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20.05.2022

04:00

Pharmabranche

Arzneimittelfirma Cheplapharm prüft Anteilsverkauf an Investor

Von: Arno Schütze

Eigentlich wollte das Greifswalder Unternehmen im Februar an die Börse. Wegen der Turbulenzen am Kapitalmarkt sucht Cheplapharm nun stattdessen externe Kapitalgeber.

Der Pharmakonzern sucht einen Geldgeber für seine Wachstumspläne. Cheplapharm

Zentrale von Cheplapharm

Der Pharmakonzern sucht einen Geldgeber für seine Wachstumspläne.

Frankfurt Der Greifswalder Arzneimittelhersteller Cheplapharm sucht Investoren für die Finanzierung seiner geplanten Expansion. Private-Equity-Firmen und Family-Offices bieten Finanzkreisen zufolge derzeit für einen Anteil von zehn bis 15 Prozent.

Sollte ein Deal zustande kommen, würde das Geld dem Unternehmen über eine Kapitalerhöhung zufließen und könnte für weitere Zukäufe genutzt werden. Entscheidungen seien aber noch nicht getroffen worden, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Cheplapharm verfügt über keine eigene Forschung und Entwicklung, sondern kauft etablierte Medikamente von großen Pharmaunternehmen, die die Firma dann in Lohnfertigung herstellen lässt und vertreibt. „Wir sind gut durchfinanziert und haben keinerlei Druck, eine Finanzierungsmaßnahme durchzuführen“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Cheplapharm verfüge über einen hohen Free Cashflow und habe im Februar weiteres Fremdkapital aufgenommen. „Wir halten uns aber grundsätzlich alle Finanzierungsoptionen offen, sagte der Sprecher.

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    Bei dem Deal könnte Cheplapharm mit bis zu sieben Milliarden Euro einschließlich Schulden bewertet werden. Das ist etwas weniger, als sich die Firma bei dem für diesen Februar geplanten Börsengang erhofft hatte, den das Unternehmen angesichts der widrigen Lage an den Kapitalmärkten absagen musste. Einige Investoren gehen davon aus, dass die Bewertung am Ende eher bei rund sechs Milliarden Euro liegen könnte.

    Viele namhafte Finanzinvestoren sowie etliche Family-Offices haben es den Informationen zufolge in die engere Auswahl geschafft. Eine Entscheidung könnte bis Ende Juni fallen, falls sich Cheplapharm zu dem Schritt entschließt.

    Das Unternehmen hat sich in 25 Jahren für gut drei Milliarden Euro ein Portfolio von mehr als 100 zumeist verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zusammengekauft, deren Patentschutz ausgelaufen ist und die seit mindestens 20 Jahren am Markt sind. Das Geld dafür kam bisher aus dem laufenden Geschäft und aus Hochzinsanleihen.

    Cheplapharm muss stetig neue Präparate nachkaufen

    Der Börsengang sollte 750 Millionen Euro einbringen, mit denen Cheplapharm den Kauf weiterer Pharmaprodukte finanzieren und einen Teil seiner Schulden von derzeit rund drei Milliarden Euro zurückzahlen wollte.

    Für Cheplapharm bietet der Fokus auf Arzneien ohne Patentschutz den Vorteil kalkulierbarer Umsätze und Gewinne. Ausfallrisiken einer eigenen Medikamentenentwicklung gibt es nicht. Da Cheplapharm bei seinen Produkten mit einem jährlichen Umsatzrückgang von drei bis vier Prozent kalkuliert, ist die Firma darauf angewiesen, ständig neue Präparate nachzukaufen.

    Insgesamt hat Cheplapharm für mehr als 3,3 Milliarden Euro zugelassene Medikamente gekauft. 2021 gab die Firma 920 Millionen für neue Arzneien von Konzernen wie Roche, Takeda und Leo Pharma aus, die Übernahme weiterer Produkte für mehr als 1,8 Milliarden Euro wird geprüft.

    Vergangenes Jahr verbuchte Cheplapharm ein Betriebsergebnis (Ebitda) von 624 Millionen Euro bei Erlösen von 1,1 Milliarden Euro. Im Februar sicherte sich das Unternehmen eine neue 1,5 Milliarden Euro schwere Kreditlinie mit einem Zinssatz von anfänglich vier Prozent über Euribor, zudem eine neue revolvierende Kreditfazilität in Höhe von 545 Millionen Euro. Der Verschuldungsgrad liegt beim Vierfachen des Ebitda, einem vergleichsweise hohen Wert. Die Aufnahme von Eigenkapital soll dazu beitragen, die Finanzierung weniger riskant aufzustellen.

    Auch andere Firmen mit Börsenplänen suchen derzeit nach Investoren, da die hohe Volatilität an den Aktienmärkten Börsengänge so gut wie unmöglich gemacht hat. Aus dem Gesundheitssektor ist etwa KD Pharma, ein Hersteller von Produkten mit Omega-3-Fettsäuren, in Gesprächen mit Finanzinvestoren.

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