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03.12.2013

15:07 Uhr

Tiermedizin

Bayer prüft nächsten Milliardenkauf

Gerade erst hat der Chemie- und Pharmakonzern Bayer 1,8 Milliarden Euro für ein norwegisches Pharmaunternehmen geboten. Jetzt prüfen die Leverkusener den Kauf einer Sparte des Rivalen Novartis. Es geht um Tierarzneien.

Tiergesundheit ist ein Wachstumsmarkt: Novartis Animal Health bietet auch Medikamente für die professionelle Tieraufzucht, etwa von Schweinen. dpa

Tiergesundheit ist ein Wachstumsmarkt: Novartis Animal Health bietet auch Medikamente für die professionelle Tieraufzucht, etwa von Schweinen.

Frankfurt/LondonBayer und andere Pharmagrößen loten Finanzkreisen zufolge einen milliardenschweren Kauf der Tiermedizinsparte des Schweizer Rivalen Novartis aus. Bayer habe Einblick in die Bücher von Novartis Animal Health, um sich ein Bild von den Geschäften zu machen, sagten vier Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die Sparte könnte einen Preis von rund drei Milliarden Euro erzielen. Die Gespräche mit Novartis seien aber nicht exklusiv. Auch Boehringer Ingelheim und der US-Konzern Eli Lilly hätten ein Auge auf die Sparte geworfen, sagten die Insider. Novartis Animal Health kam 2012 mit rund 3000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar (rund 811 Millionen Euro). Die Investmentbank Goldman Sachs berate Novartis bei dem Vorhaben.

Bayer würde mit einer Übernahme des Novartis-Bereichs weltweit an die dritte oder vierte Stelle im Geschäft mit Medikamenten und Impfstoffen gegen Tierkrankheiten vorrücken. 2012 steigerten die Leverkusener ihren Tierarznei-Umsatz um fast zehn Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Bayer-Chef Marijn Dekkers sagte Reuters am Rande einer Konferenz in London am Dienstag: "Wir sind daran interessiert, unser Tiergesundheitsgeschäft auszubauen." Allerdings wollte er sich nicht dazu äußern, ob Bayer einen Kauf der Novartis-Sparte sondiere. Novartis, Boehringer Ingelheim und Goldman Sachs lehnten eine Stellungnahme ab. Bei Eli Lilly war zunächst niemand erreichbar.

Die größten Pharmakonzerne nach Jahresumsatz

Platz 10

Teva (Israel)
20,3 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +/- 0 %

Pharma-Umsätze im Jahr 2013, Quelle: Unternehmen

Platz 9

Eli Lilly (USA)
21,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,9 %

Platz 8

Astra-Zeneca (Großbritannien)
25,7 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -8,1 %

Platz 7

Johnson & Johnson (USA)
28,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +10,9 %

Platz 6

Glaxo Smith Kline (Großbritannien)
33,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -1,3 %

Platz 5

Sanofi (Frankreich)
37,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -2,9 %

Platz 4

Merck (USA)
37,4 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -7,8 %

Platz 3

Roche (Schweiz)
39,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +3,9 %

Platz 2

Novartis (Schweiz)
47,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,6 %

Platz 1

Pfizer (USA)
47,9 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -6,5 %

Novartis-Chef Joseph Jimenez und der seit August amtierende Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt hatten bei den Baselern eine Überprüfung der Geschäfte eingeleitet. Künftig soll sich der Konzern auf Bereiche konzentrieren, die neben einer globalen Reichweite auch eine kritische Größe haben. Dazu zählt Novartis-Chef Jimenez derzeit Pharma, Augenheilkunde und Generika, die alle rund zehn Milliarden Dollar oder mehr Umsatz pro Jahr erwirtschaften. Kleinere Segmente wie die Tiermedizin stehen hingegen auf dem Prüfstand.

Die Tiermedizin ist einer der Wachstumsbereiche im Arzneimittelgeschäft von Bayer. Erst zu Jahresbeginn hatte Dekkers den Kauf der US-Tierarzneisparte des Generikaherstellers Teva unter Dach und Fach gebracht. Bis zu 145 Millionen Dollar war das Geschäft mit Tier-Shampoos und Anti-Infektions-Präparaten den Leverkusenern wert. Präparate für Nutz- und Haustiere sind lukrativ: In den Industriestaaten geben Menschen viel Geld für das Wohlergehen von Hund und Katze aus. Zudem wächst seit Jahren der Fleischkonsum in den Schwellenländern.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Aktueller Branchenführer ist der US-Konzern Zoetis mit Umsätzen von umgerechnet 3,2 Milliarden Euro. Die Nummer Zwei in dem Geschäft ist der US-Pharmariese Merck & Co, gefolgt vom französischen Arzneimittelhersteller Sanofi. Mit etwas Abstand kommen Eli Lilly, Bayer, Boehringer Ingelheim und Novartis. Global werden mit Tierarzneien und -impfstoffen deutlich mehr als 15 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt. Experten gehen davon aus, dass der Weltmarkt im Schnitt um etwa sechs Prozent pro Jahr wächst.

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rtr

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