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30.10.2019

08:43

Quartalsergebnis

VW demonstriert Stärke – Gewinn legt deutlich zu

Von: Stefan Menzel

Volkswagen profitiert vom SUV-Boom und kann Umsatz und Gewinn im dritten Quartal deutlich steigern. Nur ein Ziel muss der Konzern kassieren.

Weltpremiere

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Weltpremiere: Wie der neue Golf 8 zur Elektrowende bei VW beitragen soll

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Düsseldorf Der Volkswagen-Konzern schafft es erneut, sich vom negativen Markttrend in der Automobilindustrie abzukoppeln. Im Unterschied zu anderen Fahrzeugherstellern und großen Zulieferern gibt es keine Gewinnwarnung aus Wolfsburg mit der Bilanz zum dritten Quartal.

Der VW-Konzern hat nach neun Monaten vielmehr wichtige Kennzahlen wie Umsatz, operativen Gewinn und das Vorsteuerergebnis deutlich steigern können. Schon während des gesamten Jahresverlaufs hatte sich der Wolfsburger Autohersteller vom Negativtrend der Automobilbranche abgekoppelt.

Nur in einem Punkt rückt der VW-Konzern von seinem bisherigen Ausblick für das gesamte Jahr ab: Wegen der weltweit eingetrübten Automobilkonjunktur nimmt Volkswagen das bislang angekündigte Absatzziel zurück. Bislang hatte der Konzern einen leichten Anstieg der Verkaufszahlen versprochen. „Die Fahrzeugmärkte in vielen Weltregionen werden schneller als bislang erwartet zurückgehen“, teilte VW am Mittwoch mit. Deshalb kalkuliere der Autohersteller nun damit, in etwa das Absatzergebnis des Vorjahres zu erreichen. Das wären knapp elf Millionen Fahrzeuge.

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An den Jahresprognosen für Umsatz und Ergebnis hält der VW-Konzern trotzdem fest. Demnach werden die Umsatzerlöse um bis zu fünf Prozent über dem Vorjahreswert von 235 Milliarden Euro liegen. Ohne Sondereinflüsse – vor allem aus der Dieselaffäre – werde die operative Umsatzrendite im Bereich zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen.

2018 hatte der VW-Konzern 7,3 Prozent geschafft. Dass Umsatz- und Ertragskennziffern trotz stagnierender Verkaufszahlen noch steigen werden, geht im Wesentlichen darauf zurück, dass Volkswagen mehr Autos mit höherem Ertragsanteil verkauft. Der Konzern profitiert dabei von seinen vielen neuen SUV, die teurer verkauft werden können als konventionelle Pkw.

Dieselaffäre ist fast bewältigt

Dieser SUV-Effekt sorgt auch schon in den ersten neun Monaten dieses Jahres dafür, dass der VW-Konzern wesentliche Unternehmenskennzahlen steigern konnte. Volkswagen hat den Gewinn kräftig gesteigert: Das operative Ergebnis verbesserte sich im Zeitraum von Januar bis September um fast ein Viertel auf 13,5 Milliarden Euro.

Der VW-Konzern profitiert dabei auch von einer Neuregelung in der Rechnungslegung. Etwa 500 Millionen Euro kommen beim operativen Ergebnis durch eine Neubewertung von Finanzinstrumenten (Derivate) hinzu. Der Umsatz erhöhte sich in diesem Jahr bislang um knapp sieben Prozent auf 186,6 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern stieg von 12,5 auf 14,6 Milliarden Euro.

Zur Bewältigung der Dieselaffäre hat VW in diesem Jahr weitere 1,3 Milliarden Euro zurückgelegt. Insgesamt schlägt der Abgasskandal bislang mit mehr als 30 Milliarden Euro zu Buche. Das dürfte noch nicht das Ende sein. Volkswagen drohen weitere Belastungen, weil inzwischen Hunderttausende von betroffenen Dieselkunden in Deutschland und Europa Schadensersatz einklagen. Bislang hatte es nur in Nordamerika Entschädigungszahlungen für Dieselkäufer gegeben.

