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02.06.2022

12:13

Spezialchemie

Neue Großanlage in den USA: Evonik stärkt Position als Zulieferer für mRNA-Medizin

Von: Bert Fröndhoff

Der Chemiekonzern fertigt Lipide für mRNA-Impfstoffe, einer der Kunden ist Biontech. Jetzt rüstet sich Evonik für den erwarteten Boom - mit viel Geld von der US-Regierung.

Das Mittel enthält Lipide, die auch von der Essener Evonik hergestellt werden. dpa

Corona-Impfstoff von Biontech

Das Mittel enthält Lipide, die auch von der Essener Evonik hergestellt werden.

Düsseldorf Die Evonik AG investiert erneut kräftig ins Geschäft als Pharmazulieferer. Der Spezialchemiekonzern wird eine neue Großanlage in den USA zur Herstellung von Lipiden für die mRNA-Medizin errichten. Das Werk wird 220 Millionen Dollar kosten und soll 2025 in Betrieb gehen, teilte Evonik am Donnerstag mit.

Die Essener sind schon jetzt einer der größeren Lieferanten von pharmazeutischen Lipiden. Dabei handelt es sich um Fette, die wie ein Koffer den Arzneiwirkstoff sicher durch den menschlichen Körper zum gewünschten Einsatzort bringen. Groß im Einsatz sind diese Lipide bei den Covid-19-Impfstoffen von Biontech und Moderna, die auf der neuartigen mRNA-Technologie basieren.

Evonik will vom erwarteten Boom dieser mRNA-Technologie insgesamt profitieren. Beim Einsatz der Covid-Impfstoffe haben sich die Lipid-Nanopartikel (LNP) bewährt: Sie transportieren den Bauplan für Teile des Corona-Virus in menschliche Zellen, wo diese dann produziert werden. Das löst eine Immunreaktion des Körpers aus, die ihn auf eine tatsächliche Infektion mit dem Corona-Virus vorbereitet.

Im Zuge der milliardenfachen Covid-Impfungen ist die Produktion dieser Nanolipide und anderer Zusatzstoffe ein gutes Geschäft für die Pharmazulieferer weltweit geworden. Auch bei der Darmstädter Merck KGaA hat sich dies zum Wachstumstreiber entwickelt.

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Standort erkennen

    Die Hersteller erwarten, dass die mRNA-Technologie nach den Covid-Impfstoffen mehrere bedeutende andere Therapiegebiete in der Medizin erobern wird. Dazu zählt auch die Bekämpfung von Krebs. Biontech hat dazu aktuell mehrere Projekte in der Forschung. Auch soll die mRNA-Technik zur Bekämpfung anderer Infektionskrankheiten eingesetzt werden.

    Wichtiger Treiber für die Sparte Nutrition & Care

    Für Evonik ist dieses Geschäft einer der wichtigsten Treiber für den Ausbau der Sparte Nutrition & Care, die ein Eckpfeiler der neuen Wachstumsstrategie ist. Sie kam im vergangenen Jahr auf ein Volumen von 3,6 Milliarden Euro kam. Wie viel Umsatz der Konzern allein mit sogenannten Drug-Delivery-Technologien bereits einfährt, ist nicht bekannt. Das Marktpotenzial für Lipid-Nanopartikel schätzt Evonik auf fünf Milliarden Dollar bis zum Jahr 2026.

    Das neue Werk in den USA wird am Evonik-Standort Tippecanoe in Lafayette, Bundesstaat Indiana, gebaut und von der US-Regierung kräftig gefördert. Washington steckt über die Medizinbehörde Barda gut 150 Millionen Dollar in das Projekt. Die Barda ist in den USA für die Beschaffung von Medikamenten und die Förderung von Technologien zuständig, mit denen den Gesundheitsbedrohungen des 21. Jahrhunderts begegnet werden soll. Auch die lokale Wirtschaftsförderung in Indiana unterstützt den Bau.

    Schon während der Coronapandemie hat Evonik die Produktion von LNP für die mRNA-Impfstoffe ausgebaut. Die bestehenden Großanlagen in Kanada und den USA sowie an den deutschen Standorten in Hanau und Dossenheim bei Heidelberg wurden erweitert. Die Essener sind 2016 über einen Zukauf in Kanada in das Geschäft eingestiegen.

    Die neue Mehrzweckanlage in den USA soll flexibel auf die Produktion von maßgeschneiderten Lipiden ausgelegt werden. Damit will sich Evonik in die Lage versetzen, möglichst viele potenzielle Anwendungsgebiete der mRNA-Medizin bedienen zu können. Bei der Erforschung neuer LNP ist der Konzern jüngst eine mehrjährige Partnerschaft mit der kalifornischen Stanford University eingegangen.

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