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11.05.2022

10:43

Stellantis

Opel bekommt erneut einen neuen Chef

Von: Franz Hubik

Der bisherige Vertriebsleiter Florian Huettl folgt auf Uwe Hochgeschurtz, der im Stellantis-Konzern zum CTO in Europa aufsteigt. Ein überraschender Schritt.

Nach weniger als einem Jahr soll der Manager eine neue Position im Stellantis-Konzern übernehmen.

Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz

Nach weniger als einem Jahr soll der Manager eine neue Position im Stellantis-Konzern übernehmen.

München Opel bekommt schon wieder einen neuen Chef. Florian Huettl, der bisherige Leiter für Vertrieb und Marketing bei dem hessischen Autobauer, soll die Führung der Traditionsfirma zum 1. Juni übernehmen. Das teilte der Mutterkonzern Stellantis am Mittwoch mit. Er folgt damit auf Uwe Hochgeschurtz, der erst im September vergangenen Jahres von Renault zu der Marke mit dem Blitz gewechselt war.

Der Schritt ist Teil einer größeren Personalrochade bei Stellantis. Demnach rückt Hochgeschurtz auf und wird neuer Generaldirektor für das Europageschäft bei dem viertgrößten Fahrzeughersteller der Welt. Als Chief Operating Officer für die Region wird sich Hochgeschurtz künftig neben Opel noch um ein ganzes Bündel weiterer Marken kümmern – von Citroën über Fiat bis zu Alfa Romeo.

Für den 59-jährigen Rheinländer ist das ein „großer Karrieresprung“, heißt es intern. Denn Hochgeschurtz wird innerhalb Europas neben dem Vertrieb künftig auch die Produktion diverser Stellantis-Logos verantworten. Der bisherige Europachef von Stellantis, Maxim Picat, wird unterdessen neuer Einkaufschef bei Stellantis und folgt als Ansprechpartner für alle Lieferanten auf Michelle Wen, die aus dem Konzern ausscheidet.

„Die täglichen Herausforderungen und der anhaltend tiefgreifende Wandel in der Automobilindustrie erfordern organisatorische Agilität“, erklärte Stellantis-Chef Carlos Tavares zu den personellen Änderungen. Die Talente des Unternehmens müssten zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Stellen eingesetzt werden. Nach der erfolgreichen Fusion von PSA (Peugeot, Citroën) und Fiat Chrysler zu Stellantis vor fast eineinhalb Jahren stünden die nun erfolgten Ernennungen für die „kühnen Ambitionen“ des Konzerns.

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    Bei Opel wurden selbst viele Topmanager am Mittwochmorgen von den Ankündigungen des Stellantis-Chefs Tavares kalt erwischt, verlautet aus Konzernkreisen. „Wir sind alle überrascht worden“, sagt eine Führungskraft. Darüber hinaus muss der Aufsichtsrat von Opel der Ernennung von Florian Huettl zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung in Rüsselsheim noch zustimmen.

    Huettl arbeitete 20 Jahre lang bei Renault

    Huettl rückte erst im März vom Leiter des Vertriebs in Europa zum globalen Verkaufschef von Opel auf. Nun soll der Manager die gesamte Marke sowie die britische Tochterfirma Vauxhall führen. Huettl hatte zuvor 20 Jahre lang bei Renault gearbeitet, unter anderem in Frankreich, Russland und der Schweiz. Er hat an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach studiert und einen Bachelorabschluss in International Business Management.

    Bei Opel ist Huettl noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Der 45-Jährige ist kein halbes Jahr im Unternehmen. Seine Berufung zeige, dass Opel „keine echte Bedeutung mehr als eigenständiges Unternehmen hat“, konstatiert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR). Der nach Mercedes-Benz zweitälteste Fahrzeughersteller Deutschlands sei nur noch eine Marke neben 13 weiteren im Stellantis-Konzern.

    Zugleich können Opel-Manager bei dem Mega-Konzern durchaus Karriere machen, wie Uwe Hochgeschurtz gerade zeigt. Der gebürtige Kölner ist Vertriebsprofi durch und durch. Er hat Betriebswirtschaft studiert und für Ford und VW gearbeitet. Der begeisterte Rennradfahrer hat sich aber vor allem als Deutschland-Chef von Renault einen Namen gemacht und den Marktanteil der Franzosen hierzulande zwischen 2015 und 2020 von fünf auf deutlich über sechs Prozent ausgebaut. Das blieb in der Branche nicht unbemerkt.

    Als Michael Lohscheller im Sommer vergangenen Jahres als Opel-Chef entnervt hinschmiss – unter anderem, weil er den Durchgriff auf die eigene Entwicklungsabteilung verloren hatte –, entschied sich Stellantis-CEO Tavares schnell für Hochgeschurtz als Nachfolger. Und der begeisterte Fan des 1. FC Köln hat den Portugiesen mit französischem Pass sichtlich beeindruckt.

    Peugeot-Mentalität ist bei Stellantis nach wie vor tonangebend

    Ohnedies fügt sich Hochgeschurtz, der als loyale und gewissenhafte Fachkraft gilt, bestens in die streng hierarchische Stellantis-Organisation. Während Lohscheller stets einen größeren gestalterischen Anspruch hegte, gibt sich Hochgeschurtz im Zweifel auch mit weniger zufrieden.

    Zudem spricht der Manager neben Deutsch und Englisch auch fließend Französisch. Das erleichtert den Austausch. So international sich Stellantis auch inszeniert, die französische Peugeot-Mentalität ist in dem Unternehmen nach wie vor tonangebend. Nur wer sich da einfühlen kann, kommt am Ende weiter.

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