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15.07.2019

16:44

Pharmakonzern

Boehringer verstärkt mit Übernahme seinen Kampf gegen „kalte“ Tumore

Von: Siegfried Hofmann

Boehringer Ingelheim übernimmt die Schweizer Biotechfirma Amal Therapeutics. Damit erweitert der Konzern seine Forschung auf dem Feld der Immuntherapien gegen Krebs.

Mit dem Kauf von Amal erwirbt Boehringer nun Rechte an einer speziellen Impftechnologie auf der Basis von Peptiden und Proteinen. obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH

Boehringer Ingelheim

Mit dem Kauf von Amal erwirbt Boehringer nun Rechte an einer speziellen Impftechnologie auf der Basis von Peptiden und Proteinen.

Frankfurt Mit der Übernahme der Schweizer Biotechfirma Amal Therapeutics verstärkt der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sein Engagement in der Krebsforschung. Das Ingelheimer Familienunternehmen zahlt für die Akquisition bis zu 325 Millionen Euro, wobei ein größerer Teil der Summe in Abhängigkeit von definierten Erfolgen in der Forschung und Entwicklung fällig wird.

Mit der Technologie von Amal erweitert Boehringer vor allem seine Forschung auf dem boomenden Feld der Immuntherapien gegen Krebs. Bereits Anfang Mai hatte der Konzern eine Entwicklungs-Kooperation mit Amal vereinbart.

Wirkstoffe, die Immunreaktionen gegen Tumorzellen auslösen oder verstärken, sorgten in den letzten Jahren für Furore. Boehringer – mit 17,5 Milliarden Euro Umsatz der zweitgrößte deutsche Pharmahersteller nach Bayer – ist auf diesem Feld mit eigenen Produkten bisher noch nicht vertreten, verfolgt aber ehrgeizige Ambitionen in dem Bereich.

So zielen die Ingelheimer vor allem darauf, mit einer zweiten Generation von Immunwirkstoffen mittelfristig Anschluss an die führenden Akteure auf dem Feld wie Merck & Co, Bristol-Myers Squibb, Roche und Astra-Zeneca zu finden.

Bereits im vergangenen Jahr erwarb das Unternehmen im Zuge dieser Strategie die Wiener Firma Vira Therapeutics, die an sogenannten onkolytischen Viren arbeitet. Dabei handelt es sich um Viren, die speziell Krebszellen attackieren und auf diesem Wege ebenfalls Immunreaktionen gegen Tumore verstärken sollen.

Mit dem Kauf von Amal erwirbt Boehringer nun Rechte an einer speziellen Impftechnologie auf der Basis von Peptiden und Proteinen. Mit Hilfe dieser Impfstoffe, so die Hoffnung, könnte es gelingen, aus „kalten“ Tumoren „heiße“ Tumore zu machen, bei denen bereits gewisse Entzündungsprozesse und damit Immunreaktionen stattfinden. Denn die bisherigen Immuntherapien wirken meist nur bei solchen Tumoren, die bereits in gewissem Grade von Immunzellen infiltriert sind.

„Die Übernahme von Amal ist Teil der langfristigen Unternehmensstrategie, unsere Position als Wegbereiter für neuartige Krebstherapien, zum Beispiel in der Immunonkologie, weiter auszubauen, indem wir uns bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckungen und deren Anwendungen zunutze machen“, erklärte Boehringer-Forschungschef Michel Pairet. Boehringer wolle Vorreiter bei der Entwicklung neuer biologischer Therapien für Krebspatienten sein. „Die Technologien und Expertise, die bei Amal entwickelt wurden, sind dafür ein entscheidender Beitrag.“

Die Projekte von Amal befinden sich bisher noch durchweg in der frühen Forschungsphase. Das führende Entwicklungs-Produkt von Amal, ein Proteinwirkstoff mit der Bezeichnung ATP128, will Boehringer nun aber in Kombination mit einem eigenen Krebsimmun-Wirkstoffkandidaten auch in die klinische Testphase bringen und bei Patienten mit Darmkrebs erproben. Diese Studien sollen noch im Juli anlaufen.

Amal Therapeutics ist 2012 als Ausgründung aus der Universität Genf entstanden. Zu den ersten Investoren gehörte damals bereits der Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF). Er war neben Helsinn Investment, VI Partners, Schroder Adveq und dem High-Tech Gründerfonds auch einer der Geldgeber bei der letzten Finanzierungsrunde, mit der Amal im vergangenen November rund 29 Millionen Euro eingenommen hatte.

Mehr: Boehringer Ingelheim kooperiert mit koreanischer Pharmafirma – und zahlt 870 Millionen Dollar. Im Fokus der Zusammenarbeit steht die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Lebererkrankungen.

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