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10.06.2022

11:59

Schiffbau

Neustart mit Rüstung: Thyssenkrupp übernimmt MV Werft und stellt auf U-Boote um

Von: Martin Murphy

Der Konzern dürfte zu den Profiteuren der geplanten Aufrüstung der Bundeswehr zählen. In Wismar will Thyssenkrupp rund 800 Mitarbeiter einstellen.

Bei einem Hochlauf der Produktion im Laufe des Jahres 2024 könnte Thyssenkrupp rund 800 Mitarbeiter einstellen. imago images/Chris Emil Janßen

MV Werft in Wismar

Bei einem Hochlauf der Produktion im Laufe des Jahres 2024 könnte Thyssenkrupp rund 800 Mitarbeiter einstellen.

Berlin Der Industriekonzern Thyssenkrupp übernimmt von den insolventen MV Werften den Standort in Wismar. Im Laufe des Jahres 2024 könnte dort der Bau von Unterseebooten beginnen, teilte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) am Freitag mit. Das Handelsblatt hatte bereits am Donnerstag über den Vorgang berichtet.

Maßgeblich sei eine Beauftragung weiterer U-Boote durch den Bund und daraus folgende Investitionen in die Ertüchtigung der Werft. Die Dimension des Engagements von TKMS hänge vom Umfang der Aufträge ab. „Je mehr Aufträge, desto mehr Arbeitsplätze“, hieß es in der Mitteilung von TKMS.

„Wir kommen nach Wismar, um Marine Systems, aber auch dem Standort und den Menschen hier eine echte Perspektive zu geben“, erklärte TKMS-Chef Oliver Burkhard am Freitag nach einer Betriebsversammlung in Wismar. Bei einem Hochlauf der Produktion im Laufe des Jahres 2024 könnten rund 800 Mitarbeiter eingestellt werden. Bei zusätzlichen Orders im Überwasserbereich könne sich die Zahl auf mehr als 1500 erhöhen. Über den Kaufpreis, den TKMS für den Standort bezahlt, sei Stillschweigen vereinbart worden.

Für den Konzern bedeutet der Deal eine strategische Wende. Bis Februar hatte Vorstandschefin Martina Merz noch einen Käufer für TKMS gesucht. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine warf der Vorstand die Pläne aber über Bord. TKMS soll nun Teil der Gesellschaft bleiben, die Leitung übernahm kürzlich Personalvorstand Burkhard. Mit ihm an der Spitze soll die Sparte ausgebaut werden.

TKMS dürfte zu den Profiteuren der geplanten Aufrüstung der Bundeswehr zählen. Die Bundesregierung hat ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro bereitgestellt, mit dem neues Material für die Streitkräfte angeschafft werden soll. Unter anderem ist den Bau neuer U-Boote und Schiffe geplant. TKMS soll laut Branchenkreisen den Zuschlag für die neue Korvette K130 bekommen.

Diese Schiffe könnte TKMS in Wismar bauen. Der Standort in Kiel ist nach Angaben des Unternehmens auf Jahre hinaus mit der Fertigung von Unterseebooten ausgelastet. Hinzu kommen nun zwei zusätzliche U-Boote, die für die Marine vorgesehen sind.

Die MV Werften gehörten bis Januar zum asiatischen Genting-Konzern. Die Betriebe in Wismar, Rostock und Stralsund bauten mit mehr als 2000 Beschäftigten Kreuzfahrtschiffe für den Mutterkonzern.
Mit Agenturmaterial

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