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27.02.2015

15:18 Uhr

Sika und Saint-Gobain

Rekordergebnis soll Übernahme verhindern

Der Schweizer Chemiekonzern Sika kann sich im Übernahmekampf mit Saint-Gobain mit einem Rekordergebnis wehren. Die Sika-Familie will den Verkauf über Gerichtsbeschlüsse durchsetzen.

Obwohl Sika die ambitionierten Wachstumsziele bestätigte, dürften bei den Aktien des Unternehmens die Bäume deshalb vorerst nicht mehr in den Himmel wachsen. Reuters

Sika

Obwohl Sika die ambitionierten Wachstumsziele bestätigte, dürften bei den Aktien des Unternehmens die Bäume deshalb vorerst nicht mehr in den Himmel wachsen.

ZürichIm Abwehrkampf gegen die französische Saint-Gobain kann der Schweizer Sika -Konzern mit einem Rekordergebnis punkten. Das Bauchemieunternehmen steigerte den Gewinn 2014 um 28 Prozent auf 441 Millionen Franken (410 Millionen Euro) und übertraf damit die Analystenerwartungen. Die Anleger griffen zu und die Aktien verteuerten sich um zwei Prozent. Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich Sika an der Börse dank eines starken Gewinnwachstums deutlich besser entwickelt als Saint-Gobain. „Das ist der Beweis, dass Sika keinen strategischen Aktionär braucht“, erklärte Verwaltungsratspräsident Paul Hälg am Freitag auf der Jahrespressekonferenz.

Saint-Gobain hatte im Dezember angekündigt, das Aktienpaket der Sika-Gründerfamilie Burkard für 2,75 Milliarden Franken zu kaufen. Die Burkards haben zwar nur einen Kapitalanteil von 16 Prozent, aber einen Stimmenanteil von 52 Prozent. Damit können sie den Verwaltungsrat mit eigenen Vertretern besetzen und so mit einem vergleichweise geringen Kapitaleinsatz die Kontrolle über Sika übernehmen.

Das versuchen Hälg und die Konzernleitung um CEO Jan Jenisch mit allen Mitteln zu verhindern. Eines ihrer Hauptargumente lautet: Im Mörtelgeschäft, dem wichtigsten Wachstumstreiber von Sika, sind die Schweizer und Saint-Gobain scharfe Konkurrenten. Hälg befürchtet, dass sein Geschäft vom neuen Eigentümer benachteiligt wird und die Minderheitsaktionäre damit das Nachsehen haben könnten. Mit seiner Argumentation hat Hälg bereits viele Aktionäre hinter sich scharen können, darunter auch die Stiftung von Microsoft -Gründer Bill Gates und viele Schweizer Pensionskassen. „Wir haben mittlerweile leicht über 50 Prozent des gesamten Kapitals hinter uns“, erklärte der Präsident.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Wer bei dem Ringen um die Kontrolle als Sieger vom Platz geht, hängt nicht nur von den Aktionären von Sika und Saint-Gobain ab. Die Sika-Gründerfamilie will den Verkauf über Gerichtsbeschlüsse und die Schweizer Übernahmekommission durchsetzen. Hälg rechnet in kommenden Monat mit Entscheidungen. Gut möglich ist Juristen zufolge allerdings, dass die unterlegene Partei die nächste Instanz anruft. Damit könnte sich der Streit noch über Monate hinziehen.

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Obwohl Sika die ambitionierten Wachstumsziele bestätigte, dürften bei den Aktien des Unternehmens die Bäume deshalb vorerst nicht mehr in den Himmel wachsen. „Sika ist operativ in der besten Verfassung die sie je war“, erklärte Vontobel-Analyst Christian Arnold. „Da ist es unglücklich, dass die hohen Risiken in Zusammenhang mit der geplanten Akquisition von Saint-Gobain das Aufwärtspotential begrenzen.“

Von

rtr

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