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03.12.2018

16:38

Pharmaunternehmen

Ehemaliger Takeda-Direktor will Übernahme von Shire verhindern

Von: Martin Kölling

Teile der Gründerfamilie des Pharmakonzerns wollen die größte Firmenübernahme in der japanischen Geschichte kippen. Sie sei ein zu großes Risiko.

Der Konzern müsste für die Übernahme von Shire seine Verbindlichkeiten auf 48 Milliarden US-Dollar aufblähen, um den Deal zu finanzieren. Reuters

Takeda

Der Konzern müsste für die Übernahme von Shire seine Verbindlichkeiten auf 48 Milliarden US-Dollar aufblähen, um den Deal zu finanzieren.

TokioGraues Haar, steife Positur – Kazuhisa Takeda ist kein typischer Aktionärsaktivist. Bisher genoss das Mitglied der alten japanischen Unternehmerdynastie Takeda in aller Ruhe die Dividenden des gleichnamigen Pharmakonzerns. Doch der Plan von Takedas neuem französischem Chef Christophe Weber, für 62 Milliarden US-Dollar den irischen Rivalen Shire zu übernehmen, hat den Ruheständler in einen Widerstandskämpfer verwandelt.

Mit seiner Gruppe „Thinking of Takeda’s Bright Future“ will der ehemalige Takeda-Direktor am Mittwoch auf Takedas außerordentlicher Aktionärsversammlung den sicher geglaubten Deal doch noch kippen. Natürlich ist es verlockend, durch den Zukauf auf einen Schlag vom 16. Platz unter die zehn größten Pharmakonzerne der Welt aufzusteigen.

Der Umsatz des neuen Takeda würde mehr als 30 Milliarden US-Dollar betragen. Aber seine Gruppe sei „definitiv dagegen“, sagte Takeda im Klub der Auslandskorrespondenten. „Das finanzielle Risiko ist zu groß, der Nutzen zu gering.“

Tatsächlich ist die Kaufsumme nicht nur höher als Shires Marktkapitalisierung. Vor allem übersteigt sie Takedas Wert. Der Konzern muss daher seine Verbindlichkeiten auf 48 Milliarden US-Dollar aufblähen, um den Deal zu finanzieren. Dadurch verdoppelt sich die Verschuldungsrate auf den sechsfachen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), kalkuliert Moody’s. Die Ratingagentur hat bereits angedroht, Takedas Kreditwürdigkeit zu senken.

Das Takeda-Management hat zwar jüngst versprochen, Sparten für zehn Milliarden US-Dollar zu verkaufen, um die Verschuldung zu senken. Aber das ist für die Rebellen nur Kosmetik. Sie warnen, dass hohe Abschreibungen auf den Goodwill drohten. Denn einem von Shires wichtigsten Medikamenten für Bluter drohe Konkurrenz des Rivalen Roche.

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Lange hatte sich der irische Pharmahersteller gesträubt, doch jetzt gibt es eine Einigung mit Takeda. Die Japaner legen noch ein paar Milliarden mehr auf den Tisch.

Bislang fanden die Rebellen kaum Gehör. Auf der Hauptversammlung im Juni erreichte die Gruppe nur zehn Prozent. Aber nun wird die Abstimmung um die sichergeglaubte größte Firmenübernahme der japanischen Geschichte noch einmal spannend. Denn vorigen Monat überzeugte die Rentnergang den letzten Takeda an der Firmenspitze, den legendären Kunio Takeda, sich gegen die Übernahme zu stellen.

Mit Kunio Takedas Segen hofft die Gruppe nun auf bis zu 25 Prozent der Stimmen, vor allem von alten Takeda-Mitarbeitern und Retail-Investoren.

Das reicht zwar noch nicht. Ein Drittel der Stimmen ist für ein Veto notwendig. Doch die Gruppe klammert sich an den Traum, dass einige japanische Großinvestoren ihre Meinung vielleicht doch noch ändern. Die halten 31 Prozent der Aktien. 35 Prozent werden von ausländischen Anlegern kontrolliert.

Für viele Investoren wäre eine Niederlage Webers eine Tragödie. „Das ist ein sehr guter Deal“, so Stephen Barker von CLSA Securities Japan. Erstens würde Takeda den Umsatzanteil des lukrativen US-Markts von 34 auf 50 Prozent erhöhen. Zweitens braucht Takeda globale Reichweite, um in der forschungsintensiven Pharmaindustrie in der Weltspitze mitzuspielen. „Japans Pharmamarkt wächst nicht mehr“, urteilt Barker, „das Beste ist, ins Ausland zu gehen.“

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