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10.07.2019

18:04

Schwestermarken

Porsche und Audi kämpfen um die Vorherrschaft im VW-Konzern

Von: Martin-W. Buchenau

Porsche und Audi ringen seit Langem um die Top-Position im VW-Reich. Auf einigen Gebieten ist Porsche der Geschwistermarke Audi inzwischen voraus.

Porsche und Audi: Die großen Rivalen im VW-Konzern dpa

Montage bei Porsche

Selbst beim Thema Elektromobilität fährt Porsche Audi inzwischen voraus.

StuttgartDie Rivalität zwischen Porsche und Audi hat eine lange Geschichte. Seit die Zuffenhausener nach der Übernahmeschlacht vor zehn Jahren in den VW-Konzern integriert wurden, kämpfen die beiden Premiummarken um die Vorherrschaft im Konzern, vor allem wenn es um Sportlichkeit geht.

Audi hat seither nicht nur bei den Prestigerennen von Le Mans gegenüber Porsche das Nachsehen, sondern hat auch kontinuierlich beim Image verloren. Selbst beim Thema Elektromobilität fährt Porsche inzwischen voraus.

Potenzial für Zwist gibt es in Sachen Diesel: Denn Audi belieferte Porsche mit manipulierten Dieselmotoren, und Porsche geriet damit mit in den Sog des Skandals. So unwissend wie anfangs behauptet, dürfte zwar Porsche kaum gewesen sein. Aber das klären gerade die Ermittlungsbehörden.

Geblieben ist in Zuffenhausen jedenfalls ein großes Misstrauen gegenüber der Konzernschwester, trotz gegenteiliger Äußerungen von Porsche-Chef Oliver Blume in der Öffentlichkeit.

Porsche verlässt sich lieber auf sich selbst und die Rückendeckung des Porsche/Piëch-Familienclans als VW-Hauptaktionär. Denn die Familie will, dass Porsche besondere Akzente setzt, und hält eine unsichtbare, schützende Hand über den namentragenden Sportwagenbauer. Porsche genießt bislang mehr Freiheiten als andere Konzernmarken, muss aber auch den Musterschüler geben.

Porsche auf Tesla-Jagd

Der neue Taycan, der zum Jahreswechsel auf den Markt kommt, steht auf einer eigenen Plattform, verwendet als erstes Serienfahrzeug das anspruchsvolle 800-Volt-System mit doppelt so viel Spannung, aber halb so langer Ladezeit.

Zwar gelang es Audi, mit dem E-Tron vorher auf den Markt zu kommen. Aber während Audi das Modell in homöopathischen Dosen verkauft, hat Porsche für seinen Tesla-Konkurrenten schon über 20.000 Vorbestellungen einschließlich 2.500 Euro Anzahlung. Schon jetzt plant Blume mit einer deutlich höheren Jahreskapazität, wie er dem Handelsblatt kürzlich im Interview anvertraute

Die Konzernräson unter Vorstandschef Herbert Diess zwingt die Zuffenhausener allerdings, künftig näher mit Audi zusammenzurücken. Die Plattform PPE (Premium Platform Electric) für den neuen elektrischen Macan und den Audi Q5 teilen sich die Rivalen.

Und Audi bekam sogar die Federführung. Aber das hält die Zuffenhausener nicht davon ab, in eigener Sache Standards zu setzen. Im März kam der große Spatenstich in Leipzig. Das Werk wird für 600 Millionen Euro ausgebaut. Elektroautos, Hybride und Verbrenner sollen danach vom gleichen Band laufen können.

Und Porsche setzt noch einen drauf und macht, was andernorts als Luxus empfunden werden dürfte. „Der Antrieb ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Sportwagen“, sagt Produktionschef Albrecht Reimold, „Und da bei E-Autos die Aggregate in Kombination mit den Achsen gesehen werden müssen, übernehmen wir die Achsenfertigung wieder selbst.“

Porsche schafft Fakten, während Audi sich noch sortiert. Dass der Macan teilweise auch Kapazitäten von Audi in Neckarsulm füllen könnte, gilt deshalb in Zuffenhausen als ausgeschlossen und wäre auch technisch und wirtschaftlich zu aufwendig.

Selbst wenn Porsche-Chef Oliver Blume im VW-Konzern für die Koordination der 120 Werke zuständig ist, wird er beim Macan Audi nicht helfen können. Allerdings könnte beim größeren Bruder Cayenne oder beim Panamera der Druck zur Nachbarschaftshilfe größer werden. Doch bei beiden Modellen gibt es noch keine Entscheidung.

Es wäre aber nicht das erste Mal, dass wie bei dem in Bratislava gefertigten Cayenne die Auslastung der Werke eine Rolle spielt. „Das ist höhere Konzern-Arithmetik“, heißt es in Unternehmenskreisen.

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