MenüZurück
Wird geladen.

23.04.2019

17:49

Der Manager gilt als Geldbeschaffer für die Prinzen. Bloomberg

Amin Nasser

Der Manager gilt als Geldbeschaffer für die Prinzen.

Ölkonzern

Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser: der 100-Milliarden-Dollar-Mann

Von: Mathias Brüggmann

Der Chef des größten Ölkonzerns der Welt kauft gezielt zu. Damit macht er Saudi Aramco für den weiterhin geplanten Börsengang hübsch.

QalaEs ist ein gewaltiger Druck, unter dem Amin Nasser steht. Wie jeder Präsident und CEO eines Konzerns muss er erfüllen, was Aufsichtsrat und Aktionäre von ihm verlangen. Nur dass Saudi Aramco der mit Abstand größte Ölkonzern der Welt ist und Aktionär der als humorlos bekannte saudische Staat. Rechenschaftspflichtig ist Nasser formal gegenüber seinem Vorgänger und heutigen Aramco-Aufsichtsratschef und Ölminister Khaled Al-Falih.

In der Praxis muss Nasser dann auch noch die Wünsche von König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman Al Saud erfüllen. Und die wünschen sich, dass Aramco seinen verschobenen Börsengang möglichst bald nachholt. So berichten es zumindest Manager, die den MbS genannten Thronfolger regelmäßig sehen.

Zusätzlich im Nacken sitzt Nasser auch Donald Trumpder US-Präsident verlangt niedrige Ölpreise und damit das Gegenteil von dem, was Nasser braucht. Und Aramco muss zudem Trumps Willen umsetzen, Iran aus dem Ölgeschäft zu drängen. Dafür müssen die Saudis die Länder verstärkt versorgen, die bisher viel iranisches Öl bezogen haben.

In diesem schwierigen Umfeld ist Nasser ein Coup gelungen, mit dem er seinem Spitznamen alle Ehre macht. „100-Millliarden-Dollar-Mann“ wird Nasser in Branchenkreisen genannt. Weil er, erstens, 100 Milliarden Dollar Gebote für Aramcos erste, am Ende zwölf Milliarden Dollar umfassende Anleihe einsammelte – die bisher größte Bondemission eines Emerging-Market-Konzerns. Dies gelang, obwohl das Image Saudi-Arabiens als Investitionsstandort nach der Ermordung des oppositionellen Journalisten Jamal Khashoggi angekratzt ist.

Zum Zweiten hat Nasser seinen Spitznamen gekriegt, weil er 100 Milliarden Dollar einspielen soll, wenn Aramco fünf Prozent seiner Aktien an die Börse bringt. Jeder Preis darunter gilt als Schwächung des Kronprinzen, der diesen Preis ausgerufen hat. Dazu aber müsste Aramco insgesamt zwei Billionen Dollar wert sein.

Ölkonzern: Investoren würden für Saudi-Aramco-Anleihe 30 Milliarden Dollar an Kapital bereitstellen

Ölkonzern

Investoren würden für Saudi-Aramco-Anleihe 30 Milliarden Dollar an Kapital bereitstellen

Investoren würden Saudi-Aramco-Anleihen in einem Volumen von 30 Milliarden Dollar zeichnen. Dabei will der Konzern nur zehn Milliarden einsammeln.

Auch weil Analysten daran noch zweifeln, ist Nasser derzeit überall auf Einkaufstour. Geld hat er Dank der Bondemission genug.

Für 69,1 Milliarde Dollar übernimmt Aramco vom saudischen Staatsfonds PIF 70 Prozent des Petrochemieriesen Sabic. Am Sonntag gab Aramco bekannt, für 631 Millionen Dollar Shells 50-Prozent-Anteil an der gemeinsamen Großraffinerie Sasref im saudischen Jubail zu übernehmen.

Mit Adnoc, dem Ölkonzern der Vereinigten Arabischen Emirate, und drei indischen Ölfirmen will Aramco für 44 Milliarden Dollar einen riesigen Raffineriekomplex in Indien bauen. Dort hat Nasser auch gerade mit Reliance über den Kauf eines zehn bis 15 Milliarden Dollar teuren 25-Prozent-Anteils an dem indischen Ölkonzern gesprochen. Und in Südkorea hat Aramco für 1,25 Milliarden Dollar einen Anteil am Hyundai Oilbank-Ölverarbeitungsterminal übernommen.

Nasser war 1982 als Ingenieur zu Aramco gekommen und wurde 2010 dort Direktor. Seit 2015 amtiert er als CEO. Aramco gilt bisher als Privatschatulle des Königs für die Apanagen der rund 10 000 saudischen Prinzen und Prinzessinnen und als entsprechend verschlossen für Außenstehende. „Wir sind keine gewöhnliche Ölfirma“, versicherte Nasser Anleihe-Investoren im St. Regis Hotel in Manhattan bei der Roadshow für den Aramco-Bond.

Erst der Prospekt für die Bondemission brachte etwas Licht ins Dunkel des Ölgiganten, der täglich jedes zehnte Barrel Rohöl auf der Welt fördert: So machte Aramco 2018 mit 111,1 Milliarden Dollar Nettogewinn so viel Profit wie Apple, die Google-Mutter Alphabet und Exxon-Mobil zusammen. Mit 102 Milliarden Dollar Steuern und 58 Milliarden Dollar Dividenden sowie erheblichen Förderlizenzabgaben an den Staat trägt Aramco zu gut 60 Prozent der saudischen Staatseinnahmen bei.

Aramco-Boss Nasser genießt in der Branche einen exzellenten Ruf: „Aramco-Manager haben eine hohe Reputation, sie gelten als ´straight shooters´“, meint Jim Krane, Energieresearcher an der für ihre Ölkompetenz berühmten Rice-University in Houston. „Wenn sie etwas sagen, machen sie es auch.“ Das könnte am Ende auch für Aramcos größten Börsengang der Welt gelten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×