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30.03.2020

14:10

Umfrage zur Coronakrise

Controller rechnen mit Erholung für Unternehmen im Juli

Von: Kirsten Ludowig

Die private Wirtschaftshochschule WHU hat CFOs und Controller gefragt, wie sie die Lage ihrer Unternehmen in der Coronakrise bewerten. Das sind die Ergebnisse der Blitzstudie.

Im Schnitt erwarten die Teilnehmer der Blitzstudie eine Normalisierung der Lage in ihren Unternehmen in vier Monaten, vom Befragungszeitpunkt aus gerechnet also Mitte Juli. Reuters

Frankfurter Skyline

Im Schnitt erwarten die Teilnehmer der Blitzstudie eine Normalisierung der Lage in ihren Unternehmen in vier Monaten, vom Befragungszeitpunkt aus gerechnet also Mitte Juli.

Düsseldorf Das Coronavirus hat die Wirtschaft in Deutschland nahezu zum Stillstand gebracht. In den Unternehmen zählt nun vor allem eines: Liquidität sichern und Kosten senken, nach dem Motto „Cash is King“. Es ist die Stunde der Controller. Sie sind Teil jedes internen Krisenstabs und tauschen sich täglich mit dem Topmanagement aus.

Umso interessanter ist, wie die zentralen Krisenmanager die aktuelle Situation in ihren eigenen Unternehmen einschätzen – und vor allem, wie schnell sich die Lage aus ihrer Sicht wieder normalisieren wird. Um das herauszufinden, hat die WHU Otto Beisheim School of Management in Kooperation mit dem Internationalen Controller Verein (ICV) knapp 500 Finanzvorstände und Controller in der deutschen Wirtschaft befragt.

Eine Erkenntnis aus der Onlineumfrage, die vom 20. bis zum 23. März durchgeführt wurde und deren Ergebnisse dem Handelsblatt exklusiv vorliegen: Im Schnitt erwarten die Teilnehmer der Blitzstudie eine Normalisierung der Lage in ihren Unternehmen in vier Monaten, vom Befragungszeitpunkt aus gerechnet also Mitte Juli. Das würde für einen kurzen heftigen Einbruch der Wirtschaftsleistung sprechen, nach dem es aber schon relativ bald wieder zu einer starken Erholung kommt.

Alle Einschätzungen hängen davon ab, dass Deutschlands Gesundheitssystem der Belastung standhält und die Zahl der Infizierten zurückgeht. Erst dann dürfte die Politik die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens, den sogenannten Shutdown, lockern und die Wirtschaft wieder hochfahren. Im Schnitt glauben die von der WHU befragten CFOs und Controller, die weiteren Entwicklungen in etwa sechs Wochen wieder besser abschätzen zu können.

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    Interessant ist, dass sich bei der Frage nach der Erholung keine signifikanten Unterschiede mit Blick auf die Unternehmen zeigen, in denen die Zahlenexperten arbeiten. „Die Einschätzung, wann es wieder besser wird, hängt weder von der Größe noch von der Branche ab“, sagt Marko Reimer, Professor an der WHU.

    Er und sein Kollege Utz Schäffer leiten das Institut für Management und Controlling an der privaten Wirtschaftshochschule im rheinland-pfälzischen Vallendar und haben die Antworten ausgewertet. 55 Prozent der Firmen sind im produzierenden Gewerbe tätig, 40 Prozent im Dienstleistungssektor und fünf Prozent im Handel. Etwas über die Hälfte erwirtschaftet zwischen 50 Millionen und einer Milliarde Euro Jahresumsatz, je rund ein Viertel weniger oder mehr.

    Zehn Prozent schätzen Krise als existenzbedrohend ein

    Auch die WHU-Umfrage zeigt: Die Coronakrise ist systemisch. Das ist Fluch und Segen zugleich. Zum einen trifft sie letztlich alle Unternehmen, eine Rezession ist nicht zu vermeiden. Die Frage ist nur, wie tief sie wird und wie lange sie dauert. Zum anderen haben Bundestag und Bundesrat vergangene Woche in Rekordzeit ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht, auch für Soloselbstständige und Kleinstbetriebe.

    Zehn Prozent der befragten CFOs und Controller schätzen die Auswirkungen der Pandemie auf ihre Firma als existenzbedrohend ein, das betrifft überwiegend die kleinen. „Dabei kämpfen sie im Moment mehr mit Absatzeinbrüchen als mit der Stabilität der Lieferketten oder Einschränkungen in der Produktion“, erklärt WHU-Professor Schäffer.

    Mit dem Krisenmanagement in ihrem Unternehmen sind die Befragten im Schnitt durchaus zufrieden. Mehr als 80 Prozent geben auf einer Siebenerskala (eins steht für „sehr ineffektiv“, sieben für „sehr effektiv“) eine fünf und höher an. Dabei zeichnen sich die Firmen mit einem guten Krisenmanagement aus Sicht der Studienteilnehmer durch zwei Dinge aus: Sie sind besser für die Krise gewappnet und erkennen häufiger die Chancen.

    „Das zeigt, dass nicht Ad-hoc-Reaktionen ein gutes Krisenmanagement ausmachen, sondern eine bestmögliche Vorbereitung“, so Schäffer. „Akute Liquiditätsengpässe oder Probleme mit der Lieferkette weisen darauf hin, wie wenig gerüstet und verwundbar manche Unternehmen in Krisen sind.“

    Die gute Nachricht: Ungefähr die Hälfte der befragten CFOs und Controller sieht in der Coronavirus-Pandemie auch eine Chance für das eigene Unternehmen. „Und das unabhängig davon, wie stark es betroffen ist. Selbst die existenzielle Bedrohung hat keinen Einfluss auf diese positive Sicht der Krise“, sagt Reimer von der WHU.

    Die meisten Arbeitgeber haben all die Mitarbeiter, die ihre Arbeit von zu Hause aus erledigen können, ins Homeoffice geschickt. Das wird den Trend zur Telearbeit verstärken, glauben nicht nur die Anbieter von Software für Videokonferenzen und mobiles Arbeiten. Ein Controller sieht die Krise denn auch als „Frischzellenkur hinsichtlich Homeoffice und Digitalisierung“, gerade für kleine und mittelgroße Firmen.

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