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14.12.2021

15:44

Paxlovid

Coronamedikament von Pfizer dürfte auch gegen Omikron-Variante wirken

Von: Bert Fröndhoff, Siegfried Hofmann

PremiumPfizer liefert positive Daten für die Anti-Corona-Pille Paxlovid: Das Medikament schützt Risikopatienten zu 90 Prozent vor einem Krankenhausaufenthalt.

Der US-Konzern erwartet in Kürze erste Zulassungen. dpa

Pfizer-Mittel Paxlovid

Der US-Konzern erwartet in Kürze erste Zulassungen.

Düsseldorf Der US-Pharmakonzern Pfizer hat Dienstag gemischte Resultate einer Studie zu der Wirksamkeit seiner geplanten Anti-Corona-Pille vorgelegt. Wichtigste positive Erkenntnis: Die Einnahme der Tablette hat in der Studie 90 Prozent der Hochrisikopatienten vor Krankenhausaufenthalt und dem Tod bewahrt. Gemeint sind damit Menschen mit schweren Vorerkrankungen wie Diabetes und Krebs, für die es bei einer Covid-19-Erkrankung ein hohes Sterberisiko gibt.

Ebenso wichtig: Erste Laborergebnisse deuten darauf hin, dass das Mittel auch bei einer Infektion mit der neuen Virusmutante Omikron wirksam ist. Bei Patienten mit normalem Risiko und ohne Vorerkrankung wurde immerhin noch ein 70-prozentiger Schutz vor einer Krankenhauseinweisung erreicht.

Ein anderes Ziel hat der US-Pharmakonzern in der Studie dagegen nicht erreicht: Die Einnahme der Pille sollte bei Patienten auch die Krankheitssymptome senken. Dafür liefern die Daten der Studie noch keine Beweise, sie soll aber weitergeführt werden. Die Pfizer-Aktie gab deswegen vorbörslich leicht nach.

Die Anti-Corona-Pille Paxlovid soll kurz nach Einsetzen der Symptome fünf Tage lang alle zwölf Stunden eingenommen werden. Es handelt sich um eine Kombinationstherapie, denn zugleich wird den Patienten ein älteres antiviral wirkendes Mittel verabreicht.

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    Pfizer wertete die Studienergebnisse insgesamt positiv. „Wir sprechen hier von einer unglaublichen Anzahl von geretteten Leben und verhinderten Krankenhausaufenthalten. Und natürlich können wir die Übertragung drastisch reduzieren, wenn wir dieses Mittel schnell nach der Infektion einsetzen“, sagte Forschungschef Mikael Dolsten.

    Paxlovid

    Pfizer bestätigt hohe Wirksamkeit von Anti-Corona-Medikament

    Paxlovid: Pfizer bestätigt hohe Wirksamkeit von Anti-Corona-Medikament

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    Eine Zulassung des Mittels in den USA und Europa steht noch aus. Pfizer könnte bald mit zwei Mitteln von der Bekämpfung der Coronapandemie profitieren. Der mit der deutschen Biontech gemeinsam entwickelte Impfstoff gegen Covid-10 verkauft sich bereits milliardenfach.

    Neue Erkenntnisse zu Omikron in Südafrika

    Am Dienstag wurden ebenfalls neue Daten zur Wirkung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs bei einer Infektion mit der sich aktuell schnell verbreitenden Omikron-Variante bekannt. Danach bieten zwei Dosen anscheinend einen deutlichen Schutz vor schweren Erkrankungen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Discovery Health, Südafrikas größtem privatem Krankenversicherungsbetreiber.

    Die zugrunde liegenden Daten stammen aus der ersten Omikron-Welle in Südafrika zwischen dem 15. November und dem 7. Dezember. In der Zeit wurden von Discovery Health 211.000 positive Testergebnisse erfasst, bei 78.000 ergab sich eine Infektion mit Omikron. Es zeigte sich bei Infizierten mit einer zweifachen Biontech-Impfung ein 70-prozentiger Schutz vor schweren Verläufen mit Krankenhausaufenthalt.

    Discovery Health unterstrich aber, dass es sich dabei nur um ein vorläufiges Ergebnis aus der Anfangsphase der Omikron-Verbreitung handele. Bei einer starken Ausweitung der Infektionen mit der neuen Variante könnten sich die Daten ändern. Insgesamt zeigt sich, dass das Ansteckungsrisiko bei Omikron höher ist.

    Das Auftreten neuer Virusvarianten unterstreicht aus Sicht viele Experten, wie wichtig die gleichzeitige Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente gegen Covid-19 ist. Dass die die Pfizer-Pille auch wirksam bei einer Omikron-Infektion ist, war bereits erwartet worden.

    Denn die Arznei Paxlovid setzt an einem anderen Punkt im Organismus an als die mRNA-Impfstoffe. Letztere schleusen einen Bauplan in menschliche Zellen, mit dem dann Teile des Spike-Proteins aus dem Coronavirus produziert werden. Das löst eine Immunabwehrreaktion aus, die den Körper für eine echte Infektion rüstet.

    Die Anti-Corona-Pillen hingegen setzen an Enzymen an, die die Vervielfältigung der Viren in den Zellen steuern. Sie wirken damit unabhängig davon, wie stark das Spike-Protein bereits mutiert ist.

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    Ein weiterer Vorteil ist, dass die Mittel als Tabletten eingenommen werden und damit auch für den Hausgebrauch unter ärztlicher Begleitung geeignet sind. Die bisher verfügbaren Antikörpertherapien können praktisch nur im Krankenhaus verabreicht werden. Dann aber ist es oft zu spät, weil die Erkrankung der Patienten schon zu weit fortgeschritten ist.

    Covidpatienten, so die Hoffnung, könnten die neuen Wirkstoffe künftig schnell nach Symptombeginn fünf Tage lang einnehmen und damit das Risiko für schwere Verläufe erheblich reduzieren. Infektionswellen ließen sich damit besser beherrschen, die Zahl der Klinikeinweisungen und Sterbefälle könnte spürbar gesenkt werden.

    Pfizer-Manager Dolsten erwartet in Kürze eine Notfallzulassung des Mittels durch die US-Arzneimittelbehörde FDA und auch andere Behörden etwa in der EU und im Vereinigten Königreich. Die US-Regierung hat sich bereits zehn Millionen Behandlungseinheiten für mehr als fünf Milliarden Dollar gesichert.

    Die USA haben ebenso wie Deutschland auch größere Mengen der antiviralen Pille Molnupiravir vom Pharmakonzern Merck & Co geordert, der für die Arznei ebenfalls eine Notfallzulassung beantragt hat. Sie wirkt vom Prinzip her ähnlich wie das Pfizer-Mittel. Allerdings hat sie in der klinischen Studie mit Hochrisikopatienten einen geringeren Schutz vor Krankenhausaufenthalten und Todesfällen bewiesen.

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