinent wird als Brückentechnik auf Gasantriebe gesetzt. Aber gerade in der Chiphochburg Taiwan oder auch indonesischen Städten wächst der Ruf nach günstigen batterieelektrischen Nutzfahrzeugen.

Die derzeitigen Lieferprobleme und vor allem die stark steigenden Rohstoffpreise belasten zwar auch Asiens Lkw-Hersteller und deren Kunden. Schrumpfende Margen reichen die Hersteller nun weiter. Oder wie Deppen sagt: „Wir haben auch schon an der Preisgestaltung gearbeitet und werden das auch weiterhin tun.“ Der inflationäre Trend sei allgegenwärtig.

Asien bleibe im Nutzfahrzeuggeschäft aber einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. „Wir sehen deutlich, dass Asien in den nächsten 10 bis 20 Jahren die Wachstumsregion der Welt sein wird“, sagt Deppen, „und wir wollen ein Teil davon sein.“

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