Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

03.11.2019

18:34

Im September war eine Öl verarbeitende Anlage des Konzerns am Ölfeld Abkaik durch einen Drohnenangriff beschädigt worden. AP

Beschädigte Ölanlage von Saudi Aramco

Im September war eine Öl verarbeitende Anlage des Konzerns am Ölfeld Abkaik durch einen Drohnenangriff beschädigt worden.

Ölgigant

Saudi-Arabien gibt grünes Licht für Börsengang von Saudi Aramco

Von: Mathias Brüggmann, Robert Landgraf

Der Ölkonzern Saudi Aramco ist das Herzstück der saudischen Wirtschaft. Der jahrelang diskutierte Börsengang ist jetzt endgültig beschlossen.

Riad Als sich vorige Woche Staatsmänner und Wirtschaftsführer auf dem Wirtschaftsforum „Future Investment Initiative“, auch „Davos in der Wüste“ genannt, trafen, da fehlte ein prominenter Name auf der Rednerliste: der Chairman des Staatsfonds PIF, Kronprinz Mohammed bin Salman, dem die Milliarden aus dem Börsengang des weltgrößten Ölförderers Saudi Aramco zufließen sollen. Offensichtlich wollte er sich nichts über den mehrmals verschobenen Aramco-Börsengang entlocken lassen. Erstmals angekündigt hatte ihn der mächtige Königssohn vor drei Jahren.

Am Sonntag, drei Tage nach Ende der Konferenz in der saudischen Hauptstadt Riad, fiel nun doch der Startschuss. Um 6:02 Uhr Ortszeit segnete die saudi-arabische Kapitalmarktaufsicht den Börsengang per Twitter ab. „Das ist ein wichtiger Meilenstein für Aramco“, bestätigte Aramcos Chairman Yassir al-Rumayyan kurz darauf die Entscheidung des Konzerns für einen sogenannten IPO im Aramco-Hauptquartier in Dhahran.

Ein konkreter Zeitplan für den Börsengang wurde jedoch nicht genannt. Auch das Emissionsvolumen ist bislang noch offen. Der Ausgabepreis für die Aramco-Aktien, die an Riads Börse Tadawul notiert werden sollen, werde erst nach einer jetzt beginnenden IPO-Roadshow festgelegt, erklärte der Konzern.

Der von Saudi-Arabien finanzierte Nachrichtenkanal Al-Arabija hatte berichtet, dass der erste Handelstag an der Tadawul-Börse der 11. Dezember sein solle. Der Börsenprospekt solle am 10. November veröffentlicht werden. In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass bis zu zwei Prozent der Aramco-Anteile an Investoren verkauft werden.

Beim vom Kronprinzen erhofften Börsenwert von zwei Billionen Dollar entspräche dies 40 Milliarden Dollar. Damit wäre der Aramco-IPO der größte in der Geschichte der Kapitalmärkte. Bisher hält der chinesische Internetriese Alibaba mit 25 Milliarden Dollar diesen Rekord.

Grafik

Allerdings rechnen Banker damit, dass eine Marktkapitalisierung von zwei Billionen Dollar kaum erreicht werden kann. Sie gehen von 1,3 bis 1,8 Billionen Dollar aus. Selbst dann wäre Aramco das teuerste Unternehmen der Welt. Der Konzern rangierte in der Börsenbewertung etwa deutlich vor den US-Technologieriesen Microsoft und Apple, die auf rund eine Billion Dollar kommen.

Eine Entscheidung, wie viele Aktien verkauft werden, ist wichtig für den gut 320 Milliarden Dollar umfassenden saudischen Staatsfonds Public Investment Funds (PIF). Dem PIF sollen die Erlöse der Privatisierung von Aramco zufließen, um diese in Megaprojekte des Kronprinzen zur Diversifizierung der saudischen Wirtschaft zu investieren.

In der gestern bekannt gewordenen 21-seitigen Absichtserklärung zum Börsengang, die dem Handelsblatt vorliegt, wirbt der Konzern mit Superlativen. Aramco ist mit 111,1 Milliarden Dollar im Jahr 2018 der profitabelste Konzern der Welt. Selbst Apple, das jahrelang als der profitabelste Konzern der Welt galt, verdiente mit knapp 60 Milliarden Dollar nur gut die Hälfte. In den ersten neun Monaten 2019 lag der Nettogewinn Aramcos bei 68 Milliarden Dollar, der Umsatz bei 244 Milliarden Dollar.

