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16.06.2022

18:40

Sportwagenhersteller

Warum der Ferrari-Chef weiter auf Verbrenner setzt

Von: Christian Wermke

PremiumDer neue CEO Benedetto Vigna kündigt zwar Hybrid- und Elektro-Ferraris an, will aber auch 2026 noch einen Großteil klassische Verbrenner verkaufen.

Ein Physiker an der Spitze des Sportwagen-Herstellers. Reuters

Benedetto Vigna

Ein Physiker an der Spitze des Sportwagen-Herstellers.

Rom Welche Modelle die Ferrari-Kundschaft liebt, zeigt ein Blick auf den „Daytona SP3“. Von dem Sportflitzer mit 840 PS Motorleistung und einer Höchstgeschwindigkeit von 340 Stundenkilometern wird es nur 599 Stück geben. Bevor das Auto überhaupt offiziell vorgestellt wurde, sind bereits alle Fahrzeuge verkauft – zum Preis von rund zwei Millionen Euro pro Stück. Im Schnitt kostet ein Ferrari normalerweise 300.000 Euro.

An diesem Donnerstag machte der neue Chef des italienischen Autobauers dann auch klar, dass Verbrenner noch sehr lange eine Rolle spielen werden: Ab 2026 soll das Angebot noch immer zu 40 Prozent aus Verbrennern bestehen, 60 Prozent seien Hybrid- und Elektroautos, kündigte Benedetto Vigna beim Kapitalmarkttag in Maranello an. Derzeit fahren rund 20 Prozent der Ferraris mit Hybridmotor, der erste vollelektrische Sportwagen soll 2025 auf den Markt kommen. Die Verbrenner seien für die Marke ein „essenzieller Bestandteil der Tradition“.

Selbst für das Jahr 2030 plant man daher noch weiter mit den klassischen Motoren – dann allerdings soll ihr Anteil auf 20 Prozent geschrumpft sein. Hybride und reine E-Motoren sollen dann jeweils 40 Prozent ausmachen.

Auch wenn das EU-Parlament vor gut einer Woche für ein Verbrennerverbot für alle neu zugelassenen Autos ab 2035 gestimmt hat: Die italienische Regierung hat – auch nach massivem Druck der Hersteller – ein Schlupfloch für seine Sportwagenhersteller verhandelt. 1000 Verbrenner pro Jahr dürfen Ferrari, Lamborghini, Maserati und Co. auch nach 2035 noch bauen.

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    Im vergangenen Jahr produzierte Ferrari 11.000 Autos. Die Transformation bleibt ein Kraftakt historischen Ausmaßes. Und der soll Vigna gelingen, der erst im September vergangenen Jahres nach Maranello kam.

    Ferrari will auch weiterhin auf Verbrennermotoren setzen. Reuters

    Ferrari SF90 Hybrid Sportwagen in Zürich

    Ferrari will auch weiterhin auf Verbrennermotoren setzen.

    Der 53-Jährige ist Physiker und hat 25 Jahre beim Halbleiterhersteller STMicroelectronis gearbeitet, der unter anderen auch Chips für Autohersteller auf der ganzen Welt produziert. Zuletzt war Vigna Chef der Analogchip- und Sensorensparte.

    Ein Erfinder und Tüftler in Ferraris Chefetage

    Man brauche in diesen Zeiten einen CEO mit einem „tiefen Wissen über die Technologien“, die gerade nicht nur die Automobilindustrie verändern, sondern auch den Rest der Welt, erklärte Ferraris Verwaltungsratschef John Elkann vor den Investoren.

    Vigna ist ein Tüftler und Erfinder, hält mehr als 200 Patente, etwa in der Mikromechanik. So konzipierte er unter anderem einen 3D-Bewegungssensor, der mal für Airbags gedacht war, später aber in der Nintendo-Spielkonsole Wii verbaut wurde.

    Vigna gab sich auch ob der Zahlen optimistisch. Man habe alle Ziele erreicht, die man sich 2018 gesetzt hatte – „und das trotz der Pandemie“. War das Geschäft zu Beginn der Coronakrise eingebrochen, hat es sich mittlerweile stark erholt. Ferraris Umsatz soll in diesem Jahr um eine halbe Milliarde auf 4,8 Milliarden Euro steigen. Der bereinigte Gewinn soll auf 1,65 bis 1,7 Milliarden Euro klettern – 2021 lag dieser Wert bei 1,53 Milliarden Euro. Die Marge – eine der höchsten in der gesamten Automobilbranche – wird daher etwas schrumpfen, liegt aber immer noch bei mehr als 35 Prozent.

    15 neue Modelle kündigte Vigna für die kommenden vier Jahre an. Ein selbstfahrendes Auto wird aber nicht dabei sein. Die künftigen Modelle würden mit vielen Sensoren und Prozessoren bestückt, die das Fahrgefühl verbessern sollen. „Aber diese werden nicht genutzt, um einen autonomen Ferrari zu schaffen.“

    Auch für die Aktionäre konnte Vigna gute Nachrichten verkünden: Bis 2026 sollen die Dividendenzahlungen erhöht und Aktien im Wert von zwei Milliarden Euro zurückgekauft werden.

    Ferraris größter Konkurrent auf dem Heimatmarkt, die zum Volkswagen-Konzern gehörende Marke Lamborghini, geht einen anderen Weg: Sie will sich bis 2025 vom klassischen Verbrenner verabschieden und die Technologie höchstens noch mit synthetischen Kraftstoffen anbieten; die gesamte Modellpalette soll auf Hybrid umgestellt werden. Einen E-Lambo soll es auch geben – ab dem Jahr 2028.

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