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02.12.2022

08:31

Skoda

E-Autos inklusive Kleinwagen kommen schneller als geplant

Von: Stefan Menzel

Neue Elektromodelle kommen bei Skoda vier Jahre früher als bislang geplant. Darunter ist auch ein Kleinwagen, der voraussichtlich für weniger als 25.000 Euro angeboten werden soll.

Präsentation des Skoda Vision 7S: Der Vorstandsvorsitzende Klaus Zellmer (links) und Chefdesigner Oliver Stefani stellen in Prag den Siebensitzer mit den neuen Designlinien vor. Skoda

Skoda-Modelle bekommen eine neue Designsprache

Präsentation des Skoda Vision 7S: Der Vorstandsvorsitzende Klaus Zellmer (links) und Chefdesigner Oliver Stefani stellen in Prag den Siebensitzer mit den neuen Designlinien vor.

Mlada Boleslav Der Autohersteller Skoda erhöht seine Investitionen in Elektroautomodelle bis 2026 von 3,1 auf 5,6 Milliarden Euro und will mit der Elektrowende deutlich schneller voranschreiten als bislang geplant. In der Unternehmenszentrale des Autoherstellers Skoda in Mlada Boleslav bei Prag kündigt Vorstandschef Klaus Zellmer im Gespräch mit dem Handelsblatt an: „Bis 2026 kommen wir mit drei weiteren Elektromodellen, weitere werden folgen. Das ist früher, als wir bislang angekündigt hatten.“

Ursprünglich habe sich der tschechische Autohersteller mit der Vorstellung der neuen E-Modelle bis 2030 Zeit lassen wollen, nun wird sie vier Jahre vorgezogen. „Unsere Zielsetzung ist ambitionierter geworden“, so Zellmer.

Konkret geht es um einen elektrischen Kleinwagen, der voraussichtlich für weniger als 25.000 Euro angeboten werden soll. Die meisten europäischen Autohersteller haben einen solchen vergleichsweise preisgünstigen E-Mini wegen der hohen Produktionskosten bislang nicht im Angebot.

Skoda plant außerdem ein kompaktes elektrisches Mittelklasse-SUV und zusätzlich einen großen Siebensitzer, von dem es bereits den ersten Prototypen gibt („Vision 7S“).

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    Der Elektroanteil der tschechischen Volkswagen-Tochter wird mit den neuen Modellen bis 2030 um 20 Prozentpunkte von 50 auf 70 Prozent steigen. Indien wird zudem zum zentralen Baustein der Auslandsstrategie von Skoda.

    Elektroautos: Skoda gibt Milliarden für neue E-Autos dazu

    Den überwiegenden Teil ihres geplanten Investments über 5,6 Milliarden Euro gibt die VW-Tochter für die drei neuen Elektroautos aus. Gleichwohl will sich Zellmer noch nicht auf ein endgültiges Verbrenner-Aus festlegen. „Die Kunden werden entscheiden, wie sich der Markt entwickelt“, betonte er. In Europa sei jedoch wegen der EU-Vorgaben klar, dass von 2035 an keine Verbrenner mehr verkauft werden dürften.

    Trotzdem plant Skoda, das Modellportfolio bei Verbrennern frisch und aktuell zu halten. Im nächsten Jahr kommen mit der Limousine Superb und dem großen SUV Kodiaq zwei zentrale Modelle komplett neu auf den Markt, kündigte Zellmer an. „Die Verbrenner finanzieren die Transformation, sind beliebt und hocheffizient.“ 2024 ist eine umfassende Neugestaltung für den Octavia vorgesehen, das Brot-und-Butter-Modell von Skoda.

    Zellmer, erst seit wenigen Monaten bei Skoda als Vorstandschef im Amt, will außerdem für eine klare Abgrenzung zur Marke Volkswagen sorgen. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal soll dabei das eigene Skoda-Fahrzeugdesign sein. „Skoda war noch nie so stringent mit einer eigenen Designsprache unterwegs – die Neuausrichtung vor allem mit den elektrischen Modellen wird das deutlich zeigen“, betonte der Skoda-CEO.

    Wer auch immer in der Vergangenheit bei Skoda von einer Billigmarke gesprochen hat, der lag damit ziemlich falsch. Skoda-Vorstandschef Klaus Zellmer

    Die tschechische VW-Tochter will funktionale Fahrzeuge anbieten, „die Bodenständigkeit und Ehrlichkeit ausdrücken“. Das bedeute allerdings nicht, dass Skoda-Fahrzeuge künftig immer günstig angeboten würden. „Wer auch immer in der Vergangenheit bei Skoda von einer Billigmarke gesprochen hat, der lag damit ziemlich falsch“, so Zellmer.

    Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen der tschechischen Marke und Volkswagen soll auch die digitale Ausstattung sein. „Skoda ist konservativer im digitalen Auftritt“, sagte der Vorstandschef. Bei Volkswagen sei das Thema Digitalisierung „schon beinahe radikal in die Autos gebracht worden“. Jeder Autohersteller müsse darauf achten, dass die Kunden technisch nicht überfordert würden.

    Grundsätzlich sprach sich Zellmer dafür aus, dass die einzelnen Marken im Konzern auf ihre Eigenständigkeit achten sollten. „Ich bin überzeugt davon, dass wir mit höheren Investitionen für die Differenzierung der Marken am Ende mehr Geld für Konzern und Markengruppe herausholen“, sagte er.

    Klaus Zellmer, erst seit wenigen Monaten bei Skoda als Vorstandschef im Amt, will für eine klare Abgrenzung zur Marke Volkswagen sorgen. Reuters

    Klaus Zellmer

    Klaus Zellmer, erst seit wenigen Monaten bei Skoda als Vorstandschef im Amt, will für eine klare Abgrenzung zur Marke Volkswagen sorgen.

    Branchenbeobachter wie Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule Bergisch Gladbach stimmen diesem Kurs zu. „Skoda darf nicht zu nahe an Volkswagen heranrücken“, sagte der Hochschullehrer. Das lasse sich am besten erreichen, wenn Skoda preislich deutlich unterhalb von VW positioniert werde. Zugleich müsse die tschechische Konzerntochter auch gewisse Qualitätsstandards erfüllen, um nicht als Billigmarke wahrgenommen zu werden.

    Bratzel bescheinigte dem VW-Konzern, dass die Trennung beider Marken zuletzt „recht gut gelungen ist“. Der Automobilprofessor erwartet, dass dieser Kurs auch unter dem neuen Konzernchef Oliver Blume fortgesetzt wird. Blume stehe für einen rationalen Umgang auch beim Thema Markentrennung. Ein emotionsgeladener Konflikt zwischen Skoda und Volkswagen sei deshalb nicht zu erwarten.

    Skoda muss nach den Worten Bratzels vor allem im Einstiegssegment präsent sein. Über die tschechische Tochter könnten Kunden in einem zweiten Schritt an die Modellpalette des gesamten Konzerns herangeführt werden. Vor allem bei echten Elektroautos müsse Skoda diese Einstiegsfunktion erfüllen. Unterhalb von Skoda gibt es im VW-Konzern auf absehbare Zeit keine günstigeren Elektromodelle.

    Günstiges Elektroauto von Skoda: Indien bekommt zentrale Bedeutung

    Auch außerhalb Europas nimmt Skoda diese Funktion als Einstiegsmarke für den gesamten Konzern wahr. Nach mehreren gescheiterten Versuchen ist Volkswagen mit Skoda nun auf dem schwierigen indischen Automarkt präsent. Die tschechische VW-Tochter hat speziell für Indien eigene Verbrennermodelle entwickelt, die dort inzwischen auch lokal produziert werden.

    „Indien besitzt das größte Wachstumspotenzial für uns“, bestätigte Vorstandschef Zellmer. Nach Deutschland und Tschechien sei Indien inzwischen zum drittgrößten Absatzmarkt für Skoda aufgestiegen. Im ersten Halbjahr 2022 habe der Hersteller dort mehr Autos verkauft als im gesamten Jahr 2021.

    Die für Indien entwickelten Fahrzeuge nutzt Skoda zudem für die Expansion in den Nahen Osten und in südostasiatische Länder wie Vietnam. Absatzverluste wie etwa in Russland ließen sich damit perspektivisch ausgleichen.

    Zusätzlich hat Skoda vom Konzern einen weiteren Prüfauftrag für Indien bekommen. Die tschechische VW-Tochter soll untersuchen, inwieweit auch ein günstiges elektrisches Einstiegsmodell für den indischen Markt entwickelt werden könnte. Skoda soll dabei auf die eigene Expertise aus den speziell für Indien entwickelten Verbrennermodellen zurückgreifen. Der Autohersteller erwartet allerdings, dass der Wandel zur Elektromobilität in Indien deutlich länger als in Europa dauern wird. Die VW-Tochter rechnet dort für das Jahr 2030 mit einem Elektroanteil zwischen 20 und 25 Prozent.

    Erstpublikation am 30.11.22, um 16:57 Uhr.

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