„Der Volkswagen-Konzern behauptet sich gut in einem herausfordernden Marktumfeld. Die Entwicklung in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres stimmt uns zuversichtlich, dass wir unsere Jahresziele 2019 erreichen werden“, sagte Finanzvorstand Frank Witter am Morgen in einer ersten Stellungnahme. Eine kontinuierliche Verbesserung der Ertragskraft sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, die anstehende Transformation „aus eigener Kraft“ zu stemmen.

Bis zum Jahr 2023 will der VW-Konzern rund 30 Milliarden Euro für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte ausgeben. Weitere 14 Milliarden Euro schlagen für Digitalisierung, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste zu Buche. Mit dem massiven Einstieg in die Elektrifizierung vom kommenden Jahr an dürfte die VW-Bilanz künftig deutlicher belastet werden.

Audi fällt negativ auf

Unter den einzelnen Konzernmarken fällt vor allem die Ingolstädter Premiumtochter Audi negativ auf. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Absatzzahlen in den ersten drei Quartalen von 1,1 Millionen auf 900.000 Autos gefallen. Das führte in der Folge zu einem Umsatzrückgang von 44,3 auf 41,3 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite liegt in Ingolstadt bei 7,7 Prozent. Im gesamten Jahr 2018 waren es noch 7,9 Prozent. Audi steht vor einer umfassenden Restrukturierung. Die VW-Tochter hat besondere Probleme mit der weiteren Auslastung der großen eigenen Werke in Neckarsulm und Ingolstadt.

Deutlich besser entwickeln sich die Geschäfte hingegen bei der Kernmarke VW, bei Porsche und bei Skoda. Bei Volkswagen sind die Umsätze nach neun Monaten um 4,7 Prozent auf 65,4 Milliarden Euro gestiegen. Das operative Ergebnis vor den Diesellasten kletterte von 2,3 auf 3,2 Milliarden Euro. Die operative Umsatzrendite liegt damit bei 4,9 Prozent (gesamtes Jahr 2018: 3,8 Prozent).

Porsche gehört unverändert zu den ertragsstärksten Automobilherstellern der Welt. Die Stuttgarter Sportwagentochter hat ihren Umsatz nach neun Monaten von 17,5 auf 18,7 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis ohne Diesellasten liegt unverändert bei 3,2 Milliarden Euro, die operative Umsatzrendite bei 17,1 Prozent.

Aus Konzernsicht laufen auch die Geschäfte bei der tschechischen Konzerntochter Skoda weiterhin gut. Der Umsatz in Mlada Boleslav ist in den ersten drei Quartalen um 17,6 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro gestiegen. Das operative Ergebnis hat sich leicht um 92 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro verbessert. Die Umsatzrendite liegt bei 8,1 Prozent – und damit höher als bei der Premiummarke Audi. Nach jahrelangen Verlusten setzt sich die spanische Tochter Seat in der Gewinnzone fest. Ein operativer Ertrag von 248 Millionen Euro bedeutet in Barcelona eine operative Rendite von 2,8 Prozent.

„Volkswagen hat einen großen versteckten Unternehmenswert“, sagte Evercore-Analyst Arndt Ellinghorst. Der Wolfsburger Autokonzern setze Innovationen schneller um als die meisten Wettbewerber. Insbesondere beim Wechsel zur Elektromobilität besitze der VW-Konzern große Vorteile. Volkswagen müsse am Ende nur noch disziplinierter bei den Kosten werden. Der Konzern will bei der Forschungs- und Entwicklungskostenquote eigentlich eine Marke von sechs Prozent erreichen. Nach neun Monaten ist diese Quote im Vorjahresvergleich von 6,6 auf 6,8 Prozent gestiegen. 

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