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09.03.2023

09:19

Technologiekonzern

Siemens-Konzern baut neues Zugwerk in den USA

Von: Axel Höpner

PremiumSiemens verschiebt seinen Fokus von China in Richtung USA. Den Anfang macht die Mobility-Sparte mit einem 220-Millionen-Dollar-Investment.

Siemens investiert in die Produktion in den USA. Siemens

Zugfertigung in Sacramento

Siemens investiert in die Produktion in den USA.

München Der Siemens-Konzern errichtet im Rahmen seiner neuen US-Offensive in einem ersten Schritt ein Zugwerk in Lexington. „Der US-Markt ist einer der spannendsten weltweit“, sagte Mobility-CEO Michael Peter dem Handelsblatt. „Das ist ein Land so groß wie Europa mit viel weniger Personenverkehr, ein irres Potenzial.“

Gerade entlang der Küsten im Osten und Westen seien viele neue Verbindungen in Planung. Die neue Produktionsstätte an der Ostküste soll bereits im kommenden Jahr in Betrieb gehen und 500 neue Arbeitsplätze schaffen.

Der Technologiekonzern richtet derzeit seinen Fokus stärker auf die USA aus. Siemens-Chef Roland Busch sieht dort auch wegen der Subventionen im Rahmen des „Inflation Reduction Acts“ (IRA) großes Wachstumspotenzial. Seine China-Euphorie ist dagegen wegen der geopolitischen Spannungen deutlich gedämpft.

Besonders große Chancen bietet derzeit der US-Eisenbahnmarkt. „Amerika investiert in die Schiene – und wir investieren in Amerika“, sagte Busch. Der Konzern will zunächst 220 Millionen Dollar in das neue Werk für Personenzüge stecken, eine spätere Erweiterung ist bereits angedacht.

Siemens sieht sich mit einem Anteil von 20 Prozent als Marktführer in den USA, wenn man die Frachtlokomotiven nicht mit einrechnet. „Wir profitieren davon, dass wir die Fertigung früh lokalisiert haben“, sagt Peter. Siemens werde als amerikanisches Unternehmen wahrgenommen und könne auch an staatlichen Programmen partizipieren.

Der Konzern hatte 2021 einen Rekordauftrag vom US-Bahnbetreiber Amtrak über 3,4 Milliarden Dollar erhalten. Peter ist zuversichtlich, dass weitere folgen werden. Bei Streckennetz, Infrastruktur und Zügen gebe es einen großen Nachholbedarf in den USA.

Allerdings kamen in der Vergangenheit viele Projekte nur schleppend voran. Doch inzwischen gibt es Bewegung, zum Beispiel bei der geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Los Angeles und San Francisco. Auch der private Anbieter Brightline West hat große Pläne und hat im Jahr 2021 Absichtserträge unterzeichnet, acht Highspeed-Züge von Siemens Mobility bauen zu lassen.

Grafik

Vor allem republikanische Politiker fordern allerdings immer wieder einmal, das Geld für Zugprojekte lieber in Highways und Flughäfen zu investieren.

Siemens: Neues Zugwerk in Lexington

Doch durch den IRA und weitere Initiativen von US-Präsident Joe Biden kommt nun Bewegung in das Thema. „Ich glaube, dass sich jetzt wirklich etwas bewegt“, sagt Siemens-Manager Peter. Es gebe viele Städtepaarungen, zwischen denen sich Hochgeschwindigkeitsverbindungen rechnen würden. Das neue Werk wird in Lexington (North Carolina) errichtet. Es soll mit modernster Automatisierungstechnik ausgestattet werden, vom Roboterschweißen bis zum 3D-Druck.

In North Carolina freut man sich über das Investment des deutschen Konzerns. Gouverneur Roy Cooper sagte: „Dank der qualifizierten Arbeitskräfte in unserem Bundesstaat und der bewährten Bildungs- und Ausbildungssysteme, die den Menschen helfen, diese Fähigkeiten auf- und auszubauen, ist North Carolina der beste Staat für Produktion.“

Mitch Landrieu, Koordinator für die Umsetzung der Infrastruktur im Weißen Haus, ergänzte: Die Ankündigung von Siemens sei ein Beweis dafür, dass „wir ein besseres Amerika gestalten können, wenn der öffentliche und der private Sektor zusammenarbeiten – angetrieben von einem nachhaltigen Nahverkehrssystem von Weltklasse, das es Familien leichter macht miteinander Zeit zu verbringen, einer heimischen Produktion, die unsere globale Wettbewerbsfähigkeit stärkt, und gut bezahlten Arbeitsplätzen für alle.“

Lanxess, Bosch, Exyte: Auch andere deutsche Unternehmen wollen in den USA verstärkt investieren

Viele deutsche Unternehmen haben derzeit Expansionspläne in Nordamerika. „Gerade bei der Industrie stehen die USA hoch im Kurs“, sagt Marcus Berret, Global Managing Director bei der Strategieberatung Roland Berger. Das Umfeld sei schon jetzt attraktiv mit den niedrigeren Energiepreisen und einem großen, wachsenden Absatzmarkt. Nun komme der IRA noch hinzu.

Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wollen fast 40 Prozent der deutschen Unternehmen in den kommenden Monaten höhere Investitionen in den USA tätigen. Entsprechende Pläne haben zum Beispiel Lanxess, Bosch und der Anlagenbauer Exyte verkündet.

Doch für Mobility bleiben auch andere Regionen wichtig. Im Januar hatte die staatliche indische Bahngesellschaft Indian Railways 1200 Elektroloks bestellt. Einschließlich Service hat dieser Vertrag ein Volumen von drei Milliarden Euro.

Die Siemens-Geschäfte werden in den kommenden Jahren durch die vollen Auftragsbücher in der Mobility-Sparte stabilisiert. Zuletzt boomte bei dem Technologiekonzern insbesondere das konjunktursensible Geschäft mit der Industrieautomatisierung.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2022/23 (30. September) sank der Auftragseingang in der Sparte Digital Industries allerdings um 13 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Zwar rechnen Konzerninsider nicht mit einem richtigen Abschwung, die Geschäfte werden aber nicht einfacher.

Siemens prüft den Aufbau von weiterer Fertigung in den USA

In der Zugtechnik gingen die neuen Aufträge zwar auch deutlich auf knapp drei Milliarden Euro zurück. Das lag aber allein an Rekordbestellungen im Vorjahreszeitraum. Die neuen Aufträge lagen klar über dem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro, was weiteres Wachstum verspricht. Die Zugbestellungen werden über viele Jahre abgearbeitet, während die Aufträge in der Automatisierung deutlich schneller umgesetzt werden.

Doch auch in der Automatisierungstechnik prüft der Konzern den Bau eines Werks in den USA, wie das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen erfuhr. Da dort viele Unternehmen wie Siemens neue Fertigungsstätten planen, wird auch der Markt für die Fabrikausrüstung zum Beispiel mit Simatic-Steuerungen wachsen. Zudem will Siemens schon länger dem US-Konkurrenten Rockwell Automation auf dessen Heimatmarkt Anteile abnehmen.

Erstpublikation: 07.03.2023, 18:16 Uhr.

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