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14.11.2019

14:00

Rüstungsgeschäfte

Milliardenauftrag aus Katar – Schmierte KMW einen katarischen General?

Von: Sönke Iwersen, Martin Murphy, Lars-Marten Nagel , Christopher Gilb

Der Münchener Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann schweigt beharrlich über seltsame Provisionszahlungen nach Katar. Nun wird mehr über den Empfänger bekannt.

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„Wir haben im Fall Krauss-Maffei Wegmann wichtige Hinweise bekommen“

Handelsblatt Live: „Wir haben im Fall Krauss-Maffei Wegmann wichtige Hinweise bekommen“

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Zug, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin Es ist ein ungewöhnlich warmer Oktobermorgen, an dem drei Richter des Kantongerichts Zug ihre Verhandlung eröffnen. Der Gerichtssaal wirkt klein, bietet jedoch Platz genug für das öffentliche Interesse an dem Fall. Nur neun Personen sind in den Raum mit der breiten Fensterfront gekommen, in dem bisher geheime Details eines zwei Milliarden Euro schweren Rüstungsgeschäfts erörtert werden.

Wenn es stimmt, was ein Jurist vorträgt, hat der deutsche Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) rund 100 Millionen Euro bezahlt, um die Bestellung von 62 Leopard-Panzern, 24 Haubitzen und anderem schweren Gerät zu ergattern. Die Provision in Höhe von fünf Prozent des Gesamtvolumens floss an eine Firma mit mächtigen Hintermännern: Kingdom Projects, ansässig in Straße 361, Gebäude 226 im Stadtteil Fereej Bin Omran von Doha.

Ein Gesellschafter der Kingdom Projects soll laut dem französischen Nachrichtenportal „Intelligence Online“ Scheich Ahmed Nasser Al-Thani sein: ein Brigadegeneral und stellvertretender Stabschef des katarischen Militärgeheimdienstes. Damit steht ein böser Verdacht im Raum: Schmierte Krauss-Maffei Wegmann einen katarischen General? Das Unternehmen weist solche Vorwürfe von sich.

Unbestritten ist der Einfluss Al-Thanis im Wüstenstaat. Er ist Teil der weitverzweigten Familie des Emirs und wurde international umgarnt. Als der deutsche Krauss-Maffei-Konzern seine Leopard-2-Panzer nach Katar verkaufen wollte, bot der französische Konkurrent Nexter sein Modell Leclerc an.

Die französische Botschaft ernannte den Scheich während der heißen Vergabephase im Frühjahr 2012 zum „Ritter der französischen Ehrenlegion“. Die Deutschen boten keine Orden, aber Provisionszahlungen. Kraus-Maffei Wegmann erhielt den Auftrag.

Mögliche Motive werden nun im Gerichtssaal in Zug besprochen. Die Klage führt ein deutsches Ehepaar, dessen schweizerische Agentur seit Jahrzehnten militärisches Gerät nach Katar exportiert. Beklagt ist ein früherer Partner in Doha: die Multi Services Company Qatar (MSC-Q).

MSC-Q soll Bücher offenlegen

Bei der Trennung der beiden Geschäftspartner sollen Rechnungen in Millionenhöhe offengeblieben sein. Die schweizerische Agentur möchte deshalb durchsetzen, dass die MSC-Q ihre Bücher offenlegt. Die Katarer wollen das lieber nicht. Ihr Anwalt nennt die Auskunftsklage der Deutschen „substanzlos“.

Die Vorträge der Juristen plätschern lange dahin. Gepanzerte Limousinen kommen zur Sprache, Nachtsichtgeräte und Munition. Doch plötzlich erwähnt der Anwalt der Kläger den Milliardendeal von Kraus-Maffei Wegmann. Es wird deutlich: Das deutsche Ehepaar und die MSC-Q waren maßgeblich an der Anbahnung der Panzerverkäufe beteiligt. Die Kingdom Projects, die von Krauss-Maffei Wegmann Provision erhielt, wäre demnach eine Nachfolgerin der MSC-Q.

Der Anwalt der Kläger vermittelt den Eindruck, als kenne er die Abläufe bei dem Milliardendeal im Detail. Kraus-Maffei Wegmann und die MSC-Q wären gar nicht ins Geschäft gekommen, sagt er, wenn seine Mandanten dies nicht vermittelt hätten. Der Schweizer Advokat nennt Abläufe, Provisionssätze und Rabatte.

Katarische Delegation mit kanadischen Pässen

Wie wichtig seine deutschen Mandanten für den Rüstungsdeal waren, zeigt das Besuchsprogramm einer katarischen Delegation, die im März 2012 nach Deutschland reiste. Auf dem KMW-Testgelände in München ließen sich die Offiziere den Leopard-2-Panzer sowie die Radfahrzeuge Boxer und Fennek vorführen. Sie unternahmen einen Abstecher zur Deutsch-Französischen Brigade nach Mühlheim. Der Kläger ist auf der Teilnehmerliste als „KMW Representative Qatar“ verzeichnet.

Der gleiche Titel ist an zwei Araber vergeben: Marar Al-Jundi und Labid Al-Jundi. Die umtriebigen Brüder führten die Tagesgeschäfte der MSC-Q. Sie sollen aus Syrien stammen, aber kanadische Pässe haben. Das würde eine weltweite und unbehelligte Reisetätigkeit erlauben.

Das Kommando bei der MSC-Q hatten Katarer. Im Board saß der spätere Ritter der französischen Ehrenlegion Scheich Ahmed Nasser Al-Thani. 70 Prozent der MSC-Q gehörten seinem Sohn, 30 Prozent entfielen auf den „Qatar Armed Forces Investment Portfolio“, gewissermaßen ein Fonds des katarischen Militärs.

Im Direktorium der MSC-Q gab es einen weiteren einflussreichen General: Thani Abdulrahman Al-Kuwari. Er diente von 2003 bis 2013 als Finanzverantwortlicher der katarischen Armee und von 2011 bis 2014 als „Head of the Tenders and Auction Committee“ des Verteidigungsministeriums. Al-Kuwari war somit für alle großen Ausschreibungen verantwortlich. Heute ist Al-Kuwari Vizepräsident des Olympischen Komitees in Katar.

Provisionsverhandlungen mit führenden Generälen wären schwer zu rechtfertigen – jedenfalls für die deutsche Seite. Das Bundeswirtschaftsministerium hat klare Vorkehrungen gegen die Vergabe von Bakschisch – zu Deutsch etwa mit „Schmiergeld“ zu übersetzen. Auch die eigenen Compliance-Richtlinien verbieten es Kraus-Maffei Wegmann, Provisionen an Firmen zu zahlen, die unter dem Einfluss von Entscheidungsträgern stehen.

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