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03.11.2022

16:40

Pharmabranche

Immun-Mittel gegen Krebs – Biotechfirma Affimed meldet positive Studiendaten

Von: Maike Telgheder

Das Heidelberger Unternehmen geht einen anderen Weg als die meisten Krebsspezialisten. Nach Publikation der Studiendaten steigt die Affimed-Aktie stark.

Das Biotech-Unternehmen Affimed konzentriert sich im Kampf gegen Krebs auf die Aktivierung des angeborenen Immunsystems. imago images / Westend61

Forschung im Labor

Das Biotech-Unternehmen Affimed konzentriert sich im Kampf gegen Krebs auf die Aktivierung des angeborenen Immunsystems.

Frankfurt Die Waffen des angeborenen Immunsystems im Kampf gegen Krebs zu nutzen – dieses Ziel verfolgt die Heidelberger Biotechfirma Affimed. Am Donnerstag gab das Unternehmen neue positive Studiendaten für seinen am weitesten fortgeschrittenen Wirkstoffkandidaten bekannt.

Dieser wird unter anderem gegen wiederkehrenden Lymphdrüsenkrebs, das sogenannte Hodgkin-Lymphom, erforscht. In einer frühen klinischen Studie wurde bei mehr als 70 Prozent der Patienten ein vollständiger Rückgang der Krebserkrankung festgestellt. Die an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Aktien des Unternehmens stiegen nach Börseneröffnung um mehr als 13 Prozent.

Affimed hat ein spezielles Molekül entwickelt, einen „Innate cell engager“. Dieses kann Tumorzellen erkennen und mit natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) des Immunsystems zusammenbringen, damit diese die Krebszellen zerstören. Das Molekül ist ein sogenannter bispezifischer Antikörper, der sich gleichzeitig an zwei verschiedene Strukturen binden kann – in diesem Fall an die natürliche Killerzelle wie auch an die Tumorzelle.

Komplette Genesung bei 71 Prozent der Patienten

In der Studie der klinischen Phasen 1 und 2, die in Texas durchgeführt wird, wurde der Affimed-Produktkandidat AFM 13 mit natürlichen Killerzellen aus Nabelschnurblut beladen. Mittlerweile sind 24 von insgesamt 30 in die Studie aufgenommenen Patienten behandelt worden. Alle hatten trotz verschiedener vorhergehender Therapien einen Rückfall bei ihrer Krebserkrankung erlitten.

Nach den am Donnerstag veröffentlichten Studiendaten haben alle Patienten, die die höchste Dosis der Behandlung bekommen hatten, auf die Therapie angesprochen. Bei knapp 71 Prozent wurde eine komplette Remission festgestellt, also keine Anzeichen der Krebserkrankung mehr gefunden.

Das Potenzial von AFM 13 in Verbindung mit NK-Zellen aus Spenderblut hat Affimed jetzt bewogen, eine strategische Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Artiva einzugehen. Das gab das Unternehmen ebenfalls am Donnerstag bekannt. Artiva hat eine Zelltherapie gegen Krebs entwickelt, die auf präparierten NK-Zellen basiert. Eine Kombination beider Therapien wird bereits im Tierversuch getestet und zeigt dort den Angaben zufolge eine starke Aktivität gegen Tumore.

Beide Unternehmen wollen nun die Kombinationstherapie weiter entwickeln und später gemeinsam produzieren und vermarkten. Angesichts der „überzeugenden klinischen Daten“ von AFM 13 in Kombination mit NK-Zellen werde man nun laut Affimed-Chef Adi Hoess jetzt alles daransetzen, diese „potenziell lebensverändernde Behandlung“ für Lymphom-Patienten zur Marktreife zu bringen.

Im Erfolgsfall, so hoffen die Unternehmen, könnte die Kombinationstherapie eine der ersten zugelassenen Behandlungen werden, bei denen natürliche Killerzellen von fremden Spendern zur Bekämpfung von Krebs verwandt werden.

Das angeborene Immunsystem ist die erste Verteidigungslinie des Körpers

Affimed geht mit seinem Fokus auf das angeborene Immunsystem einen anderen Weg als die meisten anderen Krebsspezialisten, die sich bei immunonkologischen Therapien auf die Aktivierung des angelernten Immunsystems konzentrieren.

Die Zellen des angeborenen Immunsystems sind die erste Verteidigungslinie des Körpers gegen Krankheiten. Natürliche Killerzellen und auch sogenannte Makrophagen sind im menschlichen Körper permanent aktiv und überprüfen die körpereigenen Zellen auf der Suche nach generellen Veränderungen.

Gesunde Zellen besitzen eine Oberflächenstruktur, die hemmende Signale an die NK-Zelle sendet und so einen Angriff verhindert. Tumorzellen hingegen haben ein stark verändertes Oberflächenprofil und werden deshalb erkannt und zerstört. Diesen Mechanismus macht sich Affimed bei seinem Ansatz zunutze.

Die im Jahr 2000 gegründete Firma war ursprünglich auf die Herstellung von klassischen rekombinanten Antikörpern fokussiert. In den letzten 15 Jahren hat sie sich der Entwicklung von bispezifischen Antikörperformaten zugewandt. Seit 2014 ist das Unternehmen, das derzeit rund 190 Mitarbeiter beschäftigt, an der Nasdaq notiert.

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