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09.12.2018

14:35

Skandal bei Volkswagen

Neue VW-Rückrufe alarmieren Verbraucherschützer

Von: Dietmar Neuerer

Jahrelang hat VW seinen Kunden Testfahrzeuge ohne Zulassung verkauft. Verbraucherschützer reagieren mit scharfer Kritik an der Konzernspitze.

Testfahrzeuge, die beispielsweise bei Produktionsanlauf einer neuen Fertigungslinie vom Band liefen, soll rechtswidrig in den Markt gebracht worden sein. dpa

Illegale Verkäufe bei VW

Testfahrzeuge, die beispielsweise bei Produktionsanlauf einer neuen Fertigungslinie vom Band liefen, soll rechtswidrig in den Markt gebracht worden sein.

Berlin VW kommt auch zum Jahresende nicht zur Ruhe. Nun muss der Konzern tausende VW-Autos wegen fehlerhafter Dokumente zurückrufen, weil ein Risiko laut Kraftfahrt-Bundesamt nicht ausgeschlossen werden kann. Der Vorgang ruft Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller auf den Plan.

Für Betroffene sei der Rückruf „eine harte Nuss unter dem Weihnachtsbaum“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dem Handelsblatt. Zugleich erhob Müller schwere Vorwürfe gegen die VW-Führung.

„Dass es sich um VW-Modelle der Baujahre 2006 bis 2018 handelt, zeigt zum einen, dass Volkswagen auch drei Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals nichts verstanden hat“, kritisierte der VZBV-Chef. „Dass hier nun offenbar auch noch Sicherheitsrisiken in Kauf genommen wurden, in dem VW auf unzulässige Weise Testfahrzeuge auf den Markt gebracht hat, toppt die bisherige Praxis mit Blick auf Umwelt und Gesundheit der Menschen nochmal um ein weiteres und bislang nicht vorstellbares Versagen der Konzernleitung.“

Volkswagen hatte zuvor Berichte des „Spiegel“ und von „auto-motor-und-sport.de“ bestätigt, wonach in Deutschland rund 4000 Autos wegen fehlerhafter Dokumente zurückrufen werden müssen. „Es wurde versäumt, zu dokumentieren, was an den betroffenen Fahrzeugen nicht seriengemäß ist“, sagte ein VW-Sprecher am Freitag. Es handle sich zumeist um sogenannte Vorserienfahrzeuge, die zu Testzwecken gebaut werden. Die Aktion werde überwacht, weil ein ernstes Risiko nicht ausgeschlossen werden könne, teilte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg mit.

Das Bundesverkehrsministerium erklärte auf Anfrage Nachrichtenagentur dpa, es gehe um einen Pflicht-Rückruf, weil die Wagen „unzulässig in den Verkehr gekommen“ seien. „VW wird die Fahrzeuge von den Kunden zurückkaufen, damit jegliches Risiko für die Verkehrssicherheit ausgeschlossen werden kann.“

Autobauer: Volkswagen ruft Autos mit fehlerhaften Dokumenten zurück

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Betroffen sind zumeist sogenannte Vorserienfahrzeuge. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kann bei den Autos ein ernstes Risiko nicht ausgeschlossen werden.

Eine interne Überprüfung ergab nach Angaben des Autoherstellers, dass in den Jahren von 2006 bis 2018 weltweit etwa 6700 Fahrzeuge in einem Bauzustand vermarktet worden sein könnten, der nicht dem serienmäßigen Bauzustand entspricht. Möglicherweise habe man Autos aus der laufenden Serienfertigung mit noch nicht freigegebenen Vorserienteilen umgerüstet.

Den Käufern von rund 5500 betroffenen Autos wird dem VW-Sprecher zufolge ein Rückkauf angeboten. In einigen Fällen sei auch ein Update möglich. Nähere Details zu den betreffenden Bauteilen wurden nicht genannt. Nach eigenen Angaben sind Volkswagen keinerlei Unfälle oder Verletzungen bekannt, die auf eine nicht serienmäßige Ausstattung eines ehemaligen Vorserienfahrzeugs zurückzuführen wären.

In einer Stellungnahme des Wolfsburger Konzerns hieß es, dass die Vermarktung und der Vertrieb von sogenannten Vorserienfahrzeugen rechtlich zulässig und in der Autoindustrie weit verbreitet seien. Dieser Darstellung widersprach der Branchenexperte Stefan Bratzel. Es gebe durchaus solche Fahrzeuge, die aber eigentlich nur mit der entsprechenden Kennzeichnung abgegeben würden, sagte er. „Eine breite Vermarktung wäre für mich neu, davon habe ich bisher noch nichts gehört.“

Chef-Verbraucherschützer Müller forderte vor diesem Hintergrund: VW müsse nun „endlich umdenken, die Politik muss durchgreifen“. Der VZBV-Chef kündigte zudem an: „Und wir Verbraucherschützer werden mit aller Entschlossenheit die Rechte der Betroffenen gerichtlich durchsetzen.“

Mit Material von dpa

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