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05.04.2017

13:27 Uhr

Syngenta und Chemchina

Kartellwächter geben grünes Licht für Milliardenfusion

Der Schweizer Agrochemiekonzerne Syngenta und Chemchina können ihre 43 Milliarden Dollar schwere Fusion zum Abschluss bringen. Kartellwächter in der EU und den USA stimmten dem Geschäft unter Auflagen zu.

Die Fusion zwischen dem Staatskonzern und Syngenta ist der bislang größte Auslandszukauf eines chinesischen Unternehmens. AP

Chem China

Die Fusion zwischen dem Staatskonzern und Syngenta ist der bislang größte Auslandszukauf eines chinesischen Unternehmens.

Brüssel/ZürichDer bislang größte Auslandszukauf eines chinesischen Unternehmens hat zwei wichtige Hürden genommen und ist auf Kurs zum Vollzug im zweiten Quartal. Die Kartellwächter der Europäischen Union und der USA genehmigten die 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta durch Chemchina unter Auflagen. Der Deal stehe unter dem Vorbehalt, dass der Staatskonzern wesentliche Teile seines europäischen Geschäfts mit Pflanzenschutzmitteln und Wachstumsreglern veräußert, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit.

„Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Abschluss der Transaktion, der im zweiten Quartal 2017 erwartet wird“, kommentierte Syngenta zur EU-Entscheidung. Die beiden Firmen waren bei den EU-Kartellwächtern zunächst auf Skepsis gestoßen. Sie sahen angesichts der laufenden Konsolidierungswelle in der weltweiten Pflanzenschutz- und Saatgutbranche ein Risiko, dass die Transaktion zu höheren Preisen und geringerer Auswahl für die Bauern führen könnte und leiteten eine vertiefte Prüfung ein.

So will Bayer den US-Konzern Monsanto schlucken und die US-Chemieriesen DuPont und Dow Chemical stehen vor dem Zusammenschluss. Kommen alle diese Transaktionen zustande, teilen sich zusammen mit BASF vier Riesen den Markt weltweit auf.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

„Chemchina hat umfangreiche Abhilfemaßnahmen angeboten, mit denen unsere Wettbewerbsbedenken ganz ausgeräumt werden“, erklärte die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager. „Daher konnten wir den Zusammenschluss genehmigen.“ In der Nacht auf Mittwoch hatte bereits die US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) dem Deal unter Auflagen zugestimmt.

Einem Syngenta-Sprecher zufolge läuft in China, Indien und Mexiko die Prüfung des Deals durch die Behörden noch. Ursprünglich wollten Chemchina und Syngenta die vor mehr als einem Jahr angekündigte Transaktion bereits Ende 2016 in trockenen Tüchern haben.

An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an. Die Syngenta-Aktien stiegen um 1,2 Prozent auf 452,80 Franken. Sie kosten an der Börse allerdings weiterhin deutlich weniger als Chemchina offeriert: 465 Franken je Aktie plus eine Sonderdividende von fünf Franken je Titel beim Abschluss der Transaktion. Das verdeutliche die noch immer bestehende Skepsis der Anleger, sagte ein Börsenhändler.

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rtr

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