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01.07.2022

15:26

Technologiekonzern

Eine Milliardenabschreibung stört die große Digital-Feier des Siemens-Chefs

Von: Axel Höpner

Roland Busch wirbt bei den Beschäftigten für seine neue Digitalstrategie. Nun muss er genug Partner für die „Xcelerator“-Plattform finden.

Der Siemens-CEO muss sich kurzfristig noch mit einigen Altlasten befassen. Reuters

Roland Busch

Der Siemens-CEO muss sich kurzfristig noch mit einigen Altlasten befassen.

München Nach der Verkündung seiner neuen Strategie schaute Roland Busch weit voraus. „In einigen Jahren werden wir auf diese Zeit zurückblicken als einen entscheidenden Moment in unserer Unternehmensgeschichte“, schrieb der Siemens-Chef in einer E-Mail an die Mitarbeiter. Mithilfe der neuen Digitalplattform „Xcelerator“ wolle der Traditionskonzern „das führende Technologieunternehmen werden für alle Branchen, in denen wir aktiv sind – nicht nur heute, sondern auch in Zukunft“.

Doch kurzfristig muss sich Busch noch mit Altlasten beschäftigten. Der Technologiekonzern muss 2,8 Milliarden Euro auf seine Beteiligung an Siemens Energy abschreiben. Der Aktienkurs, den der Siemens-Chef mithilfe seiner neuen Digitalstrategie auf das Niveau der führenden IT-Konzerne dieser Welt heben will, gab am Freitag zeitweise um zwei Prozent auf 95 Euro nach.

Doch das, sind Busch und sein Umfeld überzeugt, ist nur eine Momentaufnahme. Es sei ärgerlich, dass es bei Siemens Energy in den vergangenen Monaten immer wieder negative Überraschungen gegeben habe, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Abschreibung sei angesichts des Kursverfalls bei der Energietechnik-Abspaltung allerdings absehbar und unvermeidlich gewesen.

Die Jahresprognose für den Nettogewinn wackelt bei Siemens nun. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 (30. September) sind damit auch rote Zahlen möglich. Denn Analysten hatten zuvor im Schnitt mit etwa 1,5 Milliarden Euro Quartalsgewinn gerechnet. Details soll es im August geben.

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    Doch wichtiger für Busch als die Kapitalmärkte ist die neue Digitalstrategie. Diese löste an der Börse zumindest keine Euphorie aus. Neue Umsatz- oder Margenziele gab Busch nicht aus. Der „Xcelerator“, eine Mischung aus Marktplatz und offenem Ökosystem, soll helfen, das versprochene Wachstum von mehr als zehn Prozent in den nächsten Jahren zu erreichen. Die große Präsentation am Mittwoch war vor allem an die Kunden gerichtet, die die Plattform nun mit Leben füllen sollen. So eine Plattform müsse schnell skalieren, heißt es in Unternehmenskreisen.

    Genauso wichtig ist, dass die Mitarbeiter mitziehen. Zwar soll es keine strukturellen Veränderungen in der Siemens-Organisation geben. Diese hat in den vergangenen Jahren ausreichend Umbauten hinter sich. Doch verändert „Xcelerator“ den Vertrieb radikal. Verkauft werden sollen weniger einzelne Produkte als vielmehr Soft- und Hardwaremodule sowie Lösungen über Geschäftsgrenzen hinaus. „Für den Erfolg braucht es uns alle“, beschwor Busch die Mannschaft.

    Digitale Zwillinge von Fabriken im Metaversum

    Kernstück der neuen Plattform ist der digitale Zwilling, den Siemens mit dem neuen Partner Nvidia optimieren will. Wie das laufen soll, erläuterte Busch in seinem Mitarbeiterbrief am Beispiel einer Fabrik in China, in der die Produktion zurückgeht. „Der Betreiber weiß nicht warum.“ Das Team könnte sich im Metaversum treffen, dem digitalen Zwilling der Produktionsstätte in Echtzeit.

    Xcelerator von Siemens und Nvidia

    Unternehmen ins „Metaversum“ bringen

    Siemens und Nvidia wollen Off- und Onlinewelt verbinden.

    Sie könnten die Uhr zurückdrehen bis zu dem Zeitpunkt, als die Fabrikleistung noch optimal war, schreibt Busch. „Dabei entdecken sie die Ursache – bei einem der Roboter fehlt ein Software-Update.“ Nach einem virtuellen Update könnte das Team den Roboter zuerst im digitalen Zwilling testen – und erst bei Erfolg in der Realität aufspielen.

    Wie schnell damit Zusatzeinnahmen generiert werden, ließ Busch offen. Es gehe bei Plattformen zunächst um Skalierung und dann erst um Monetarisierung. Nvidia-CEO Jensen Huang zumindest, der um große Worte nie verlegen ist, schwärmte, der digitale Zwilling werde zur meistgenutzten Applikation in der industriellen Welt werden.

    Investoren hatten von Busch in den vergangenen Monaten eine konsistente Digitalstrategie gefordert. Denn der Konzern konnte zuletzt zwar gute Wachstumsraten vorlegen. Doch eine Höherbewertung fand nach der Abspaltung der margenschwachen Energietechnik bislang nicht statt. Auch bei Siemens intern hätten sich manche die Verkündung neuer, großer Ziele erhofft, sagt ein Mitarbeiter. Doch das sei nicht die Art von Busch, der lieber liefere, anstatt große Versprechungen zu machen.

    Grafik

    Der Kurs der Siemens-Aktie hat im laufenden Jahr mehr als ein Drittel an Wert verloren und sich damit trotz guter Geschäftszahlen schlechter entwickelt als der Dax. Die Analysten von Jefferies und der Berenberg Bank bestätigten am Freitag ihre Kaufempfehlung.

    Auch bei der Beteiligung am Elektromotoren-Joint Venture mit Valeo habe Siemens Abschreibungen vorgenommen, schrieb Berenberg-Analyst Philip Buller. Beim Verkauf habe man dann aber wieder einen Buchgewinn erzielt. Nicht ausgeschlossen, dass es bei Siemens Energy genauso läuft.

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