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08.12.2021

16:59

Studie

VW-Shuttle Moia will das Auto ersetzen – hat bislang aber nur minimalen Anteil am Verkehrsmix

Von: Christoph Kapalschinski

Shuttlebusse könnten Menschen dazu bringen, ihr eigenes Auto stehen zu lassen, zeigt eine neue Studie. Doch bislang ist die Bereitschaft noch sehr gering.

VW-Shuttle Moia: Busse sollen das eigene Auto ersetzen dpa

Sammeltaxi-Anbieter Moia in Hamburg

Die Shuttle-Busse von Volkswagen sollen für Entlastung im Straßenverkehr sorgen.

Hamburg Es wimmelt wie im Ameisenhaufen: Eine Simulation zeigt, wie Volkswagens Shuttleexperiment Moia im Idealfall aussehen könnte. Über die Stadtkarte von Hamburg auf dem Computertisch bewegen sich in allen größeren Straßenzügen Pünktchen, die einen der Kleinbusse darstellen. Im Extremszenario sind es 5000. Die Hamburger würden dann drei Prozent aller Wege mit Moia zurücklegen, zahlreiche Menschen ihr Privatauto abschaffen.

Volkswagen hat Forscher des Karlsruher KIT und von der TU München beauftragt, das vor drei Jahren gestartete Shuttlesystem wissenschaftlich zu begleiten. Sie sollten belegen, dass die per App bestellbaren geteilten Fahrten das Verkehrssystem entlasten.

Die Forscher haben in der am Mittwoch vorgestellten Studie geliefert: Vor allem dann, wenn Moia deutlich mehr Busse einsetzen würde als heute und zugleich dank autonomen Fahrens die Kosten pro Fahrt senke, könnte das System Autofahrten ersetzen und zugleich Bus und Bahn stärken. Das könne die Verkehrswende beschleunigen.

Allerdings nehmen die Forscher für das Idealszenario auch an, dass die Politik zugleich den innerstädtischen Autoverkehr etwa durch Fahrverbote, Tempolimits und weniger Parkplätze spürbar verlangsamt.

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Standort erkennen

    „Die Verkehrsforschung zeigt: Das Verhalten der Menschen lässt sich nur schwer verändern“, warnte KIT-Verkehrsforscher Martin Kagerbauer vor zu hohen Erwartungen. So sind die Ergebnisse für den Ist-Zustand ernüchternd: Mit derzeit 250 Shuttlebussen kommt Moia gerade einmal auf einen Anteil im Verkehrsmix von 0,1 Prozent – und das, obwohl die E-Shuttles im Stadtbild bereits sehr präsent sind. Immerhin zeigen die Forscher, dass die Shuttles Bus und Bahn nicht kannibalisieren.

    Heterogene Nutzerschaft

    Aus der Befragung von fast 12.000 Nutzern schließen sie, dass die Moia-Nutzer häufiger Verkehrsmittel kombinieren – etwa für eine Fahrt mit der U-Bahn zum Restaurant und mit einem Moia zurück. Dabei nutzen die meisten Menschen den Shuttle, dessen Preis zwischen Bahnticket und Taxi liegt, nur gelegentlich.

    Vor allem in den Abendstunden ist die Nachfrage hoch. Die Nutzerschaft entspricht nicht den üblichen frühen Entdeckern von Innovationen wie etwa E-Rollern: Mit durchschnittlich 41 Jahren ist die Nutzerschaft vergleichsweise alt. Die strittige Frage, ob Moia Taxis verdrängt, streift die Studie nur: Bislang sei das nicht der Fall.

    Nachdem Moia das Angebot in der Coronazeit reduziert hat, solle der Service nun wieder präsenter werden, versprach Moia-Sprecher Christoph Ziegenmeyer. In den kommenden Monaten sollten schrittweise bis zu 500 Busse unterwegs sein. Mehr hat die Stadt bislang für den Verkehrsversuch nicht genehmigt.

    Doch VW denkt schon weiter: Seit Oktober laufen Vermessungsfahrten, um perspektivisch in einem kleinen Teil der Stadt autonom fahren zu können. Schließlich zeige die Studie, dass ein niedrigerer Fahrpreis mehr Menschen in die Shuttlefahrzeuge locken könnte.

    Bei ihren Zukunftsplänen erhält die VW-Tochter Rückendeckung vonseiten der Politik. Diese werde „die Entwicklung von Moia auch in den kommenden Monaten und Jahren begleiten“, versprach Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks im Vorwort zur Studie. Der Grünen-Politiker müsste dafür die Genehmigung verlängern.

    Für Volkswagen ist das bislang eigenständig finanzierte Moia bislang ein deutliches Zuschussgeschäft, für das eigens Software und Busse entwickelt wurden. Es soll die Chancen neuer Mobilitätsdienstleistungen und autonomer Angebote ausloten.

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