Im Vergleich zu den „die fünf Großen“ genannten privaten westlichen Rivalen Exxon-Mobil, Shell, Chevron, Total und BP habe Aramco einen deutlich höheren Cashflow. Gleiches gelte für den operativen Gewinn, steht in der Absichtserklärung des saudischen Großunternehmens.

CEO und Chairman Saudi Aramcos wollen die Aktien des Konzerns an die Börse bringen. Bloomberg

Amin Nasser (l.) und Yasir al-Rumayyan

CEO und Chairman Saudi Aramcos wollen die Aktien des Konzerns an die Börse bringen.

Aramco habe mit 226,8 Milliarden Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) die mit Abstand größten nachgewiesenen Öl- und Gasreserven und mit 11,6 Millionen Barrel täglich die größten Produktionskapazitäten. „In den vergangenen drei Jahren waren wir für jedes achte Barrel des weltweit produzierten Rohöls verantwortlich“, sagte CEO Amin Nasser.

„Unsere nachgewiesenen Vorkommen waren Ende 2018 fünfmal größer als die der fünf großen internationalen Ölkonzerne.“ In den nächsten beiden Jahren sollen 75 bis 85 Milliarden Dollar investiert werden. Die Fremdfinanzierung beträgt beim saudischen Ölkonzern derzeit 2,4 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Verschuldungsniveau der fünf Rivalen Exxon Mobil, Shell, Chevron, Total und British Petroleum.

Zurückhaltende Investoren-Reaktion

Internationale Investoren reagieren „vorsichtig optimistisch“ auf den geplanten Börsengang. Der Rückgang des saudischen Börsenindexes Tadawul All Share um rund 19 Prozent seit Mai 2019 verunsichert. Doch als größtes Manko gilt der geringe Anteil von ein bis zwei Prozent, der an die Börse gebracht werden soll.

Hier sei der Schutz der Minderheitsaktionäre entscheidend, heißt es bei einem großen Fondshaus. Bernd Schröder, Fondsmanager bei Union Investment, fordert: „Um Vertrauen bei internationalen Investoren zu schaffen, muss der Aufsichtsrat von Aramco mit möglichst vielen neutralen Mitgliedern im Sinne der Minderheitsaktionäre besetzt werden.“ Auch die Konzernführung müsse möglichst unabhängig sein.

Daraus ist das Misstrauen abzulesen, das Kronprinz Mohammed entgegenschlägt, der starken Einfluss auf Aramco ausübe, wie Experten betonen. Die vorhandene Unsicherheit versucht Aramco in einer verlässlichen Dividendenpolitik zu kompensieren. Die ins Gespräch gebrachte Garantie von 75 Milliarden Dollar an Ausschüttungen spricht für Schröder für eine Anlage.

Grafik

Russische Konkurrenten wie Gazprom und Lukoil böten eine Aktionärsrendite von acht bis neun Prozent. Bei Saudi Aramco werden 4,4 Prozent auf der Basis einer Marktkapitalisierung von 1,8 Billionen Dollar errechnet, eine ordentliche Rendite in einer Nullzinswelt. Dennoch werden sich Investoren wie Norwegens Staatsfonds zurückhalten, da sie ihr Engagement in CO2-sensiblen Bereichen abbauen wollen.

Für Fondsmanager ist es deshalb entscheidend, wie sich Aramco weiterentwickelt und sein Fördergeschäft weg vom Öl diversifiziert. Am Ende wird jedoch der Ausgabepreis maßgeblich über den Erfolg des Börsengangs entscheiden. Eine Bewertung der Aktien mit dem Sechs- bis Siebenfachen der Dividendenrendite erscheint Schröder „nicht unwahrscheinlich“. Für ihn böte die hohe Dividendenrendite ein Sicherheitsnetz für ausländische Investoren und „wäre eine verlässliche Größe“.

Das Umfeld für Börsengänge bezeichnet Martin Steinbach, Partner beim Berater EY, nach den kräftigen Kursgewinnen bei neuen Aktien im dritten Quartal dieses Jahres weltweit als gut. „In vielen Fällen war die Kursentwicklung deutlich besser als die allgemeine Entwicklung der großen Aktienindizes“, betont der Experte. Neben den guten Erfahrungen komme der hohe Anlagedruck hinzu. Es sei viel Geld im Markt, das nach Anlagechancen suche. Eine Anlagechance könnte der Börsengang von Saudi Aramco bieten.

Handelsblatt Live

Saudi-Aramco-Börsengang: „Um dieses Unternehmen werden viele Investoren nicht herumkommen“

Handelsblatt Live: Saudi-Aramco-Börsengang: „Um dieses Unternehmen werden viele Investoren nicht herumkommen“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Handelsblatt Premium

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×