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17.06.2016

16:38 Uhr

Übernahme von Chemetall

BASF gibt Milliarden für Lackspezialisten aus

Es ist der größte Zukauf seit 2010: Der Chemiekonzern BASF zahlt für die Frankfurter Chemetall rund 3,2 Milliarden Dollar. BASF stärkt damit seine Lacksparte mit dem Spezialisten für Oberflächenbehandlung.

Der Chemiekonzern übernimmt Chemetall. dpa

BASF

Der Chemiekonzern übernimmt Chemetall.

FrankfurtDie Serie von Milliarden-Geschäften in der Chemieindustrie hält an: Der weltweite Branchenführer BASF verstärkt mit einem Zukauf seine Sparte für Lacke (Coatings). Das Unternehmen aus Ludwigshafen nimmt dem US-Konzern Albemarle für rund 3,2 Milliarden US-Dollar (2,8 Mrd Euro) dessen Tochter Chemetall mit Zentralen in Frankfurt am Main und in New Providence (US-Bundesstaat New Jersey). Das teilten beide Partner am Freitag mit.

Mit dem Kauf der Firma, die auf die Behandlung von Metalloberflächen spezialisiert ist, fördert BASF indirekt auch sein Lackgeschäft, dessen größter Teil auf Zulieferungen für die Autoindustrie entfällt. „Chemetall passt strategisch hervorragend zu unserem Coatings-Geschäft“, sagte der zuständige Vorstand Wayne T. Smith.

Das etwa 2500 Mitarbeiter zählende Unternehmen Chemetall stellt für unterschiedliche Branchen Beschichtungen, Schmiermittel und Dichtmassen her. Die Produkte für Oberflächentechnik schützen etwa Metalle vor Korrosion, erleichtern ihre Bearbeitung und bereiten sie auf den Lackierprozess vor.

Zu den großen Kunden neben der Autobranche zählten auch die Luftfahrt- und die metallverarbeitende Industrie, hieß es bei BASF. Alle lackierbaren Teile am Auto müssten vor diesem Schritt vorbehandelt werden. Deshalb passe die Übernahme gut zur Strategie des Unternehmens: „Es ist eine Ergänzung zum jetzigen Geschäft.“

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Der Kauf soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen werden, wenn die zuständigen Behörden zustimmen. Zum Bereich Coatings gehören auch Anstrichmittel für Bauten.

Smith, der auch die Katalysatoren und das Nordamerika-Geschäft verantwortet, hatte im vergangenen November gesagt, BASF wolle den Umsatz mit der Autoindustrie jährlich weiter um fünf Prozent steigern. Chemetall erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 845 Millionen Dollar und einen um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 205 Millionen Dollar.

Die BASF-Aktie reagierte am Freitag zunächst negativ. Nach Bekanntgabe der Spartenübernahme sackte der Kurs erst ins Minus, erholte sich dann aber wieder etwas.

Die Frage, ob der Kauf eine direkte Reaktion auf die Fusionswelle in der Chemiebranche sei, verneinte die BASF-Sprecherin: „Das ist die normale Portfolio-Optimierung. Das ist eine ständige Aufgabe.“ Die BASF, deren Kassen nach diversen Verkäufen gut gefüllt sind, sah bislang eher dabei zu, wie sich neue Zusammenschlüsse abzeichneten.

So hatte Anfang des Jahres der chinesische Chemiekonzern ChemChina angekündigt, den Schweizer Agrarchemie-Anbieter Syngenta für 43 Milliarden Dollar schlucken zu wollen. Auch die US-Konkurrenten Dow Chemical und DuPont wollen zusammengehen. Bayer strebt die Übernahme des Saatgut- und Pflanzenschutz-Konzerns Monsanto aus den USA an.

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