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13.09.2022

18:00

Nutzfahrzeughersteller

MAN und Scania ziehen sich aus Russland zurück

Von: Markus Fasse

Die VW-Töchter unter der Traton-Holding verkaufen ihre russischen Vertriebsgesellschaften. Der Rückzug westlicher Firmen trifft die Logistik.

Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine reduzieren viele deutsche Industrieunternehmen ihre Aktivitäten in Russland oder stellen das Geschäft dort komplett ein. Traton Group

Traton – MAN

Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine reduzieren viele deutsche Industrieunternehmen ihre Aktivitäten in Russland oder stellen das Geschäft dort komplett ein.

München Die VW-Töchter MAN und Scania ziehen sich endgültig aus Russland zurück. Die beiden Lkw-Hersteller, die VW unter der Holding Traton gebündelt hat, verkaufen ihre Vertriebsgesellschaften in Russland. Käufer für die Einheiten sind nicht genannte russische Vertriebsorganisationen, teilte Traton am Dienstag mit. Die zu erwartenden Buchverluste bezifferte Traton am Freitag auf bis zu 550 Millionen Euro.

Bereits im ersten Halbjahr hat Traton aufgrund des Kriegs in der Ukraine Belastungen von rund 113 Millionen Euro verbucht. Das Geschäft ist noch abhängig von der Zustimmung der russischen Behörden.
Der russische Lkw-Markt ist einer der größten der Welt, wurde aber bis zu Beginn des Kriegs von den russischen Herstellern Kamaz und GAZ dominiert, die rund die Hälfte des Marktes abdecken. Scania verkaufte 2021 mit rund 7100 schweren Trucks rund sechs Prozent der eigenen Produktion nach Russland und war die Nummer drei im Markt.
Aber auch MAN, Mercedes-Benz und Volvo hatten bis zum Ausbruch des Kriegs Marktanteile zwischen fünf und sieben Prozent. Russland mit seinen vielen Rohstoffen und großen Entfernungen hatte Potenzial für die Nutzfahrzeugindustrie. Seit Februar aber ziehen sich westliche Hersteller aus dem Markt zurück und stellen maximal noch die Grundversorgung mit Wartung und Ersatzteilen bereit.

Daimler hat die Zusammenarbeit mit Kamaz früh gestoppt

Der komplette Rückzug ist nicht einfach, die westlichen Unternehmen brauchen Käufer und müssen Markenrechte wahren. Während MAN und Scania in St. Petersburg nur ein kleines Montagewerk unterhielten, betrieb Weltmarktführer Daimler Truck mit Kamaz ein Gemeinschaftsunternehmen mit über 1000 Beschäftigten. Zudem sind die Stuttgarter mit 15 Prozent an Kamaz beteiligt. Ein brisantes Engagement, denn Kamaz ist mit gepanzerten Fahrzeugen einer der wichtigsten Ausrüster der russischen Armee.
Daimler Truck stoppte unmittelbar nach Ausbruch des Kriegs die Zusammenarbeit, obwohl sie sich auf zivile Nutzfahrzeuge beschränkte. Einen Abnehmer für die Kamaz-Beteiligung hat Daimler bislang nicht. Für das Gesamtjahr rechnet Daimler Truck mit Belastungen von rund 200 Millionen Euro. Auch der Zulieferer ZF Friedrichshafen hat Lieferungen nach Russland eingestellt und ein Gemeinschaftsunternehmen mit Kamaz gestoppt.
Der russischen Industrie fehlen durch die Abwanderung der westlichen Unternehmen wichtige Lieferanten und Komponenten. Dafür springen zwar häufig chinesische Anbieter ein. In China werden aber vor allem einfache Fahrzeuge produziert . Experten erwarten deshalb, dass die Transportqualität in Russland leiden wird.

Das ist bereits in der Luftfahrt zu beobachten: Dort zwingen die westlichen Sanktionen die russischen Fluglinien dazu, ihre bestehenden Flotten mit Maschinen von Airbus und Boeing systematisch auszuschlachten, um wenigstens die restlichen Flugzeuge in der Luft zu halten. Das könnte der russischen LKW-Flotte mittelfristig ebenfalls drohen.

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    Die drohende Rezession wird auch die LKW-Industrie treffen

    Auch für die Lkw-Industrie außerhalb Russlands ist der Ukrainekrieg ein schwerer Schlag. Im Zuge der Coronapandemie ging der Absatz bereits erheblich zurück, in der anschließenden Erholung des Transportsektors konnten die Hersteller nicht ausreichend liefern, weil Halbleiter fehlten. Mit Ausbruch des Kriegs mangelte es dann an Kabelbäumen aus der Ukraine, der russische Markt fiel weg. Schließlich folgte der konjunkturelle Einbruch durch die Energiepreiskrise.
    Traton, seit 2019 börsennotiert, ist von der Entwicklung bereits betroffen. Im ersten Halbjahr 2022 lag der Absatz der Tochtermarke MAN um 18 Prozent unter Vorjahr, der Auftragseingang brach um mehr als ein Viertel ein. Lediglich die relativ starke schwedische Schwestermarke Scania und die Konsolidierung der 2021 übernommenen US-Tochter Navistar kompensiert die Schwäche der deutschen Tochter im Zahlenwerk von Traton.

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