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30.05.2018

13:57 Uhr

Start-up Taxify

Daimler steigt bei Uber-Konkurrent aus Estland ein

VonHelmut Steuer

Der Fahrdienstvermittler Taxify sichert sich in einer neuen Finanzierungsrunde einen dreistelligen Millionenbetrag – den Großteil von Daimler.

Der Taxify-Gründer kann auf die finanzielle Unterstützung von Daimler zählen. Reuters

Markus Villig

Der Taxify-Gründer kann auf die finanzielle Unterstützung von Daimler zählen.

StockholmDer Kampf um die Vormachtstellung bei den Mobilitätsanbietern geht in die nächste Runde: Daimler Mobility Services, eine Tochter des Autobauers für Mobilitätsdienste, wird sich an dem estnischen Uber-Konkurrenten Taxify beteiligen.

Wie beide Unternehmen am Mittwoch bekanntgaben, ist der Stuttgarter Autokonzern bei einer Finanzierungsrunde über insgesamt 175 Millionen Dollar der größte Investor.

Obwohl die beiden Unternehmen keine Einzelheiten nannten, soll sich Daimler nach Medienberichten in Estland mit rund 100 Millionen Dollar an Taxify beteiligt haben und auch einen Sitz im Aufsichtsrat des Unternehmens erhalten.

An welchen Start-ups Daimler beteiligt ist

Januar 2012: Mytaxi

Der Taxivermittler um Gründer Niclaus Mewes gehörte zu den frühen Investments von Daimler und vermittelt heute 100.000 Taxifahrer in rund 50 Städten. Im September 2014 übernahm Daimler komplett das Steuer, im Dezember 2016 wurde Mytaxi mit Hailo fusioniert.

September 2013 - Flixbus

200.000 Verbindungen, 1200 Ziele in 26 Ländern – Flixbus ist im deutschen Busmarkt unangefochtener Marktführer. Seit einigen Jahren ist Daimler mit einem Minderheitsanteil am Erfolg beteiligt.

Dezember 2013 - Blacklane

In 50 Ländern weltweit vermittelt Blacklane Limousinenfahrten zum Festpreis. 2016 wurde die Beteiligung um einen zweistelligen Millionenbetrag aufgestockt.

September 2014 - Ridescout

Die US-Amerikaner hatten eine App entwickelt, die in knapp 70 Städten Nordamerikas den besten Weg von A nach B aufzeigt. 2016, zwei Jahre nach der Übernahme, wurde das Unternehmen mit der weiteren Daimler-Beteiligung Globe Sherpa fusioniert.

Juni 2015 - Globe Sherpa

Das US-Start-up aus Portland, Oregon, hatte sich vor der Übernahme auf digitale Tickets spezialisiert. Mittlerweile wurde das Unternehmen verschmolzen mit dem Fahrtenvermittler Ridescout.

Februar 2017 - Taxibeat

Um das Wachstum von Mytaxi zu beschleunigen, darf die Daimler-Tochter weitere Konkurrenten übernehmen. Es beginnt mit Taxibeat in Griechenland. Einer App mit 8000 Taxifahrern und rund 540.000 Kunden.

Juni 2017 - Clevertaxi

Die Einkaufstour setzt sich in Rumänien fort, wo Mytaxi den örtlichen Konkurrenten übernimmt, der auf 17.000 registrierte Fahrer und 600.000 Nutzer kommt. 

Juni 2017 - Careem

Der Fahrdienst im Nahen Osten, der 2012 von zwei McKinsey-Beratern gegründet wurde, vermittelt Fahrten in 53 Städten des Mittleren Ostens, Nordafrika und Südasien. Auch Daimler war Teil einer 500-Millionen-Dollar-schweren Finanzierungsrunde.

August 2017 - Familonet

Die Ortungsapp aus Hamburg gehört seit diesem Jahr zum Start-up-Reich von Daimler - und soll dabei helfen, die bestehenden Systeme zu verbessern.

August 2017 - Turo

Auch beim privaten Carsharing hat Daimler zugekauft. Auf der Plattform werden Privatfahrzeuge zur Miete vermittelt. Daimler beteiligte sich an einer Finanzierungsrunde des US-Start-ups, die insgesamt 92 Millionen Dollar schwer war. Im Januar 2018 geht die Daimler-Plattform Croove in Turo auf.

Oktober 2017 - Via

Gemeinsam mit dem New Yorker Mobilitätsdienst Via hat Daimler ein Joint Venture gegründet. Schon wenige Monate danach sind die ersten Ergebnisse auch in Deutschland sichtbar. Neue Mitfahr-Vans von Daimler und der BVG in Berlin arbeiten mit der Technologie von Via.

Oktober 2017 - Verimi

Gemeinsam mit etlichen anderen Unternehmen wie der Bundesdruckerei, der Lufthansa und der Telekom gründet Daimler eine Registrierungs-, Identitäts- und Datenplattform

Dezember 2017 - Chauffeur Privé

Der französische Chauffeurdienst mit mehr als 1,5 Millionen Kunden und 18.000 Fahrern der führende Vermittler von Fahrdiensten in Frankreich. Bis 2019 will Daimler den Dienst komplett übernehmen.

