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22.12.2021

10:05

Pharmaindustrie

46 neue Medikamente: Mehr Präparate gegen Krebs als gegen Corona

Von: Maike Telgheder

Die Pharmabranche zeigt sich so innovativ wie seit sieben Jahren nicht mehr. Doch nur ein neuer Wirkstoff wurde von einem deutschen Hersteller entwickelt.

Die Pharmaindustrie zieht für 2021 eine positive Innovationsbilanz: 46 Medikamente mit neuem Wirkstoff wurden in Deutschland auf den Markt gebracht. imago images/MiS

Viele neue Medikamente

Die Pharmaindustrie zieht für 2021 eine positive Innovationsbilanz: 46 Medikamente mit neuem Wirkstoff wurden in Deutschland auf den Markt gebracht.

Frankfurt Trotz Pandemie haben die Pharmaunternehmen in diesem Jahr so viele neue Medikamente wie seit Jahren nicht mehr auf den Markt gebracht: Insgesamt 46 Produkte mit neuem Wirkstoff wurden in Deutschland lanciert. Das zeigt die aktuelle Statistik des Verbandes der Forschenden Arzneimittelunternehmen (vfa).

Vier davon wurden zur Prävention und Behandlung von Covid-19 entwickelt. Das sind zum einen die Anfang des Jahres zugelassenen Covid-19-Impfstoffe der Firmen Moderna, Astra-Zeneca und Johnson & Johnson, die dem bereits im Dezember 2020 zugelassenen mRNA-Impfstoff von Biontech folgten.

Außerdem kam zur Therapie einer Corona-Infektion die Infusionslösung Ronapreve auf den Markt, die gemeinsam von dem Schweizer Roche-Konzern und dem US-Unternehmen Regeneron entwickelt wurde. Der gentechnisch hergestellte Wirkstoff besteht aus Antikörpern, die an Sars-CoV-2 binden und das Virus so an der Vermehrung hindern.

Vor wenigen Tagen wurden zudem noch zwei weitere Covid-19-Präparate zugelassen, die demnächst auch in die Versorgung nach Deutschland kommen: Der proteinbasierte Covid-19-Impfstoff des US-Biotechunternehmens Novavax und das Antikörpermedikament von Glaxo-Smithkline und dem Biotechunternehmen Vir.

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    Vfa-Präsident Han Steutel wertet das Jahr 2021 als außergewöhnlich: „Nie zuvor ist es gelungen, dass therapeutische Medikamente in weniger als zwei Jahren entwickelt, erprobt, behördlich geprüft und nach Zulassung in die Versorgung gebracht wurden“, sagte er. Außergewöhnlich sei auch die Zahl von insgesamt 46 Neueinführungen. Dieser Wert wurde seit der Jahrtausendwende nur einmal noch überboten: Im Jahr 2014 wurden 49 neue Medikamente eingeführt.

    Zahl neuer Medikamente steigt

    Insgesamt hat sich die Innovationsbilanz der Pharmabranche in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbessert: Wurden im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende im Durchschnitt 28 neue Medikamente pro Jahr in Deutschland auf den Markt gebracht, waren es von 2011 bis 2020 rund 32. Das spiegelt die technologischen Fortschritte bei Forschung und Entwicklung wider, aber ebenso den zunehmenden Fokus der Industrie auf seltene Erkrankungen, für die schneller Zulassungsanträge gestellt werden können.

    Grafik

    2021 hatten elf der neu eingeführten Medikamente mit neuem Wirkstoff den sogenannten Orphan-Drug-Status in der EU. Dieser zeigt an, dass die EU-Arzneimittelbehörde Ema sie als überlegen gegenüber bisherigen Behandlungsmöglichkeiten für die jeweiligen seltenen Erkrankungen einstuft – sofern es überhaupt bereits eine Behandlung gibt. Als selten wertet die EU solche Krankheiten, die höchstens fünf von 10.000 EU-Bürgern betreffen.

    Die meisten der in diesem Jahr neu eingeführten Medikamente sind gegen Krebserkrankungen gerichtet: Insgesamt sind es 14. Der Fokus auf die Onkologie ist bereits seit Jahren in der Branche zu beobachten.

    Neben häufigen Krebsarten wie dem Brustkrebs oder dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom werden auch seltene Krebsarten wie bestimmte Lymphome (Lymphdrüsenkrebs) adressiert. Bei fünf dieser Medikamente ist vor der Anwendung mit einem Gen- oder Gewebetest zu prüfen, ob die Krebszellen eine bestimmte Mutation aufweisen, gegen die das Mittel seine Wirkung ausrichtet. Dieser Ansatz wird als personalisierte Medizin bezeichnet.

    Zusätzlich konnten Unternehmen in zwölf Fällen nach entsprechenden Studien das Anwendungsgebiet eines schon länger verwendeten Medikaments auf weitere Krebsarten ausdehnen und damit noch mehr Betroffenen helfen.

    Neue Reserveantibiotika gegen multiresistente Erreger

    Neben den 14 Medikamenten gegen Krebserkrankungen wurden insgesamt neun neue Mittel gegen Infektionskrankheiten auf den Markt gebracht, gefolgt von fünf Medikamenten gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Unter anderem kamen auch zwei neue Antibiotika in Deutschland auf den Markt. Die Produkte der Firmen Shionogi und MSD sind Reserveantibiotika, die einen Beitrag gegen das wachsende Problem multiresistenter Erreger leisten. Reserveantibiotika werden nur bei Infektionen mit Bakterien eingesetzt, die gegen die gängigen Antibiotika resistent sind oder wenn bei sehr schweren Infektionen eine Wirkung gesichert sein muss.

    Gelistet nach Unternehmen war der Schweizer Roche-Konzern mit insgesamt vier Neueinführungen am erfolgreichsten, gefolgt von dem US-Konzern Johnson & Johnson mit seiner Pharmasparte Janssen sowie Astra-Zeneca mit jeweils drei Markteinführungen. Aus Deutschland kam nur ein neuer Wirkstoff: Bayer brachte das Mittel Vericiguat gegen chronische Herzinsuffizienz auf den Markt.

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