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01.04.2022

11:17

Projekt „Software X“

Opel-Mutter Stellantis baut Software-Einheit in Rüsselsheim auf

Von: Franz Hubik

In Rüsselsheim will Opel mehr als hundert Stellen für Softwareingenieure schaffen, die KI und Vernetzung weiterentwickeln sollen. Bestandsjobs dürften aber wegfallen.

Mutterkonzern Stellantis will Teile der Softwareentwicklung in Rüsselsheim ansiedeln. imago images/Hoffmann

Opel-Stammsitz in Rüsselsheim

Mutterkonzern Stellantis will Teile der Softwareentwicklung in Rüsselsheim ansiedeln.

München Bei der digitalen Vernetzung seiner Fahrzeuge gilt Opel bisher eher als Nachzügler in der Autoindustrie. Um die Lücke zur Konkurrenz zu schließen, wollen die Hessen aber nun über ihren Mutterkonzern Stellantis das Entwicklungstempo teils um das Zwanzigfache erhöhen.

Dafür paktiert der viertgrößte Fahrzeughersteller der Welt einerseits mit Tech-Riesen wie Amazon und Foxconn. Andererseits rüstet Stellantis selbst massiv auf. Allein binnen der nächsten zwei Jahre will der 14 Marken umfassende Autokoloss ein Team von 4500 Softwareingenieuren zusammenstellen. Bei dem intern „Software X“ getauften Vorhaben sollen rund um den Globus mehrere Digital-Hubs entstehen. Einer davon ist am Stammsitz von Opel geplant.

„Im Rahmen der Softwarestrategie von Stellantis bauen wir in Rüsselsheim gerade eine der weltweit geplanten Softwareeinheiten Software X auf“, kündigte Opel-Personalchef Ralph Wangemann in einer internen Mitarbeiterbotschaft am 14. März an. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor. Demnach werden in Rüsselsheim „kluge Köpfe“ gesucht, die Software coden, Connectivity-Lösungen entwickeln und an Künstlicher Intelligenz forschen.

Aktuell gebe es bereits mehr als zwei Dutzend Stellenangebote, auf die sich Opel-Mitarbeiter bewerben könnten. „Viele weitere werden folgen“, bekundet Wangemann. „Schauen Sie nach, vielleicht finden Sie dort eine spannende Aufgabe für sich.“

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Standort erkennen

    Das Angebot sei breit gefächert. Gesucht würden unter anderem Testingenieure für die Validierung von Steuergeräten und Softwareplattformen. Aber auch Projekt- und Teamleiter wären gefragt, die sich um die Fahrzeugsystemintegration kümmern.

    Softwareentwicklung als Teil der Ausbildung

    „Der Aufbau einer Softwareeinheit in Rüsselsheim wird von uns bereits seit längerem vorangetrieben. Das Team wird ein wesentlicher Bestandteil der globalen Softwareorganisation von Stellantis sein und wir stärken damit den Standort Rüsselsheim“, erklärte ein Stellantis-Sprecher.

    Allein 2022 will der Konzern offenbar mehr als hundert neue Stellen im Zuge des Projekts „Software X“ in Rüsselsheim schaffen. In einer Rundmail des Opel-Betriebsrats dazu heißt es: „Für dieses Jahr sollen zunächst Stellen im unteren dreistelligen Bereich entstehen.“ Die Arbeitnehmervertreter haben laut eigenem Bekunden darauf hingewirkt, dass die neue Einheit nicht nur an Stellantis-Softwarechef Yves Bonnefont berichtet, sondern auch direkt an die Opel-Geschäftsführung angebunden ist.

    >> Lesen Sie dazu: „Schneller unterwegs“: Wie Stellantis dank Alexa an VW vorbeiziehen könnte

    Die Betriebsräte hätten den Aufbau der neuen Softwareorganisation „stark unterstützt“. Gleichwohl seien künftig weitere Investitionen vonnöten. „Um technologisch nicht im Abseits zu landen, wird auch mittelfristig ein weiterer Stellenaufbau folgen müssen“, konstatierten die Gewerkschafter. „Deshalb fordern wir zudem die Verankerung der Softwareentwicklung als neuen Schwerpunkt im Rahmen unserer Berufsausbildung für Facharbeiterinnen und dual Studierende gleichermaßen.“

    Darüber hinaus wollen die Betriebsräte mit dem Opel-Management „zeitnah“ über Qualifizierungsprogramme beraten, damit die Firma nicht nur neue Leute einstellt, sondern auch auf bestehendes Personal zurückgreift. Arbeitsdirektor Wangemann betont, dass man als Opel-Ingenieur durchaus „Karriere bei Stellantis machen kann“.

    Viele Kompetenzen der Opel-Entwickler werden nicht mehr gebraucht

    Intern teilen einige diese Einschätzung nicht. Der Aufbau eines Software-Hubs in Rüsselsheim sei zwar ein positives Signal. „Aber das ist kein Ersatz für die Arbeitsplätze, die in der herkömmlichen Fahrzeugentwicklung wegfallen“, moniert eine Führungskraft. Längst würden „erhebliche“ Arbeitsumfänge aus dem Rüsselsheimer Entwicklungszentrum – dem vormaligen ITEZ und nunmehrigen Technical Center Central Europe – an günstigere Standorte wie Marokko verlagert.

    Zudem dürften viele der einst für die Entwicklung in Rüsselsheim angekündigten 15 Kompetenzzentren bald obsolet werden. Manuelle Schaltgetriebe sterben aus. Der Bedarf für Neuerungen bei der Kraftstoffversorgung erübrigt sich wohl mit der vollständigen Elektrifizierung der Opel-Flotte bis 2028 in Europa. Und bei der Fahrzeugentwicklung für den US-Markt haben andere Stellantis-Marken weit mehr Know-how.

    In Summe, so fürchten nicht wenige bei Opel, könnten trotz der neuen Softwareoffensive in Rüsselsheim in den kommenden Jahren mehr Stellen abgebaut als neue geschaffen werden.

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