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10.01.2022

13:34

Pharmabranche

Deutlich weniger tödliche Erkrankungen: Covid-19-Mittel von Novartis liefert positive Ergebnisse

Von: Maike Telgheder

Ein neuer Wirkstoff von Novartis und Molecular Partners kann die Viruslast in Studien deutlich senken. Nun hoffen die Pharmariesen auf eine rasche Zulassung.

Der Pharmariese setzt große Hoffnungen in sein neues Covid-Medikament. AP

Forschung bei Novartis

Der Pharmariese setzt große Hoffnungen in sein neues Covid-Medikament.

Frankfurt. Der Covid-19-Arzneimittelkandidat von Novartis und des Schweizer Biotech-Unternehmens Molecular Partners hat in einer klinischen Studie positive Ergebnisse gezeigt und sein Hauptziel erreicht.

Der von Molecular Partners entwickelte Wirkstoff führte in der von Novartis begleiteten Phase-2-Studie mit 301 Patienten zu einer deutlichen Verringerung der Viruslast. Das Risiko einer Verschlechterung der Erkrankung mit Krankenhausaufenthalt oder Tod als Folge sank um 78 Prozent, wie Novartis mitteilte.

Medikamentenkandidaten müssen normalerweise drei klinische Studienphasen erfolgreich durchlaufen, damit ein Zulassungsantrag gestellt werden kann. Novartis will Ensovibep nun einlizensieren und die Verantwortung für die Entwicklung, die Herstellung, den Vertrieb und die Vermarktung übernehmen. Molecular Partners erhält im Gegenzug 150 Millionen Schweizer Franken.

Beide Unternehmen stehen nach eigenem Bekunden in engem Kontakt mit den Zulassungsbehörden, um eine beschleunigte Prüfung und Zulassung von Ensovibep zu erreichen.

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    Novartis hat derzeit keine eigenen Covid-19-Impfstoffe oder Medikamente auf dem Markt. Der Pharmakonzern stellt aber an seinem Standort in Stein in der Schweiz Produktionskapazitäten für den Covid-19-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech zur Verfügung.

    Im Rahmen der Vereinbarung hatte das in Zürich ansässige Unternehmen Molecular Partners bereits eine Vorauszahlung von 60 Millionen Schweizer Franken inklusive Eigenkapital von Novartis bekommen. Im Falle einer Zulassung erhält das Biotech-Unternehmen dann künftig signifikante Lizenzgebühren auf den Umsatz.

    Molecular Partners hat sich bereit erklärt, auf Lizenzgebühren in ärmeren Ländern zu verzichten, und will im Einklang mit Novartis das Medikament je nach Bedürfnissen und wirtschaftlichen Fähigkeiten der Länder zu einem erschwinglichen Preis anbieten.

    Coronamedikament Ensovibep wirkt auch gegen Omikron

    Der antivirale Wirkstoff Ensovibep wurde in einer globalen Studie getestet, die insgesamt 407 infizierte, aber nicht ins Krankenhaus eingelieferte Covid-19-Patienten umfasste. 99 davon bekamen ein Scheinmedikament (Placebo).

    Der Wirkstoff wurde in drei verschiedenen Dosierungen verabreicht. Im Ergebnis wurde eine statistisch signifikante Reduktion der Viruslast über acht Tage im Vergleich zu Placebo für alle drei Dosierarme erreicht. Patienten, die den Wirkstoff erhalten haben, hatten im Vergleich zur Placebogruppe ein um 78 Prozent reduziertes Risiko, so schwer zu erkranken, dass sie ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten oder gar starben.

    Im Falle einer Zulassung werde Ensovibep das erste multispezifische antivirale Molekül zur Behandlung von Covid-19 sein, so Novartis. Das Mittel ist eine proteinbasierte Therapie, die an drei Stellen des Virus Sars-CoV-2 andockt und es so stark neutralisieren soll.

    Die Behandlung mit Ensovibep, das in der niedrigsten Dosierung jetzt weiter erforscht werden soll, bietet laut Novartis Schutz gegen die bisher identifizierten gefährlichen Virusvarianten, einschließlich Omikron. Bis zu einer Zulassung dürften allerdings noch ein paar Monate vergehen.

    Derzeit sind in Deutschland bereits verschiedene spezielle Covid-19-Medikamente verfügbar. Darunter die Infusionslösung Ronapreve, die gemeinsam von dem Schweizer Roche-Konzern und dem US-Unternehmen Regeneron entwickelt wurde. Der gentechnisch hergestellte Wirkstoff besteht aus Antikörpern, die an Sars-CoV-2 binden und das Virus so an der Vermehrung hindern.

    Im Dezember wurde zudem in Europa das Antikörpermedikament Sotrovimab von Glaxo-Smithkline und dem Biotech-Unternehmen Vir zugelassen. Bereits im Juli 2021 hatte GSK und Vir mit der Europäischen Kommission die Lieferung von bis zu 220.000 Dosen vereinbart.

    Mit der Marktzulassung in der EU können die Mitgliedstaaten nun Sotrovimab zur Unterstützung ihrer Pandemiebekämpfung beschaffen. Außerdem hat die neue Bundesregierung Ende Dezember eine Million Packungen des Medikaments Paxlovid der US-Firma Pfizer gegen schwere Covidverläufe bestellt. Das Medikament hat in den USA eine Notfallzulassung. Das Zulassungsverfahren in der EU läuft.

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