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11.08.2022

12:55

Spezialchemie

Haarspray-Treibmittel und PVC-Weichmacher: Evonik bereitet Verkauf des C4-Chemiegeschäfts vor

Von: Arno Schütze, Bert Fröndhoff

Der Konzern will sich stärker auf margenstarke Spezialgeschäfte konzentrieren. Von einer CO2-intensiven Sparte könnte sich Evonik nun trennen.

Das Unternehmen will Kapital frei machen für Zukäufe im Bereich Biotechnologie. Reuters

Evonik

Das Unternehmen will Kapital frei machen für Zukäufe im Bereich Biotechnologie.

Frankfurt, Düsseldorf Die Spezialchemiefirma Evonik bereitet Finanzkreisen zufolge eine Trennung von einem ihrer größten Geschäftsbereiche vor. Die Produkte der sogenannten C4-Chemie werden etwa als Treibmittel in Haarspray, Weichmacher für PVC, Komponenten in Latex-Matratzen, Antiklopfmittel in Benzin oder als Rohstoff für die Reifenindustrie verwendet.

Die Einheit erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro, passt jedoch trotz zuletzt starker Wachstumsraten nicht mehr zum Kerngeschäft. Evonik hat nun eine Bank beauftragt, die für Evonik Optionen einschließlich eines Verkaufs prüfen soll, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagen. Evonik lehnte eine Stellungnahme ab.

Ab Herbst könnten mögliche Wettbewerber und Private Equity Investoren angesprochen werden. Evonik würde bei einem Verkauf mit dem Erwerber einen langfristigen Liefervertrag schließen, da die C4-Produkte in vielen anderen Geschäftsbereichen zum Einsatz kommen. Eine weitere Option sei es, den C4-Verbund in ein Gemeinschaftsunternehmen einzubringen, hieß es.

Der Geschäftsbereich kommt Finanzkreisen zufolge derzeit auf ein Betriebsergebnis von rund 200 Millionen Euro, hatte zuletzt aber eine Sonderkonjunktur, weshalb Bieter mit einem mittelfristigen Potenzial von bestenfalls 150 Millionen rechnen. Die Einheit könnte bei einem Verkauf mit dem Sieben- bis Achtfachen des Gewinns bewertet werden, also mit rund einer Milliarde Euro, hieß es.

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    Zu möglichen Interessenten gehören Wettbewerber wie Ineos sowie Ölfirmen, die ihr Petrochemiegeschäft ausbauen wollen, wie etwa Adnoc, Sabic oder Reliance Industries. Viele Chemiefirmen ziehen sich hingegen tendenziell aus Bereichen zurück, in denen hohe CO2-Emissionen anfallen.

    Evonik erzielt hohe Wachstumsraten in der Sparte Performance Materials

    Der Name C4 steht für Nebenprodukte der Rohölverarbeitung, die vier Kohlenstoffmoleküle in ihren Ketten enthalten. Dabei haben es die Hersteller mit einem gemischten Rohstoff zu tun, aus dem kontinuierlich verschiedene Produkte hergestellt werden, was Herausforderungen mit sich bringt.

    Im nordrhein-westfälischen Marl hat Evonik eine moderne Anlage für sogenannte FCC-C4-Gase gebaut, womit sich der Konzern eine Versorgung mit den C4-Rohstoffen sichert.

    Grafik

    Das Geschäft ist Teil der Evonik-Sparte Performance Materials, die zuletzt sehr hohe Wachstumsraten erzielte. Mehrere Wettbewerber fuhren in den vergangenen Monaten geplant oder ungeplant Werke herunter, was zu einer Verknappung der Produkte und nahezu zu einer Verdopplung der Preise führte.
    >> Lesen Sie auch: Hoffnungszeichen für Deutschlands Konjunktur – Chemie erwartet starke Gewinne

    Der Umsatz der Sparte legte im ersten Halbjahr um 55 Prozent auf zwei Milliarden Euro zu, das Betriebsergebnis (Ebitda) sogar um 86 Prozent auf 260 Millionen. Allerdings werde sich die Dynamik wieder etwas abschwächen, erklärte Evonik in seinem am Mittwoch vorgelegten Quartalsbericht.

    Chemiekonzern will Kapital freimachen für Zukäufe

    Zur Sparte Performance Materials gehört auch das Geschäft mit Superabsorbern, dem Kernbestandteil von Windeln. Auch diese Einheit will Evonik verkaufen. Die Ausgliederung hat Evonik bereits abgeschlossen. In Vorbereitung einer Auktion hat das Unternehmen bereits einen Bankenauswahlprozess gestartet. Im Herbst dürften Berater mandatiert und Anfang 2023 ein Verkauf gestartet werden, wie mit der Situation vertraute Personen sagten.

    Die Superabsorber-Einheit ist allerdings gerade mal halb so groß wie das C4-Geschäft und kommt auf ein jährliches Betriebsergebnis von etwa 80 Millionen Euro.

    Beide zum Verkauf stehenden Einheiten stehen für Massenprodukte, von denen sich Evonik-Chef Christian Kullmann trennen will. Die Geschäfte sind kapitalintensiv und schwankungsreich. Das Unternehmen will Kapital frei machen für Zukäufe im Bereich Biotechnologie, etwa in der Medizintechnik und Pharmazulieferung. Der Fokus liegt auf margenstarken Spezialgeschäften, die zudem für mehr Nachhaltigkeit stehen.

    Bis 2030 will Evonik rund acht Milliarden Euro investieren. Gut die Hälfte davon geht in den grünen Umbau der Standorte, deren Produktion deutlich weniger Kohlendioxid ausstoßen soll. Weitere vier Milliarden Euro fließen in organisches Wachstum, vorwiegend in Produkte mit einer Ebitda-Marge von mehr als 20 Prozent.

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