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10.01.2019

14:44

Tesla in Norwegen

Ausgerechnet im Ölstaat Norwegen sind Stromautos Mainstream

Von: Helmut Steuer

Von wegen Nische: Im Norden Europas gehören Tesla und Co. zum Massenmarkt. Wie konnte es dazu kommen?

Ein Tesla Model S in den Straßen von Oslo. Bloomberg

Elektrischer Antrieb

Ein Tesla Model S in den Straßen von Oslo.

OsloDer Tesla-Anteil in Norwegen dürfte 2019 weiter steigen. Denn obwohl Tesla selbst keine offiziellen Zahlen nennt, schätzte der norwegische Rundfunk NRK, dass es für das neue Tesla-Model 3 rund 10.000 Vorbestellungen aus Norwegen gibt.

Selbst das für E-Autos nicht sonderlich günstige Klima mit Wintertemperaturen, die schon einmal bei –20 Grad liegen können, hat dem Erfolg der reinen Stromer keinen Abbruch getan. Zwar sinkt die Reichweite bei Kälte deutlich, doch beim Verband der E-Autobesitzer gibt man sich gelassen: Tests hätten gezeigt, dass vor allem die Nutzung der Heizung die Reichweite reduziert.

„Wenn man das weiß und die Wärmezufuhr etwas begrenzt, kann man die praktische Reichweite deutlich verlängern“, heißt es beim Verband.

In der inoffiziellen Welthauptstadt des Elektroautos, in Oslo, ist man trotz der imposanten Zahlen noch nicht zufrieden. „Wir wollen mehr“, sagt Lan Marie Nguyen Berg, Stadträtin in der Hauptstadt und verantwortlich für Umwelt und Transport. Tatsächlich will die Stadtregierung von Oslo Autos ganz unabhängig von ihrem Antrieb schrittweise komplett von den Straßen der Hauptstadt verbannen.

Der öffentliche Nahverkehr soll ebenfalls grüner werden. Dazu plant das staatliche Busunternehmen Ruter AS, das für den öffentlichen Nahverkehr in Oslo und Umgebung verantwortlich ist, derzeit für die Umstellung auf Elektrobusse.

„Der Busverkehr steht für einen großen Teil der Schadstoffemissionen in Oslo, deshalb müssen wir etwas verändern“, sagt Jon Stenslet, bei Ruter für das Projekt „E-Busse“ verantwortlich. In zwei Jahren, so hofft er, werden in der Hauptstadt nur noch Busse mit Elektroantrieb verkehren.

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Dass Oslo den Innenstadtbereich vom Autoverkehr befreien und neue Benzin- und Dieselwagen ab 2025 gar nicht mehr zulassen will, ist nicht verwunderlich. Norwegen gilt als Vorreiter, wenn es um Klimaschutz geht. Obwohl das Land einer der größten Öl- und Gasförderer der Welt ist, unterhält es keine eigenen fossilen Kraftwerke. Die schädlichen CO2-Emissionen werden lieber exportiert, kritisiert Umweltaktivist Frederic Hauge.

Norwegen selbst bezieht seinen eigenen Strom fast ausschließlich aus Wasserkraft. Das bedeutet auch: Der Strom, mit dem die norwegischen Elektroautos aufgeladen werden, verursacht keine Emissionen bei der Herstellung.

Bis heute müssen E-Auto-Käufer weder die 25-prozentige Mehrwertsteuer zahlen noch Mautgebühren. Auch von der Kraftfahrzeugsteuer ist der Elektro-Käufer bislang befreit. Außerdem erhalten die aufgrund der Batterien sehr schweren Elektrowagen einen 50-prozentigen Rabatt auf die in Norwegen geltende Gewichtssteuer.

Dieses Subventionspaket der norwegischen Regierung führt dazu, dass ein Elektro-Golf von Volkswagen, in Deutschland praktisch unverkäuflich, in Norwegen günstiger ist als sein konventionell angetriebener Bruder.

Außerdem dürfen Fahrer von Elektroautos in vielen norwegischen Städten die Busspuren benutzen, können kostenlos parken und einige der Fährverbindungen zu den Inseln umsonst benutzen. Dass es dann auch noch ein weit ausgebautes Netz von weit über 8.500 Ladestationen gibt, macht den Kauf eines Elektroautos noch attraktiver.

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Experten haben errechnet, dass der Käufer eines in Norwegen rund 70.000 Euro teuren Teslas gegenüber einem gleichteuren Verbrenner jährlich rund 7.000  Euro durch Steuervergünstigungen und den Wegfall von Benzinkosten, Maut- und Parkgebühren einspart.

Die Privilegien für Käufer von Elektroautos sind für den Staat allerdings nicht billig: Allein die Steuervorteile kosteten 2018 umgerechnet fast 470 Millionen Euro. Auch deshalb sind die goldenen Zeiten für Käufer von Elektroautos in Norwegen mittlerweile nicht mehr ganz so golden. Seit diesem Jahr müssen Käufer eines Teslas, eines Nissan Leaf oder eines E-Golf wieder 50 Prozent der Kfz-Steuer zahlen. Auch die Befreiung von der 25-prozentigen Mehrwertsteuer soll nach dem Willen der Koalition in Oslo schrittweise wegfallen.

Besteht da nicht die Gefahr, dass das Interesse an E-Autos schlagartig abnimmt? „Nein“, ist sich Hauge sicher. „Die meisten Menschen haben die Vorteile von Elektroautos entdeckt.“ So wie Hauge, wenn er dem Besucher seinen neuen Tesla X vorführt und ohne Vorwarnung kräftig das Gaspedal runterdrückt.

„In 3,5 Sekunden auf 100“, sagt Hauge und schaut verschmitzt zum erschrockenen Beifahrer rüber. „Es hat fast zwei Jahrzehnte gedauert, bis sich das E-Auto durchgesetzt hat“, gibt er zu bedenken. „Erst seit Kurzem ist ein Tesla nichts Besonderes mehr.“

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Hauge betont gerne, dass er einst das erste Exemplar dieser Marke in Norwegen fuhr. Aber eigentlich begann die Geschichte, lange bevor Elon Musk den ersten Tesla vorstellte. 1988 importierte Hauge zusammen mit Morten Harket von der norwegischen 80er-Jahre-Band „A-ha“ das erste Elektroauto. „Ein Schuhkarton“, wie Hauge heute sagt. Das Gefährt, von amerikanischen Bastlern konzipiert, erregte in Norwegen sogleich großes Aufsehen.

Auch bei der Polizei. „Wir benutzten jeden Tag die Busspuren in Oslo, bekamen Strafmandate, auf die wir nicht reagierten“, erzählt der Umweltaktivist. Schließlich kam die Sache vor Gericht. Genau das, was der Bellona-Gründer erreichen wollte. „Wir bekamen in den Medien enorme Aufmerksamkeit, plötzlich sprachen alle von elektrisch angetriebenen Autos.“ Eine Strafe musste Hauge dennoch zahlen, aber das war es ihm wert.

Kommentare (1)

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Herr josef mitterer

11.01.2019, 11:50 Uhr

schlaue Menschen. das dreckige Öl da lassen, wo es ist.

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