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15.08.2019

10:30

Rohstoffindustrie

K+S profitiert von steigenden Düngerpreisen

Von: Maike Telgheder

Nach Produktionsstopps im vergangenen Jahr kann der MDax-Konzern seine Absatzmengen wieder erhöhen. Für das Gesamtjahr wird weiterhin ein deutlicher Gewinnanstieg erwartet.

Ein K+S-Mitarbeiter steht im hessisch-thüringischen Kalirevier neben dem Schachtbecken mit der Tauchpumpe in rund 700 Meter Tiefe. dpa

Unterirdischer Speicher für K+S

Ein K+S-Mitarbeiter steht im hessisch-thüringischen Kalirevier neben dem Schachtbecken mit der Tauchpumpe in rund 700 Meter Tiefe.

Frankfurt Höhere Produktionsmengen und gestiegene Preise für Düngemittel haben beim MDax-Konzern K+S im zweiten Quartal für einen zweistelligen Ergebnisanstieg gesorgt. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 24 Prozent auf 130 Millionen Euro. Damit verfehlte K+S zwar leicht die Erwartung der Analysten.

Markus Mayer von der Baader Bank wertet aber positiv, dass der Free-Cash-Flow des Unternehmens deutlich höher als erwartet ausgefallen ist. „Das dürfte die Märkte beruhigen“, so der Analyst in einer ersten Einschätzung.

Kurz nach Eröffnung der Börsen notierten die Aktien von K+S mit 14,10 Euro bereits mehr als drei Prozent höher als am Vortag. In den vergangenen Wochen hatte der Aktienkurs von K+S stark gelitten – unter anderem wegen der unsicheren Konjunkturaussichten.

Dass der Gewinnzuwachs so hoch ausfällt, ist auch einem schwachen Vorjahresquartal geschuldet. Verschiedene Probleme in der Kaliproduktion hatten K+S im vergangenen Jahr sogar einen Verlust im zweiten Quartal eingebracht. Auch im gesamten Jahr blieb der Konzern unter seinen ursprünglich ausgegebenen Zielen.

Am Donnerstag engte der Vorstandsvorsitzende die Bandbreite der Prognose auf 730 bis 830 Millionen Euro ein. Während Lohr positive Währungseffekte erwartet, dämpft eine Verlängerung einer geplanten Produktionsunterbrechung im kanadischen Bethune-Werk die Stimmung, wo Instandhaltungsarbeiten gemacht werden müssen.

Insgesamt aber werden die Anbieter im Kali-Markt bei ihren Prognosen vorsichtiger: Zuletzt hatte Marktführer Nutrien, der aus dem Zusammenschluss der kanadischen Kaliproduzenten Potash und Agrium entstanden ist, eine gedämpftere Nachfrage nach Kaliumchlorid vorausgesagt: Zum einen ist die Saison in der US-Landwirtschaft wetterbedingt deutlich schlechter ausgefallen als gedacht.

Zudem hat China, eines der Hauptabnehmerländer, wegen hoher Lagerbestände einen temporären Importstopp für Kaliumchlorid bis September verhängt. Davon ist K+S zwar nicht direkt betroffen, weil das Unternehmen nur kleine Mengen nach China liefert.

Aber der Importstopp konnte sich negativ auf die noch ausstehenden Preisverhandlungen der neuen Kaliverträge mit China auswirken, was dann eine Signalwirkung auch für andere Vertragsverhandlungen haben könnte.

Dieses Jahr wohl keine Produktionsstillstände wegen Trockenheit

Bislang ist das Preisumfeld für K+S mit seinen Hauptabnehmerregionen Europa und Südamerika positiv. Nachdem sich die Überseepreise für Kaliumchlorid im Jahresverlauf 2018 deutlich erholt haben, waren laut K+S im ersten Halbjahr 2019 auch die Preise für Düngemittelspezialitäten nachgezogen.

Insgesamt steigerte K+S im zweiten Quartal den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 879 Millionen Euro und rechnet für das Gesamtjahr mit einer moderaten Steigerung des Umsatzes von zuletzt vier Milliarden Euro.

Die größte Sparte Landwirtschaft, in der die Düngemittelaktivitäten zusammengefasst sind, wuchs im zweiten Quartal um 15 Prozent auf 440 Millionen Euro, das Ebitda stieg um knapp die Hälfte auf 95 Millionen Euro.

Zuwächse gab es auch im Geschäft mit Salzen für Verbraucher, etwa Salz zum Würzen und Kochen sowie Geschirrspülsalz, sowie im Industriesegment. Saisonal bedingt ist das zweite Quartal das schwächste des Unternehmens, was unter anderem am wetterabhängigen Geschäft mit Auftausalzen liegt.

Der Ergebniszuwachs sorgt dafür, dass K+S seinen Free-Cash-Flow, der im Vorjahresquartal noch negativ war, um rund 150 Millionen Euro auf 102 Millionen Euro steigern konnte. So konnte die Verschuldung im Vergleich zum Jahresende 2018 um 348 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro gesenkt werden.

Der Verschuldungsgrad gerechnet in Nettofinanzverbindlichkeiten im Verhältnis zum Ebitda wurde damit seit Ende Dezember 2018 vom 5,3-Fachen auf das 4,4-Fache reduziert. K+S sieht sich auf einem guten Weg, den Verschuldungsgrad gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 (5,6-fach) wie beabsichtigt bis Ende 2020 zu halbieren.

Die hohe Verschuldung von K+S ist vor allem auf das 2017 fertiggestellte Kaliwerk Bethune in Kanada zurückzuführen – die mit mehr als drei Milliarden Euro größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte von K+S.

Das Risiko für Produktionsstillstände wegen Trockenheit im deutschen Kaliwerk Werra schließt K+S in diesem Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit aus. Vor wenigen Tagen wurde der Betrieb eines Zwischenspeichers genehmigt, der große Mengen salzhaltiger Produktionsabwässer aufnehmen kann.

Im vergangenen Jahr konnte der Konzern wegen des niedrigen Wasserstands der Werra seine Abwässer nicht in ausreichendem Umfang über den Fluss entsorgen, was zu wochenlangen Produktionsunterbrechungen und einer hohen Belastung für das Ergebnis führte.

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