Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

23.11.2022

14:17

Tesla-Ladestationen

Warum Elon Musk juristisch gegen den deutschen Tesla-Konkurrent Wirelane vorgeht

Von: Axel Höpner

Der Wirelane-Gründer warnte Hotels und andere Kunden vor ungeeichten Tesla-Ladestationen – und bot stattdessen die eigenen an. Der US-Autobauer schickte ihm nun eine Abmahnung.

Viele Ladesäulen sind nicht mit dem deutschen Eichrecht konform. IMAGO/Arnulf Hettrich

Tesla-Auto an der Ladesäule

Viele Ladesäulen sind nicht mit dem deutschen Eichrecht konform.

München Als Constantin Schwaab 2013 als einer der allerersten Deutschen das brandneue Model S kaufte, bekam er das Elektroauto von Tesla-Gründer Elon Musk bei einer Veranstaltung in München persönlich überreicht. „Ich war ein echter Fanboy“, erinnert sich der spätere Gründer des Ladesäulen-Spezialisten Wirelane.

Doch kürzlich bekam der Unternehmer unerfreuliche Post. Tesla wirft ihm in einer Abmahnung Rufschädigung vor. Notfalls werde man einen Unterlassungsanspruch gerichtlich durchsetzen. Tesla wollte sich auf Anfrage nicht weiter äußern zu den Vorwürfen, die man gegen Wirelane erhebt.

Der Streit dreht sich um das deutsche Eichrecht. Tesla-Säulen, die Strom nach Kilowattstunde abrechnen, sind eigentlich nicht zulässig. Denn sie entsprechen nicht dem deutschen Eichrecht, wie das Handelsblatt im Sommer bekannt machte.

Hierzulande muss jede Ladesäule, an der Ladestrom nach Kilowattstunde abgerechnet wird, einen eichrechtskonformen Zähler haben. Viele ältere Säulen, an denen Kunden bislang kostenlos laden konnten, sind nicht geeicht – daher ist eine Umstellung auf Abrechnung nicht möglich.

Wirelane warnte Kunden vor Tesla-Ladestationen

Darauf hatte Schwaab im Sommer seine Kunden hingewiesen, wie zum Beispiel Hoteliers, die auch eine Tesla-Wallbox in ihrer Tiefgarage haben. „Bei den aktuellen Strompreisen verschenken viele Hoteliers mit Tesla Destination Chargern jährlich Strom im Wert von mehr als 10.000 Euro – oder rechnen ihre Ladetransaktionen nicht eichrechtskonform ab“, schrieb er darin.

Der Wirelane-Gründer hat juristischen Ärger mit Tesla. WIrelane

Constantin Schwaab

Der Wirelane-Gründer hat juristischen Ärger mit Tesla.

Eine Lösung bot er auch gleich an: Man könne die „veralteten Tesla Destination Charger gegen moderne, eichrechtskonforme Wirelane-Ladepunkte“ austauschen.

Die sogenannten „Wall Connectors“ von Tesla sind zum Beispiel an Restaurants oder Hotels angebracht. Das Laden dort ist oft kostenfrei für die Kundinnen und Kunden der jeweiligen Geschäfte, die dafür in das Verzeichnis dieses Netzes aufgenommen werden. Angesichts steigender Strompreise wollen manche Anbieter dazu übergehen, für das Laden Geld zu verlangen.

Das Bayerische Landesamt für Maß und Gewicht aber hatte beispielsweise angekündigt, das Inverkehrbringen und die Inbetriebnahme neuer, nicht eichrechtskonformer AC-Ladesäulen im geschäftlichen Verkehr zu ahnden. Verwender nicht eichkonformer Ladesäulen müssten sich selbst anzeigen und einen Umrüstplan vorlegen.

Dann träfen die Eichbehörden Einzelfallentscheidungen „unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit sowie nach Abwägung und in Einklang mit den Zielen des Verbraucherschutzes, den Zielen des Aufbaus der Ladeinfrastruktur in Deutschland sowie den Zielen eines fairen Wettbewerbs“.

Tesla fordert Unterlassungserklärung wegen Rufschädigung

Vor diesem Hintergrund sieht Wirelane Chancen, sein Geschäft auszubauen. „Ich habe durchaus ein geschäftliches Interesse“, bekennt Schwaab ganz offen. Sein Unternehmen setzt vor allem auf Hotels und Gewerbeimmobilien als Kunden.

Tesla wirft Schwaab in dem Schreiben nun vor, die Aussagen in dem Brief an die Hotels seien verkürzt und stellten „eine bewusste Beeinträchtigung des Rufes von Tesla dar“. Zudem seien sie geeignet, „die Ware und die geschäftlichen Verhältnisse von Tesla zu verunglimpfen und herabzusetzen“.

Schwaab sieht sich nicht als Konkurrent von Tesla. Und das nicht nur, weil der gesamte Wirelane-Fuhrpark aus Teslas besteht. Tesla sei mit seinen Schnellladesäulen, die Wirelane ohnehin nicht im Angebot hat, eher eine Ergänzung. Die Schnellladesäulen der Amerikaner seien für die Elektromobilität insgesamt wichtig, sagt Schwaab. „Auch Hotelgäste müssen erst einmal zum Hotel kommen – und sind deshalb froh, wenn sie an der Autobahn eine Schnellladesäule von Tesla finden.“

Nach eigener Aussage ist der Wirelane-Gründer überrascht und vor allem auch enttäuscht, dass sich das US-Unternehmen gleich mit juristischen Drohungen bei ihm meldete. „Man hätte ja auch erst einmal miteinander reden können.“

Elon Musk inspirierte Schwaab bei der Wirelane-Gründung

Bei der Übergabe seines ersten Teslas hatte Schwaab noch freundlich mit Musk geplaudert. Er fragte den US-Unternehmer, ob es bei Tesla offene Schnittstellen geben werde, für die man zum Beispiel schlaue Lade-Apps entwickeln könne.

Musk bejahte die Frage und bei Schwaab entstand später die Idee für die Gründung seines Unternehmens. Wirelane profitiert davon, dass die neue Ladesäulenverordnung vorsieht, dass künftig alle Ladesäulen eine Bezahlmöglichkeit mit der Kreditkarte haben müssen. Wirelane hatte diese schon zu einem frühen Zeitpunkt in seine Ladesäulen integriert und sieht sich daher in einer guten Ausgangsposition.

Die Unterlassungserklärung, die Tesla fordert, will er nicht unterschreiben. „Es stimmt ja, was ich geschrieben habe, und es muss gleiches Recht für alle gelten.“

Als Tesla-Fanboy würde sich Schwaab heute allerdings nicht mehr bezeichnen. Mit Musks Gebaren und seinen politischen Positionen habe er inzwischen so seine Probleme. „Und es ist nicht gut, wie sich das Unternehmen am Markt verhält.“

Mitarbeit: Claudia Scholz

Erstpublikation: 22.11.2022, 11:54 Uhr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×