Mai 2018: Taxify

Taxify bringt über eine Plattform Fahrer und Kunden zusammen und nimmt dafür eine Provision. Das Unternehmen wurde 2013 in Tallinn gegründet und ist besonders in Europa und Afrika aktiv, in Deutschland allerdings nicht. Eigenen Angaben zufolge hat Taxify weltweit mehr als zehn Millionen Kunden und eine halbe Million Fahrer in 25 Ländern. Zu den größten Investoren zählt auch der chinesische Fahrdienst Didi Chuxing. Seit Mai 2018 ist Daimler beteiligt.

Taxify, das 2013 von dem damals erst 19-jährigen Markus Villig in der estnischen Hauptstadt Tallinn gegründet wurde, ist ein Fahrdienstvermittler. Über eine App verbindet Taxify Fahrer und Kunden. Dafür nimmt das Start-up eine Provision. Der Kunde bucht über die App ein Taxi oder einen privaten Fahrer und kann den Wagen bis zur verabredeten Adresse über sein Smartphone verfolgen. Bezahlt wird die Tour ebenfalls über die App.

In Deutschland ist Taxify noch nicht auf dem Markt. Nach eigenen Angaben nutzen aber bereits mehr als zehn Millionen Kunden in 25 Ländern die App. Dem Vermittlungsdienst haben sich bislang rund eine halbe Million Fahrer angeschlossen.

Neben mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern ist Taxify in Europa in Estland, Frankreich, Lettland, Litauen, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, der Slowakei, Tschechien, der Ukraine und Ungarn auf dem Markt. Auch in Mexiko ist Taxify in drei Städten präsent.

Humane Uber-Alternative?

Im vergangenen Herbst stieg der chinesische Fahrdienstvermittler Didi Chuxing bei den Esten als Investor ein und verstärkte damit den Druck auf den Marktführer Uber. Für einen bislang nicht bekannten Betrag übernahmen die Chinesen rund 13 Prozent von Taxify.

Mit seinem Investment baut Daimler sein Engagement bei Mobilitätsanbietern aus. Über seine Moovel Group ist der Konzern an den Carsharing-Unternehmen Car2Go und Drive Now beteiligt. Außerdem hält Daimler Anteile an dem Taxi-Vermittler MyTaxi, Clever Taxi, Chauffeur Privé und Beat. Zudem hat sich Daimler an Parkplatz-Vermittlungsdiensten beteiligt.

Auch andere Auto-Hersteller haben sich in der letzten Zeit immer stärker bei Mobilitätsdiensten eingekauft. Viele Auto-Konzerne wollen angesichts drohender Fahrverbote in den Innenstädten der Metropolen sowie dem sinkenden Interesse vor allem jüngerer Menschen an einem eigenen Auto rechtzeitig auf Zeiten vorbereiten, in denen sie nicht mehr so viele Privat-Pkw verkaufen können.

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Nicht nur beim Carsharing wollen Daimler und BMW gemeinsame Wege gehen. Auch andere Dienste wie Mytaxi und ParkNow sollen zusammengelegt werden.

Taxify versucht sich als die bessere Uber-Alternative darzustellen. Während der US-Fahrdienstvermittler 25 Prozent Provision von seinen Fahrern kassiert, begnügt sich Taxify mit 15 Prozent. Außerdem schult das Unternehmen seine Fahrer.

Dennoch hat Taxify wie Uber Widerstand in einigen Ländern zu spüren bekommen. So entzog London die Lizenz für Taxify nur kurz nach dem Start in der britischen Hauptstadt. Noch streiten sich die Parteien vor Gericht, und ein Neuanfang steht in den Sternen.

Auch Taxi-Innungen in mehreren europäischen Städten sind auf die Barrikaden gegangen, da Taxify ihrer Meinung nach mit Dumpingpreisen um die Kunden kämpft. So gab es in Paris Demonstrationen gegen das estnische Start-up, und auch in Wien hat die Taxi-Innung Widerstand angekündigt.

Taxify-Gründer Markus Villig gibt sich dennoch optimistisch. „Über kurz oder lang wird sich unsere Idee überall durchsetzen“, erklärte er vor Kurzem.

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Die Autoindustrie ahnt es, das Silicon Valley sagt es voraus: Das Jahr 2017 war der Startschuss für einen epochalen Umbruch der Mobilität. Ein Blick auf drei Kontinente und ein Milliardengeschäft.

Dass Taxify in Estland entwickelt wurde, verwundert nicht: Das kleine baltische Land hat sich seit seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu einem Mekka der Start-up-Szene entwickelt. So wurde auch die Telefon-App Skype in Tallinn entwickelt.

Mit dem Roboterentwickler Starship und dem Fintech-Unternehmen Transferwise gibt es weitere, international erfolgreiche Start-ups aus Estland. Das Land mit den nur 1,3 Millionen Einwohnern gilt zudem als Vorreiter bei der Digitalisierung.

So führte Estland als erstes Land der Welt Parlamentswahlen via Internet ein. Auch kann man als Ausländer einen digitalen Wohnsitz in Estland beantragen und erhält nach polizeilicher Prüfung einen Ausweis. Mit ihm können Unternehmen gegründet, Bankgeschäfte abgewickelt und Dokumente elektronisch unterzeichnet werden.

Taxify-Gründer Markus Villig hofft, dass man in einigen Jahren auch sein Unternehmen zu den Pionieren der globalen Start-up-Szene zählen wird. Nach dem Einstieg von Daimler sind die Chancen dafür auf jeden Fall nicht gesunken. 

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