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08.08.2019

16:51

Thyssen, Krupp, Arcelor, Voestalpine

Schwache Konjunktur, hohe Rohstoffpreise: Stahlindustrie spürt Druck von allen Seiten

Von: Kevin Knitterscheidt

Vor allem die lahmende Autoindustrie belastet die Stahlbranche schwer. Die Konzerne um Thyssen-Krupp und Arcelor-Mittal passen ihre Produktion an.

Die Kosten für den wichtigsten Rohstoff Eisenerz sind in den vergangenen Monaten regelrecht explodiert. dpa

Werk von Thyssen-Krupp in Dortrmund

Die Kosten für den wichtigsten Rohstoff Eisenerz sind in den vergangenen Monaten regelrecht explodiert.

Düsseldorf Thyssen-Krupp, Arcelor-Mittal, Voestalpine: Die Liste der Stahlproduzenten, die ihre Prognosen in diesem Jahr angesichts der konjunkturellen Eintrübung bereits anpassen mussten, ist lang. Vor allem die lahmende Autoindustrie belastet die Branche derzeit schwer: So gingen im ersten Halbjahr allein in China die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr um 12,4 Prozent auf rund 12,3 Millionen Fahrzeuge zurück.

In anderen Märkten sah es kaum anders aus. Das drückt zunehmend auch bei den Zulieferern aufs Ergebnis – neben Chemieherstellern wie BASF und Maschinenbauern wie Aumann sind das eben auch die Stahlhersteller.

Längst haben die Unternehmen ihre Produktion an die veränderten Bedingungen angepasst. Mit Arcelor-Mittal hat der weltgrößte Hersteller schon vor einigen Wochen angekündigt, seinen Ausstoß in Europa spürbar zu verringern. Ein Werk in Polen hat der Konzern vorübergehend stillgelegt, ein weiteres in Spanien fährt derzeit auf Sparflamme.

Auch das Werk in der italienischen Hafenstadt Tarent, das Arcelor im vergangenen Jahr übernommen hatte und zum größten Stahlstandort in Europa ausbauen will, arbeitet derzeit deutlich unter der geplanten Maximalauslastung von zehn Millionen Tonnen pro Jahr. Tausende italienische Stahlkocher hat der Konzern in Kurzarbeit geschickt.

Während derzeit viele Branchen unter der schwachen Autokonjunktur leiden, kommen bei den Stahlherstellern allerdings noch weitere Probleme hinzu. So sind die Kosten für den wichtigsten Rohstoff Eisenerz in den vergangenen Monaten regelrecht explodiert – von knapp 60 Euro je Tonne Anfang Dezember auf fast 110 Euro Ende Juli.

Zuletzt gingen die Preise zwar wieder deutlich zurück – doch angesichts der gleichzeitig stark gefallenen Nachfrage aus der Industrie bleibt der Druck auf die Stahlproduzenten hoch.

Hinzu kommen steigende Kosten aus dem Emissionsrechtehandel, dem die Stahlbranche als einer der größten industriellen Produzenten von CO2 in besonderem Maße ausgesetzt ist. So rechnet etwa die österreichische Voestalpine, die bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr mehrere Gewinnwarnungen verschicken musste, für das laufende Jahr mit Belastungen in Höhe von 100 Millionen Euro durch den Kauf von CO2-Zertifikaten.

Auch deshalb musste der neue Vorstandschef Herbert Eibensteiner am Mittwoch einen deutlichen Ergebniseinbruch verkünden: Im Vergleich zum Vorjahresquartal sank der Gewinn vor Zinsen und Steuern im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres um fast 52 Prozent.

Die Handelsströme verändern sich

Angesichts des sich dramatisch verschlechternden Umfelds wirkt es fast nebensächlich, dass die Stahlindustrie gleichzeitig auch mit massiven Strukturproblemen zu kämpfen hat. Auf knapp 600 Millionen Tonnen schätzen Experten die globalen Überkapazitäten, wovon ein Großteil auf das größte Produktionsland China entfällt.

Gleichzeitig schotten die USA ihren eigenen Markt seit Anfang des vergangenen Jahres mit Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent auf Stahlimporte systematisch ab. Das sorgt für veränderte Handelsströme – und steigenden Importdruck auf Europa aus Ländern, die bisher traditionellerweise auch die USA bedient hatten.

Zwar versucht die Europäische Union derzeit, sprunghafte Importsteigerungen mithilfe sogenannter „Safeguard“-Maßnahmen abzuwehren, bei denen konkrete Quoten für bestimmte Importländer festgelegt werden, die sich an den bisherigen Handelsvolumina orientieren.

Doch ist vorgesehen, die Quoten sukzessive zu lockern – wie zuletzt im Juli, als die EU die zugelassene Importmenge um fünf Prozent erhöht hat. Bis zum Juli 2021 soll das Programm noch laufen. Dann ist die Branche auf sich allein gestellt.

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