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26.02.2019

17:51

PSA-Tochter

Opel macht wieder Gewinn – doch etliche Baustellen bleiben

Von: Thomas Hanke, Franz Hubik

PSA-Chef Carlos Tavares verschärft den Ton gegenüber der IG Metall. Weltweit zielt er aus einer starken Position auf Expansion.

PSA: Opel macht erstmals seit 20 Jahren wieder Jahresgewinn Reuters

Opel im Aufwind

Opel-Chef Michael Lohscheller (links) und PSA-Konzernchef Carlos Tavares ist der Turnaround der Marke gelungen.

Paris, MünchenCarlos Tavares ist einer der erfolgreichsten Automanager der Welt. Doch einen Preis für rücksichtsvolle Rhetorik wird der PSA-Chef wohl nie gewinnen. „Wir müssen darwinistisch sein, es geht nur um Leistung – entweder wir passen uns an, oder wir verschwinden“, formulierte der Frankoportugiese sein Credo, bevor er am Dienstag die sehr guten Ergebnisse für 2018 und den Ausblick kommentierte.

Eine Gewinnmarge von 8,7 Prozent (PSA ohne Opel-Vauxhall) ist für einen Autohersteller ein exzellentes Resultat, und auch die 4,7 Prozent von Opel-Vauxhall sind ein überraschend guter Wert. Der Ausblick für die Jahre bis 2021 ist vorsichtiger: Im Schnitt erwarte er eine Marge von mindestens 4,5 Prozent. „Wir werden versuchen, besser zu sein“, versicherte der CEO.

Die guten Ergebnisse erklären sich aus der Hochpreispolitik, die zu Tavares’ strategischen Instrumenten zählt, und der Senkung variabler sowie fixer Kosten. Bei Opel gehen die Franzosen mit der Machete zu Werk: Sie haben die Produktionskosten um 367 Millionen Euro gesenkt, das sind in nur 17 Monaten fast zwei Drittel des Wertes, den PSA von 2015 bis 2018 geschafft hat. Der Anteil der Lohnsumme am Umsatz wurde von 15,2 auf 12,6 Prozent gedrückt und soll 2021 bei zehn Prozent sein.

Bei Opel beklagen sich die Mitarbeiter über ein raues Klima. Das Unternehmen kämpft in seinem Entwicklungszentrum ITEZ in Rüsselsheim mit hohen Überkapazitäten. Um diese abzubauen, will Opel 2 000 von 7 000 Ingenieuren an den französischen Entwicklungsdienstleister Segula auslagern. Mehrfach demonstrierten Hunderte Beschäftigte gegen den „Ausverkauf“ bei Opel. Die Vertrauensleute der IG Metall lehnen den Deal mit Segula geschlossen ab.

Tavares platzte am Dienstag der Kragen: „In 38 Jahren in der Autoindustrie habe ich noch nie erlebt, dass Gewerkschaften sich gegen den Erhalt von Jobs wenden, aber hier ist es so.“ Man habe einen Plan auf den Tisch gelegt, der trotz des Wegfalls der Aufträge von General Motors 2 000 Stellen durch den Übergang zu Segula sichere, mit finanziellen Garantien – aber die IG Metall lehne ab.

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Der PSA-Chef hofft, dass die Streitparteien in der Einigungsstelle, in der Gewerkschafter und Opel-Manager strittige Themen beraten, eine gütliche Lösung finden.

Opel plant zudem, die Produktion in Rüsselsheim wegen der schwachen Nachfrage nach den dort gefertigten Modellen deutlich zu drosseln. Der Konzern erwägt, von einem Zwei- auf einen Einschichtbetrieb an seinem Stammsitz umzustellen. Sogar Kurzarbeit steht im Raum. „Reine Spekulation“, meint ein Opel-Sprecher dazu. Viele Fachkräfte haben Opel nach der Übernahme von PSA im Sommer 2017 bereits verlassen. „Wir sehen einen Exodus in allen Bereichen“, heißt es in Konzernkreisen.

Tavares schlägt einen härteren Ton an als zu Anfang – keine Rede mehr davon, dass Opel alle Entscheidungen selbst treffe. Feste Zusagen für die Werke in Deutschland erwähnt er nicht mehr. „Mehr Europa ist der beste Weg, wir gehen aus einem nationalistischen Ansatz raus.“ Design, Styling und Engineering würden in Rüsselsheim gemacht, aber die Autos dort produziert, wo die Qualität am besten und die Kosten am günstigsten seien.

Eine Chance für Opel ist die Rückkehr auf den russischen Markt, von dem sich die Firma unter GM 2015 zurückgezogen hatte. Die Expansion in Russland ist Teil einer Offensive, die Tavares für 2019 in den Blick nimmt: Die Marke mit dem Blitz soll nach Russland, der Löwe von Peugeot springt nach Nordamerika, und Citroën soll in Indien angreifen.

Was die USA angeht, ist der Zeitpunkt angesichts der von Präsident Donald Trump angedrohten Zölle auf EU-Autos nicht der günstigste. Tavares will Klarheit gewinnen, „danach werden wir unser Geschäftsmodell überprüfen und möglicherweise anpassen“. Doch loslegen will er auf jeden Fall, anfangs mit Autos aus China und Europa. In Indien habe PSA bereits Fabriken für Motoren und Getriebe sowie ein Autowerk.

PSA ist stark vom europäischen Markt abhängig: Vier von fünf Autos weltweit werden hier verkauft. Das erwartete Stagnieren des europäischen Markts ist deshalb ein Problem für PSA, doch ließ Tavares nicht erkennen, wie er gegenhalten will. Er sagte lediglich, dass der Break-even-Point der Werke um 50 Prozent gesenkt worden sei. PSA könnte also wohl ohne Entlassungen eine Durststrecke überstehen.

Der Absatz in China war erneut rückläufig. „Wir sind unzufrieden mit der Lage dort“, räumte Tavares ein. In dieser Situation und angesichts von Marktschwäche in neue Absatzgebiete zu gehen ist verständlich, aber riskant.

Über genügend Cash verfügt Tavares: Neun Milliarden Euro hat er in der Kasse. Anders als früher kündigte er an, dass PSA Chancen für externes Wachstum ergreifen werde, wenn sie sich ergeben. Pläne für eine Kooperation bei Mobilitätsdienstleistungen wie die von BMW und Daimler gebe es nicht, sagte Finanzchef Philippe de Rovira.

Mehr: Der Peugeot 208 wird elektrisch – und dürfte die Konkurrenz vom Start weg übertrumpfen. Opel dürfte besonders interessiert auf die Premiere schauen. Lesen Sie hier mehr.

Kommentare (2)

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Herr Andre Peter

26.02.2019, 09:17 Uhr

Herzlichen Glückwunsch allen Opel Mitarbeitern zum Gewinn!
Die Marke Opel nach Russland zu bringen ist eine hervorragende Unternehmensstrategie!
Der Mutterkonzern PSA zeigt, dass er nicht nur fähig ist Gewinne bei Opel zu erzielen und damit auch die gut bezahlten Jobs in der Automobilindustrie mit den Metalltariflöhnen zu sichern, PSA zeigt auch eine richtig gute Zukunft für Opel mit der Expansion nach Russland auf.

Frau Susanne Margit

26.02.2019, 13:03 Uhr

Ist Opel mittlerweile auch in China aktiv? Bei GM durften sie nicht.

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