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11.08.2022

17:11

Sanofi, GSK, Boehringer Ingelheim

40 Milliarden Dollar Kursverlust: Investoren fürchten Klagewelle gegen Pharmakonzerne

Von: Siegfried Hofmann

Wegen möglicher Krebsrisiken bei einem alten Magenmedikament drohen den Konzernen teure Prozesse. Die Nervosität bei den Investoren ist hoch.

Pharmakonzernen drohen Klagen wegen Magenmedikament Zantac Reuters

Magenmedikament Zantac

Wegen möglicherweise krebserregender Inhaltsstoffe drohen mehreren Pharmakonzernen Klagen in den USA.

Frankfurt Ein bereits seit 2020 vom Markt verbanntes Magenmittel sorgt für wachsende Nervosität bei Pharmainvestoren. Sie befürchten, dass Schadenersatzprozesse um das Medikament Zantac, das vor allem gegen Sodbrennen und Magengeschwüre eingesetzt wurde, zu milliardenschweren Belastungen bei etlichen Pharmakonzernen führen könnten, darunter vor allem Sanofi und Glaxo-Smithkline (GSK). Aber auch Pfizer, Boehringer Ingelheim und weitere Pharmafirmen könnten von dem Fall betroffen sein.

Sowohl GSK als auch Sanofi büßten am Mittwoch und Donnerstag an der Börse zeitweise rund 20 Prozent an Wert ein, nachdem Analysten auf die Prozessrisiken hingewiesen hatten. Der von Pfizer und GSK formierte Gesundheitskonzern Haleon, der seit Kurzem an der Börse notiert ist, verlor etwa 15 Prozent. Auch Pfizer-Aktien gaben nach.

Sanofi, GSK und Co.: 40 Milliarden Dollar Wertverlust in zwei Tagen

Zwar konnten sich die Werte am Donnerstagnachmittag teilweise wieder etwas erholen. Alles in allem summieren sich die Wertverluste damit aber immer noch auf rund 40 Milliarden Dollar innerhalb von nur zwei Tagen.

Bisher sind in den USA laut Börsenprospekt von Haleon rund 2150 Schadenersatzklagen wegen möglicher Krebsrisiken bei Zantac gegen GSK und Pfizer anhängig. Erste Verfahren sollen im August beginnen. Die Kläger werfen den Herstellern dabei vor, nicht oder nicht ausreichend vor den Gesundheitsrisiken gewarnt zu haben.

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    Zantac: Boehringer Ingelheim zahlte 500 Millionen Dollar für die Rechte

    Das Medikament Zantac mit dem Wirkstoff Ranitidin wurde Ende der 1970er-Jahre von der britischen Glaxo entwickelt, die inzwischen Teil des GSK-Konzerns ist. In den 1980er-Jahren war das Mittel zeitweise das umsatzstärkste Medikament der Welt. Später wurde es auch zeitweilig von Pfizer und Johnson & Johnson sowie nach Patentablauf auch von diversen Generikafirmen vertrieben. Darüber hinaus war es als rezeptfreies Produkt auf dem Markt.

    Boehringer zahlte 2006 gut 500 Millionen Dollar für die Rechte, Zantac als rezeptfreies Medikament zu verkaufen. Zehn Jahre später verkaufte der Ingelheimer Konzern seine Sparte Selbstmedikation aber an Sanofi.

    Zahl der Zantac-Klagen könnte noch steigen

    2019 ordneten die Zulassungsbehörden in den USA und Europa die ersten Rückrufe von Ranitidin-Produkten an, weil in diesen die als potenziell krebserregend geltenden Nitrosodimethylamine (NDMA) nachgewiesen wurden. Später stellte sich heraus, dass diese Substanz offenbar auch als Abbauprodukt des eigentlichen Wirkstoffs entstehen kann, etwa bei zu langer Lagerung und höheren Temperaturen.

    Im April 2020 ordnete die US-Gesundheitsbehörde FDA und wenig später auch die europäischen Behörden das Verbot von Zantac und anderen Ranitidin-Produkten an. Dadurch, dass sich NDMA mit der Zeit in den Medikamenten anreichere, könne es zu „inakzeptablen“ Konzentrationen kommen, urteilte die FDA.

    Angesichts der ehemals sehr hohen Verordnungszahlen bei Zantac und anderen Ranitidin-Produkten besteht für die Pharmahersteller das Risiko, dass die Zahl der Klagen noch deutlich steigen könnte. Selbst 2019 wurden nach Daten von Marktforschern in den USA noch mehr als drei Millionen Menschen mit dem Wirkstoff behandelt.

    Entsprechend hoch ist die Unsicherheit mit Blick auf die möglichen Kosten für die betroffenen Hersteller. Analysten von Morgan Stanley schätzen den Aufwand für die Bereinigung der Klagewelle laut Bloomberg auf Werte zwischen zehn und 45 Milliarden Dollar.

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