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01.03.2022

19:37

Ukraine-Krieg

BMW stoppt Produktion in Russland und warnt vor Lieferengpässen

Von: Franz Hubik

Der Autobauer setzt auch den Export von Neuwagen nach Russland aus. Infolge des Ukrainekriegs rechnet der Konzern zudem mit Produktionsunterbrechungen.

Das Geschäft lief bis vor dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine ganz ordentlich. dpa

BMW-Produktion in Kaliningrad (Archivbild)

Das Geschäft lief bis vor dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine ganz ordentlich.

München BMW legt sein Geschäft in Russland in Reaktion auf den Ukrainekrieg auf Eis. „Aufgrund der aktuellen geopolitischen Situation stellen wir bis auf Weiteres unsere lokale Produktion und den Export für den russischen Markt ein“, erklärte der Autobauer dem Handelsblatt in einem Statement.

Der Münchener Dax-Konzern rechnet damit, dass die Gefechte in der Ukraine und die Sanktionen von Bundesregierung und Europäischer Union gegen Russland, die das Unternehmen ausdrücklich mitträgt, zu Lieferengpässen führen werden. Dadurch werde es wiederum zu „Produktionsunterbrechungen kommen“, erklärte BMW.

In welchen Fabriken des Konzerns außerhalb Russlands demnächst die Bänder langsamer laufen oder gänzlich stillstehen werden, konnten die Bayern aber noch nicht detailliert erläutern. „Mit unseren Lieferanten sind wir in intensiven Gesprächen“, erklärte BMW dazu.

Die Münchener sind seit 1999 in Russland aktiv. In Kaliningrad montiert, schweißt und lackiert der russische Fahrzeughersteller Avtotor für BMW Limousinen und SUVs. Aus Einzelteilen, die BMW an Avtotor aus dem Westen liefert, werden vor Ort in Russland vor allem schwere Geländewagen wie X5, X6 und X7 zusammengeschraubt. Durch die lokale Produktion vermeidet BMW hohe Einfuhrzölle.

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    Das Geschäft lief bis vor dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine ganz ordentlich. BMW hat im vergangenen Jahr rund 47.000 Autos in Russland verkauft. Das entspricht einem Zuwachs von rund zehn Prozent im Vergleich zu 2020. Nun könnte aber eine lange Pause in Russland anstehen – nicht nur für BMW.

    Die Autoindustrie insgesamt reagiert mit einschneidenden Maßnahmen auf den Ukrainekrieg. Daimler Truck hat die Produktion und den Verkauf von Lastwagen in Russland gestoppt und erwägt einen kompletten Rückzug aus der Region. Die VW-Premiumtochter Audi hat bis auf Weiteres die Auslieferungen von Neuwagen in Russland gestoppt. Auch Volvo liefert keine neuen Limousinen und SUVs mehr in den größten Flächenstaat der Welt. Und weitere Konzerne könnten bald folgen.

    Mercedes will Werk bei Moskau nicht abschreiben

    Denn Russland werde vom Westen gerade derart isoliert, dass absehbar die Transportwege in den Markt zusammenbrechen dürften, prognostiziert ein ranghoher Manager hinter vorgehaltener Hand. Der Flugverkehr ist bereits massiv eingeschränkt. Nun könnten auch die Bahn- und Schiffsrouten nach Russland abgeschnitten werden, so die Sorge in der Branche.

    Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, hat das wohl längst eingepreist. „Der Export von Fahrzeugen nach Russland dürfte zunächst ganz zum Erliegen kommen“, konstatiert der erfahrene Autoexperte. Die lokale Fahrzeugproduktion in Russland läuft derweil bei einigen Konzernen aber noch weiter. So fertigt etwa Mercedes-Benz in seiner Fabrik nahe Moskau im Moment noch Modelle wie die Business-Limousine E-Klasse, bestätigte ein Konzernsprecher.

    Die Frage ist freilich: Wie lange noch? Intern gehen die Krisenstäbe alle möglichen Szenarien durch. In dem Mercedes-Werk „Moscovia“ arbeiten rund 1000 Beschäftigte. Die Marke mit dem Stern hat 2019 umgerechnet 250 Millionen Euro in den Aufbau der Produktion in Russland investiert. Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, ist kaum vorhersehbar. Abschreiben will man das Werk nicht. Aber ausschließen lässt sich in der aktuellen Situation auch nichts.

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