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25.11.2022

14:03

Pharmaindustrie

Krebsmittel von Biontech-Gründern überzeugt in Studie

Von: Siegfried Hofmann

Die Biontech-Gründer Türeci und Sahin hatten den Wirkstoff mit ihrem Firma Ganymed erforscht. Der Pharmakonzern Astellas hat das Magenkrebs-Mittel Zolbetuximab nun erfolgreich getestet.

Özlem Türeci und Ugur Sahin imago images/Sämmer

Ugur Sahin und Özlem Türeci 2018

Vor Biontech gründeten Sahin und Türeci bereits das Mainzer Biotech-Unternehmen Ganymed. Hier erforschten sie einen Magenkrebs-Wirkstoff, dessen Wirksamkeit in Studien belegt werden konnte.

Frankfurt Der japanische Pharmakonzern Astellas hat ein neues Magenkrebsmittel erfolgreich in einer Phase-Drei-Studie getestet. Unter den rund 560 Teilnehmern verlängerte der Wirkstoff Zolbetuximab sowohl die Überlebenszeit ohne Krankheitsfortschritt als auch die Überlebenszeit insgesamt. Details will Astellas demnächst auf einer Fachkonferenz präsentieren. Experten rechnen mit ersten Zulassungsanträgen im kommenden Jahr.

Zolbetuximab stammt ursprünglich aus der Forschung der Mainzer Biotech-Firma Ganymed, die die Biotech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin 2002 gegründet hatten. Die Finanzierung für Ganymed kam wie bei Biontech maßgeblich von den Unternehmern Andreas und Thomas Strüngmann und Fonds der Venture-Capital-Firma MIG. 2016 verkauften sie die Firma für 422 Millionen Euro an Astellas.

Die Zulassung von Zolbetuximab wäre eine Bestätigung für die Strategie der Biontech-Gründer in der Onkologieforschung. Biontech wurde in den vergangenen beiden Jahren zwar vor allem mit dem erfolgreichen Covidimpfstoff Comirnaty bekannt, forscht aber auch intensiv an Krebsmedikamenten.

Hohe Nachfrage für Krebsmittel der Biontech-Gründer

Zolbetuximab gilt inzwischen als Topprodukt in der Produktpipeline von Astellas. Experten rechnen für 2028 bereits mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Dollar mit dem Medikament, wie Daten des britischen Analyseunternehmens Evaluate Pharma zeigen. Denn der Therapiebedarf bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen im Bereich von Magen und Speiseröhre gilt als sehr hoch. Es gibt bisher kaum Medikamente, Betroffene können sich vor allem Operationen und Chemotherapien unterziehen.

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    In einer kleineren, bereits 2016 beendeten Phase-2-Studie verlängerte der Wirkstoff in Kombination mit einer Chemotherapie die Überlebenszeit bei den behandelten Patienten im Vergleich zur Standardbehandlung im Schnitt um knapp fünf auf rund 13 Monate, was als erheblicher Therapiefortschritt gilt. Auf dem amerikanischen Onkologie-Kongress ASCO wurde das Mittel daher bereits als herausragende Neuentwicklung ausgezeichnet.

    Bis zum Abschluss der Phase-3-Studie dauerte es nun trotzdem weitere sechs Jahre, ein Beispiel für die zum Teil noch immer sehr langen Entwicklungszeiten im Onkologiebereich. In den vergangenen beiden Jahren wurden viele Studien zudem durch die Coronapandemie verzögert.

    Zolbetuximab: So wirkt das neue Magenkrebsmittel

    Zolbetuximab setzt an einem Protein namens Claudin18.2 an, das bei einigen Krebsarten gehäuft auftritt. Es eignet sich daher als potenzielle Zielstruktur, an der Krebsmedikamente angreifen können, ohne gesundes Gewebe zu stark zu beinträchtigen.

    Die Biontech-Gründer Sahin und Türeci wollten mit ihrer Firma Ganymed solche tumorspezifischen Angriffspunkte identifizieren. Sie waren die Ersten, die Claudin18.2 als mögliches Angriffsziel für Krebsmedikamente identifizierten.

    Mittlerweile laufen weltweit rund zwei Dutzend klinische Projekte, die auf dieses Molekül abzielen. Neben den Pharmakonzernen Astellas und Amgen sind auch viele Biotech-Unternehmen engagiert, darunter Biontech selbst. Das Mainzer Unternehmen arbeitet sowohl an einem Antikörper als auch an einer Zelltherapie, die an dem Protein ansetzt.

    Bei Zulassung winken den Biontech-Gründern Millionen Euro

    Eine Zulassung für das von Ganymed erforschte Krebsmittel könnte den früheren Ganymed-Besitzern in den nächsten Jahren einen Zuschlag in mehr als doppelter Höhe einbringen. Denn es rücken erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 860 Millionen Euro in Reichweite, die Astellas über den direkt fälligen Kaufpreis hinaus zugesagt hatte.

    Die MIG-Fonds waren mit rund acht Prozent an Ganymed beteiligt und haben in gleichem Umfang Anspruch auf die Meilensteinzahlungen. Etwa 90 Prozent stehen dem Family-Office der Familie Strüngmann als früherem Hauptinvestor von Ganymed zu.

    Erstpublikation: 24.11.2022, 12:45 Uhr.

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