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29.05.2019

14:26

Sportwagenbauer

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Porsche-Chef Oliver Blume wegen Untreue

Von: René Bender

Die Fahnder gehen dem Verdacht möglicherweise überhöhter Zahlungen an den Ex-Betriebsratschef nach. Drei Spitzenmanager von Porsche stehen im Visier.

Porsche: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Konzernchef Blume AFP

Oliver Blume

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt auch gegen den Porsche-Chef.

Düsseldorf Knapp 24 Stunden ist die groß angelegte Razzia beim Sportwagenhersteller Porsche her, und inzwischen ist klar: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen einer möglicherweise überhöhten Vergütung des langjährigen Betriebsratschefs Uwe Hück reichen bis in die Konzernspitze. Vorstandschef Oliver Blume ist nach Informationen des Handelsblatts einer von insgesamt sechs beschuldigten Mitarbeitern des Unternehmens.

Neben Blume werden auch Finanzvorstand Lutz Meschke und Personalvorstand Andreas Haffner beschuldigt. Die Büros der drei Manager wurden am Dienstag durchsucht. Haffner trägt als Personalvorstand die Verantwortung für die Entlohnung der Mitarbeiter.

Der Verdacht lautet auf Untreue und Steuerhinterziehung, die Vorwürfe sollen dabei schon etliche Jahre zurückreichen. Zuerst hatten die „Stuttgarter Nachrichten“ über die Ermittlungen gegen Blume berichtet. Die Staatsanwaltschaft war für Fragen bisher nicht zu erreichen, die VW-Tochter Porsche wollte sich zu dem Verfahren nicht äußern.

Am Dienstag hatten zehn Staatsanwälte und 176 Ermittler der Polizei und der Steuerfahndung Büros der Stuttgarter Porsche-Konzernzentrale sowie Privatwohnungen durchsucht. Darunter war auch die des ehemaligen und erst im Februar überraschend bei Porsche ausgeschiedenen Betriebsratschefs Uwe Hück, der allerdings selbst nicht zu den Beschuldigten gehört.

Gegenüber dem Handelsblatt sagte Hück: „Mein Gehalt war sauber.“ Ob dem wirklich so war, müssen nun die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft klären.

Ärger um überhöhte Gehaltszahlungen an hochrangige Betriebsräte ist im VW-Konzern nicht neu – schon seit mehr als zwei Jahren beschäftigt sich die Braunschweiger Staatsanwaltschaft mit zumindest in Teilen vergleichbaren Vorwürfen. Sie ermittelt gegen die beiden Ex-Personalvorstände Karlheinz Blessing und Horst Neumann sowie zwei frühere Personalleiter wegen Untreueverdachts.

Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh über Jahre ein möglicherweise zu hohes Salär erhalten hat. Und wegen etwaiger Steuervergehen in der Sache durchsuchten die Ermittler dann im November 2017 neben Blessings Büro auch die Büros von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Finanzvorstand Frank Witter. Osterloh selbst gehört dabei – wie nun auch Hück – nicht zu den Beschuldigten.

Auch Verdacht auf Bestechung

Während eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft über eine eventuelle Anklage noch aussteht, konnte VW zumindest arbeitsrechtlich einen Strich unter die Angelegenheit ziehen. Vor dem Arbeitsgericht Braunschweig einigte sich der Konzern mit insgesamt 15 Betriebsräten.

Neben dem Untreueverdacht muss sich Sportwagenbauer Porsche aber noch mit einem anderen Verdacht der Ermittler auseinandersetzen. Es geht um Bestechung. In diesem Zusammenhang gerät auch die Steuerverwaltung ins Zwielicht. Durchsucht wurden auch Finanzbehörden und die Räume eines Steuerberaters. Ein Betriebsprüfer muss sich schwere Vorwürfe gefallen lassen.

„Nach den bisherigen Ermittlungen soll ein Beamter des Konzernprüfungsamtes Stuttgart während laufender Prüfung der Porsche AG Informationen an einen steuerlichen Berater der Porsche AG verraten haben“, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Die Informationen seien geheimhaltungsbedürftig gewesen, und im Gegenzug soll der Beamte Vorteile angenommen haben. Neben dem Steuerberater wird daher auch der Beamte als Beschuldigter geführt. Insgesamt waren in beiden Angelegenheiten 176 Ermittler bis in den Nachmittag hinein im Einsatz. Dabei seien Unterlagen, Datenträger und auch Mobiltelefone sichergestellt worden.

Mitarbeit: Martin Buchenau, Volker Votsmeier

Mehr: Der jahrelange Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück startet eine Karriere als Politiker. Im Interview spricht er über Korruptionsvorwürfe und darüber, wie er Pforzheim retten und Sigmar Gabriel zurückholen will.

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